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Trump verschreckt Anleger

von Redaktion

Vor Wochenfrist sah es so aus, als ob sich der Aktienmarkt langsam von den enttäuschenden letzten Wochen erholen könnte. Die ersten Börsentage im März haben die Zuversicht weggeblasen. Hauptgrund: Die von USA-Präsident Donald Trump angekündigten Strafzölle auf Stahl und Aluminium zum angeblichen Schutz von US-Firmen. Die Regierungen anderer Industrieländer, Wirtschaftsvertreter, aber auch Republikaner in den USA sind empört. Gegenmaßnahmen werden erörtert, ein Handelskrieg droht.

Vor allem diese Furcht hat die Börsen weltweit auf Talfahrt geschickt. Der Deutsche Aktienindex Dax rutschte am Freitag erstmals seit Ende August vergangenen Jahres unter die Schwelle von 12 000 Punkten. In der abgelaufenen Woche hat er rund 4,5 Prozent verloren. Im Februar war es von fast 13 200 auf 12 435 nach unten gegangen. Ein Minus von fast sechs Prozent. Seit Jahresanfang summiert sich die Einbuße auf fast acht Prozent.

Der drohende Handelskonflikt ist nicht die einzige Belastung. Stahl-Hersteller wie Thyssen-Krupp trifft es genauso wie andere deutsche Konzerne, für die das Exportgeschäft extrem wichtig ist. Schließlich weiß niemand, was Trump noch in den Sinn kommt, und ob er überhaupt bemerkt, dass er mit Handelsschranken auch der eigenen Wirtschaft schadet. Sorgen um steigende Zinsen, der mit Spannung erwartete Mitgliederentscheid der SPD über die Große Koalition, die Wahlen in Italien und auch das Atomwaffen-Getöse des russischen Präsidenten haben zuletzt zudem auch die Börsianer umgetrieben.

Noch ist das Umfeld für die Börse aber eigentlich gut: Die (Welt-)Konjunktur läuft, die deutsche Wirtschaft ist auch nach Ansicht der generell vorsichtigen Bundesbank in bester Verfassung, die Zinsen sind niedrig. Sparanlagen und Anleihen bleiben unattraktiv. Zudem schütten die 100 deutschen an der Börse gelisteten Firmen in diesen Wochen Dividenden von fast 47 Milliarden Euro aus – ein Rekord.

All das zählt an der Börse derzeit nicht. „Es steigt mit Trumps Ankündigung von Strafzöllen nicht nur die Angst vor einem Handelskrieg. Da Zölle auch preistreibend wirken, fachen sie die Inflations- und damit die Zinsängste weiter an“, sagt Robert Greil vom Bankhaus Merck Finck. Die Bereinigung an den Aktienmärkten sei noch nicht abgeschlossen, warnt Markus Reinwand von der Helaba und rät von Aktienkäufen ausdrücklich ab. Bis auf 11 500 Zähler könne es im Dax noch nach unten gehen. Von „eisigen Zeiten“ am Aktienmarkt spricht Alexander Lokat von der Weberbank. „Mittelfristig sollte es an den Kapitalmärkten wieder wärmer werden, windig wird es aber bleiben.“ Angesichts der niedrigen Zinsen und des Dividendenrekords wirbt Michael Bissinger von der DZ Bank unverdrossen weiter für Aktien. Und hält am Ziel von 14 000 Dax-Punkten zum Jahresende fest. Noch. rolf obertreis

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