Eigentlich ist die Schlehe eine kleine heimische Wildpflaume. Die violett-schwarzen Früchte werden erst im Herbst nach den ersten Nachtfrösten geschmacklich interessant. Sie sind dann aber immer noch ziemlich sauer, sodass das Wildobst roh nicht genießbar ist. Säfte, Konfitüren oder das beliebte Schlehenfeuer, ein aromatischer Likör, sind dagegen ein Hochgenuss.
Wilde Früchte erreichen eine Größe von etwa einem Zentimeter, Kultursorten werden teilweise bis zu zwei Zentimeter groß. Die eisige Kälte macht die Früchte weich und baut gleichzeitig Gerbsäure ab. Dabei entsteht der typische herb-aromatische Schlehengeschmack. Wer den ersten Frost nicht abwarten will, kann die Früchte auch vor der Verarbeitung einige Tage einfrieren. Eine besonders reiche Ernte gibt es meist nach langen, warmen Sommern. Dann sind pro Strauch Erträge bis zu 30 Kilogramm möglich. Mittels eines Dampfentsafters entsteht tiefroter Saft, der beispielsweise als Muttersaft getrunken, aber auch zu Sirup oder Gelee verarbeitet werden kann. Aus vier Kilogramm Beeren entstehen bis zu zwei Liter Saft.
Die medizinische Wirkung der Schlehe kommt von den enthaltenen Gerbstoffen. Sie wirken adstringierend, das heißt zusammenziehen, leicht harntreibend, schwach abführend und entzündungshemmend. Vitamin C ist nicht hitzebeständig. Deshalb ist der natürliche Gehalt an Vitamin C in Schlehenprodukten sehr gering. Die Kerne der Schlehe enthalten das Blausäureglykosid Amygdalin, das im Körper zu Blausäure umgewandelt wird. Es sorgt im späteren Schlehenfeuer, das sind in Alkohol eingelegte Schlehen, für das typische Bittermandelaroma. Die Menge an Amygdalin, das sich in den Kernen der Schlehen befindet, ist insgesamt als eher gering einzustufen. Zudem geht nicht die gesamte Menge aus den Kernen in den Alkohol über, letztlich ist die Verzehrmenge gering.
Blausäureglykoside sind auch in den Kernen vieler weiterer Früchte aus der Familie der Rosengewächse enthalten, wie beispielsweise in Apfel-, Kirsch- oder auch Mispelkernen. Bis auf wenige Ausnahmen sind die enthaltenen Mengen dieser cyanogenen Glycoside jedoch so gering, dass sie für Erwachsene unbedenklich sind. Unser Organismus verfügt über effiziente Mechanismen, um die freigesetzten kleinen Blausäuremengen wirksam zu entgiften. Bittermandeln und Aprikosenkerne haben einen höheren Gehalt an Amygdalin. Sie sind vor allem für Kinder ungeeignet. Für sie können sechs rohe Bittermandeln bereits tödlich sein.
Schlehenfeuer
Zutaten: 300 Gramm Schlehen, eine Zimtstange, 200 Gramm Kandiszucker, zehn ganze Gewürznelken, zwei rote Pfefferkörner, hochprozentiger Wodka
Zubereitung: Schlehen waschen, verlesen und leicht zerdrücken. Die Schlehen mit dem Zucker und den Gewürzen in ein großes, dunkles Gefäß füllen. Mit so viel Wodka auffüllen, dass die Früchte komplett bedeckt sind. Luftdicht verschließen und sechs bis acht Wochen bei Zimmertemperatur ziehen lassen (ab und zu leicht schütteln). Danach eventuell nachzuckern. Durch ein feines Tuch filtrieren. In Flaschen abfüllen, luftdicht verschließen und kühl lagern.