Drei Prozent Rendite im Schnitt. Soviel bringen die 30 wichtigsten deutschen Aktien, setzt man die Dividenden, die sie in diesen Wochen ausschütten, ins Verhältnis zum aktuellen Kurs. Das kann sich sehen lassen. Zehnjährige Bundesanleihen bringen aktuell gerade mal 0,5 Prozent, Tagesgeldkonten fallen immer weiter zurück. Jetzt hat auch die ING-DiBa den Zins für Tagesgeld von 0,1 auf läppische 0,01 Prozent gekappt. Wer also 10 000 Euro dort parkt, bekommt pro Jahr gerade mal einen mickrigen Euro an Zinsen. Real verliert er bei einer Inflationsrate von 1,5 Prozent von jenen 10 000 Euro ohnehin 150 Euro. Bei einem Zins von 0,01 Prozent sind es wenigstens nur noch 149 Euro.
Allein im ersten Quartal haben Bundesbürger durch schlecht verzinste Geldeinlagen insgesamt 7,16 Milliarden Euro verloren, rechnet die Comdirect vor. 86 Euro pro Bundesbürger – vom Kleinkind bis zum Rentner. Real lag die Verzinsung bei minus 1,31 Prozent. „Wenn ein mit Wasser gefülltes Fass ein Leck hat, würde man versuchen das Loch zu stopfen“, sagt Comdirect-Chef Arno Walter. „Deutsche Sparer verhalten sich anders: Sie schütten immer mehr Wasser in das Fass, in der Hoffnung, so den Pegel halten zu können.“
Die meisten Deutschen nehmen das hin. Sie scheuen weiter ein auch nur vorsichtiges Engagement an der Börse, etwa über Fonds oder kostengünstige, börsengehandelte Indexfonds, die einen ganzen Markt abdecken. Auch der Dividendenrekord von fast 37 Milliarden Euro durch die 30 größten deutschen Konzerne (rund fünf Milliarden mehr als vor Jahresfrist) lockt nur wenige. Allerdings ist die Scheu in diesen Tagen verständlich. Schließlich erlebt die Börse unruhige Zeiten. Vor allem der von US-Präsident Trump angezettelte Handelskonflikt besonders mit China drückt auf die Stimmung. Immerhin hat sich die Aufregung zuletzt etwas gelegt. Der Deutsche Aktienindex Dax hat sich wieder fest über der Marke von 12 000 Punkten eingerichtet und in den ersten Apriltagen um rund 200 Punkte oder rund 1,5 Prozent zugelegt.
Aber es wird unruhig bleiben, sind sich die meisten Experten sicher. „Trump hat noch nicht genug vom Säbelrasseln“, sagt Robert Greil von Bankhaus Merck Finck. „Je länger sich die Handelsstreitereien hinziehen und je schärfer sie werden, desto mehr trübt sich das Konjunkturbild ein.“ Greil ist gegenüber Aktien neutral.
Auch Michael Bissinger von der DZ Bank sieht in einem potenziellen Handelskrieg ein Risiko für die deutschen auf Exporte ausgerichteten Konzerne. Noch aber traut er ihnen in diesem Jahr erneut Rekordgewinne zu. „Das sollte den Dax bis zum Jahresende auf 14 000 Punkte ansteigen lassen“, bleibt Bissinger (noch) zuversichtlich. Abwarten. Zumindest die Dividenden für 2017 sind sicher und die Ausschüttung von fast 37 Milliarden Euro bei den 30 Dax-Firmen.
rolf obertreis