Italien, Brexit, Handelskrieg: Die Nervosität bleibt

von Redaktion

Die Nervosität an der Börse bleibt groß, rund 1,5 Prozent hat der Deutsche Aktienindex Dax in der abgelaufenen Woche verloren. Nur wenige Experten erwarten für die restlichen Wochen des Jahres neuen Rückenwind für Aktien. Auch wenn der Blick zurück für einen zumindest guten Dezember spricht, wie Stefano Angioni von der Société Générale sagt. Seit 1988 habe der Dax im Dezember im Schnitt 2,68 Prozent zugelegt. Im März sieht Christian Kahler von der DZ Bank den Index wieder bei 12 900 Zählern, das wäre ein deutliches Plus gegenüber dem aktuellen Stand von rund 11 370 Punkten. „Die jüngste Korrektur war übertrieben“, sagt Kahler.

An der Börse dominiert die Vorsicht, zuletzt befördert durch die noch höhere Unsicherheit mit Blick auf den Brexit. Gibt es Neuwahlen, sogar ein zweites Referendum oder am Ende einen harten Schnitt der die Wirtschaft nicht nur in Großbritannien, sondern auch in der EU deutlich treffen würde?

Auch auf Italien schauen die Händler mit Sorgen. Möglicherweise drohen Sanktionen durch die EU. Ungeklärt sind die Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und Europa und vor allem zwischen den USA und China. Das Reich der Mitte besorgt die Börsianer auch wegen des schwächeren Automarktes. Der ist für die deutschen Hersteller extrem wichtig. Folglich zeigen die Kurse von BMW, Daimler, VW und des Zulieferers Continental nach unten und drücken den Dax zusätzlich, wie Andreas Hürkamp von der Commerzbank betont. „Unsicherheit ist bekanntermaßen Gift für die Aktienmärkte“, so Daniel Schär von der Weberbank. Das Nervenkostüm der Börsianer sei mittlerweile ziemlich dünn, ihr Verhalten habe sich deutlich geändert. Seien zu Jahresbeginn gute Unternehmenszahlen mit kräftigen Kursanstiegen honoriert worden, würden sie heute allenfalls beruhigt zur Kenntnis genommen, Enttäuschungen dagegen mit massiven Kursabschlägen quittiert. „Dabei sind die Daten, die die Unternehmen berichten, gar nicht so schlecht.“ Commerzbanker Hürkamp versprüht sogar Zuversicht. Die 30 Dax-Unternehmen könnten für 2019 fast 39 Milliarden Euro an Dividende ausschütten – vier Prozent mehr als für 2018. Insofern könnte es, wie DZ Bank-Experte Kahler glaubt, im nächsten Jahr mit den Kursen „holprig“ nach oben gehen auf 13 300 Zähler zum Jahresende.

Die Nervosität an den Finanzmärkten wird hoch bleiben, für die restlichen Wochen des Jahres 2018. Im neuen Jahr dann will die Europäische Zentralbank allmählich die Zinswende einleiten. Und steigende Zinsen gefallen Börsianer bekanntlich auch nicht. ROLF OBERTREIS

Artikel 5 von 5