Containervermittler pleite

P&R-Anleger bangen um ihr Geld

von Redaktion

von thomas magenheim-hörmann

Wer am sogenannten Grauen Kapitalmarkt anlegt, geht oft ein hohes Risiko ein. Das führt derzeit der Fall des pleitegegangenen Finanzdienstleisters P & R aus dem Münchner Nobelvorort Grünwald vor Augen, wo nun der vorläufige Insolvenzverwalter Michael Jaffé zu retten versucht, was noch zu retten ist. Das Schadenspotenzial beim Marktführer für Investments in Seecontainer ist enorm. 51 000 Anleger haben dort eine Milliardensumme angelegt. Experten sprechen von insgesamt 3,5 Milliarden Euro, die im Feuer stehen. Unklar ist, ob sich das im Rahmen eines normalen Anlegerrisikos abspielt oder ein Betrugsvorwurf erhoben werden kann. Jaffé schweigt zu diesem Punkt vorerst, hat aber in anderer Hinsicht Mitteilungsbedarf. „Wir haben Verständnis für die schwierige Lage der Anleger, bitten aber zugleich darum, Ruhe zu bewahren“, appelliert Jaffé an die Geschädigten. Denn bislang sind nur drei Unternehmen aus dem P & R-Firmengeflecht insolvent. Zwei weitere Schwesterfirmen und vor allem die zentrale Einheit in der Schweiz sind das aber nicht, was Hoffnungen nährt, das Schlimmste vielleicht noch verhindern zu können.

Das Geschäft mit den Containern

Dazu muss man wissen, wie das vermeintlich lukrative Geschäft funktioniert. Wer bei P & R eingestiegen ist, hat mit seinem Geld Frachtcontainer gekauft, die dann an Leasinggesellschaften oder Transportkonzerne vermietet wurden. Aus diesen Mieteinnahmen speist sich die Anlegern versprochene Rendite zu einem Teil. Nach drei bis fünf Jahren werden die Container zudem von P & R verkauft zu etwa zwei Dritteln ihres Anschaffungswerts. Zumindest ist das die Kalkulation gewesen. Mit der Pleite von Reedereien in den letzten Jahren ist dieses Modell mehr als wacklig geworden. Noch läuft das vom Schweizer P & R-Ableger organisierte Vermietgeschäft aber. Sollten auch die Schweizer kollabieren, sieht es wirklich düster aus. Dann könne man Container nur noch zum Schrottpreis verkaufen, warnt ein Insider.

Vor allem auch deshalb appelliert Jaffé an betroffene Anleger, nicht auf eigene Faust zu versuchen, ihre Container zu verwerten. Das mache weder wirtschaftlich Sinn, noch sei es voraussichtlich möglich. Andererseits setzt bei Pleiten erfahrungsgemäß ein Herdentrieb ein und alle wollen plötzlich gleichzeitig durch dieselbe Tür. Mit den Containern könne er langfristig Mieteinnahmen erzielen, so den Betrieb am Laufen halten und Verluste minimieren, erklärt der Insolvenzverwalter, der schon große Pleiten wie die des Medien–imperiums von Leo Kirch gemanagt hat. Zudem könnten Anleger ihre Container kaum in Eigenregie verwerten. Rund 1,3 Millionen von ihnen hat P+R verstreut über die ganze Welt im Einsatz. Jeder Versuch, ihrer habhaft zu werden, würde erheblichen Schaden anrichten, der bis zum Totalverlust gehen kann, warnt Jaffé eindringlich. Parallel verschaffen er und sein Kollege Philip Heinke sich derzeit einen Überblick über die komplizierte Lage und erstellen dazu auch ein Gutachten. Mit von der Partie ist dabei die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC.

Als rechtlich schwierig gelten speziell die Geschäftsbeziehungen in die Schweiz. Eine andere Frage ist, ob bei den Geschäften grundsätzlich alles mit rechten Dingen zugegangen ist. P & R ist allerdings kein Neuling und betreibt das Geschäft mit Frachtcontainern schon seit 40 Jahren. Die längste Zeit hat das auch gut funktioniert, betont ein Insider. Andererseits gibt es Hinweise, dass P & R die Renditeversprechen über überhöhte Containermietpreise und unrealistische Preise zum Rückkauf der Container künstlich aufgeblasen haben könnte. Jaffé erlaubt sich dazu vorerst noch kein Urteil.

Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) hat zudem angekündigt, eine Interessengemeinschaft für Anleger zu organisieren, die deren Ansprüche gegen die insolventen Gesellschaften prüfen und vertreten soll.

Verbraucherschützer raten betroffenen Anlegern, sich rechtlich beraten zu lassen. Im vorläufigen Insolvenzverfahren seien zwar noch keine Forderungsanmeldungen möglich, erklärt die Verbraucherzentrale Bayern. Betroffene könnten aber vorab schon jetzt prüfen lassen, ob sie bei ihren Direktinvestments in Frachtcontainer falsch beraten worden sind. Möglicherweise kämen dann Schadenersatzansprüche gegen den Finanzberater oder -vermittler in Betracht, sagen die Verbraucherschützer.

Risiken am Grauen Kapitalmarkt

Die Kollegen des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV) sprechen ein grundsätzliches Problem bei Geschäften von Privatpersonen am Grauen Kapitalmarkt an. „Ein aktiver Vertrieb sollte verboten werden, denn für Verbraucher sind diese Produkte zu komplex und bergen zu hohe Risiken“, sagte VZBV-Chef Klaus Müller dem „Handelsblatt“. Ende 2014 wurden zwar Verbraucherrechte am Grauen Kapitalmarkt gestärkt. Ausreichend seien die aber immer noch nicht, kritisiert auch Grünen-Finanzexperte Gerhard Schick.

Im aktuellen Fall P & R wird es voraussichtlich bis nach Ostern dauern, bis feststeht, wohin die Reise geht. Eine Verwertung einer so hohen Zahl an Containern sei nicht von heute auf morgen möglich, betont Jaffé. In den nächsten Wochen und Monaten werde er ein Verwertungskonzept erarbeiten. Parallel würden die Krisenursachen aufgearbeitet.

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