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Dax im Aufwind – trotz Trump

von Redaktion

Neun Prozent plus seit Ende März, erstmals seit gut drei Monaten wieder mehr als 13 000 Punkte: Der Deutsche Aktienindex Dax zeigt im Mai eine erstaunliche Entwicklung. War da etwas mit den USA und dem Iran? Und mit der Gefahr eines kriegerischen Konfliktes im Nahen Osten? Trifft das nicht deutsche Firmen, die ihre Geschäfte mit dem Iran zuletzt deutlich ausgeweitet haben? Besteht nicht weiter die große Gefahr, dass Trump europäische Firmen ohnehin mit Zöllen belegt? Und ist nicht der Ölpreis gestiegen – seit Jahresanfang um 16 Prozent? Und sind nicht die Konjunkturdaten für die Eurozone zuletzt schwächer ausgefallen?

Die Börsianer ließen sich nicht von kurzfristigen politischen Entwicklungen und Konjunkturdaten beeinflussen, heißt es auf dem Parkett. „Die Entwicklung verwundert schon ein klein bisschen“, räumt Oliver Roth vom Bankhaus Oddo Seydler ein. „Aber weltweit läuft die Konjunktur hervorragend. Das gibt Rückenwind.“

Die Aussichten für die Weltwirtschaft sind weiter gut, dabei profitieren deutsche Firmen auch vom wieder etwas schwächeren Euro. Das vergünstigt Exporte in Dollar-Länder. Deutsche Firmen erwarten denn auch heuer weiter steigende Gewinne. Die Zinsen bleiben niedrig. Zwar gibt es leichte Signale aus der Europäischen Zentralbank (EZB), dass das Anleihekaufprogramm zum Jahresende auslaufen könnte. Aber auch dann kauft die EZB weiter, weil Erlöse aus fälligen Anleihen wieder investiert werden. Vor Mitte 2019 wird kaum an der Zinsschraube gedreht. Edgar Walk vom Bankhaus Metzler verweist auf einen anderen Zwang: Wegen der weltweit hohen Schulden könnten die Notenbanken kaum an der Zinsschraube drehen. Wenn doch, steige die Gefahr einer neuen Finanzkrise.

„Angesichts der Risiken könnte man schon von extremer Sorglosigkeit sprechen“, sagt Claudia Windt von der Landesbank Hessen-Thüringen. „Doch die Anleger stützen sich auf einen wichtigen Verbündeten: die US-Notenbank. Nachlassende Inflationssorgen dämpfen die US-Leitzinsfantasie.“ Die Zinsen werden in den USA also nicht zu schnell steigen, wie manche Börsianer bislang befürchtet haben. „Wie lange diese Gelassenheit trägt, bleibt abzuwarten“, schränkt Windt aber ein. Roth spricht von „lokalen Bränden“ und „den ersten Stufen einer Eskalationsleiter“.

Aktien sind weiter im Vorteil. „Die größte Alternativanlageklasse ‚Zinsvermögen‘ bleibt unattraktiv und stellt keine nennenswerte Alternative für die Aktienmärkte dar“, glaubt auch Robert Halver von der Baader Bank. Der angeblich für die Börse so kritische Monat Mai entpuppt sich bislang als Überraschung mit einem Plus im Dax von mehr als drei Prozent. Viel hängt weiter am Mann im Weißen Haus. Die Unsicherheit an der Börse ist trotz der jüngsten Entwicklung nicht verflogen. Am Freitag rutschte der Dax wieder unter die Marke von 13 000 Zählern.

rolf obertreis

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