Mal wieder spät dran. Schnell das Rad aus dem Keller wuchten, aufspringen und dann: Ein platter Reifen im falschen Moment, sehr ärgerlich. Zumal das Rad in den kommenden Wochen voraussichtlich nutzlos in der Ecke verstaubt, denn Zeit für eine Reparatur ist knapp und nervige Arbeiten schiebt man ja gerne mal auf die lange Bank.
Zwei Start-ups aus Holland nehmen sich auch in Deutschland diesem Problem an. Ihr Ansatz: Eine Fahrrad-Flatrate. Für einen monatlichen zweistelligen Festbetrag können die Kunden die Räder nutzen, solange sie wollen. Ganz als wären es ihre eigenen. Geht was kaputt, rückt ein Team aus, das das Rad vor Ort repariert oder gegen ein neues austauscht.
Radeln für 17.50 Euro im Monat
Das Unternehmen Swapfiets hat mit diesem Abo-Modell innerhalb eines Jahres in Deutschland nach eigenen Angaben rund 10 000 Kunden in 15 Städten gewonnen. Vor wenigen Tagen öffnete das Start-up eine erste Filiale in München. Ende April soll in Berlin ein weiterer Hauptstandort hinzukommen. Die monatiche Flatrate fürs Fahrrad kostet in München 17,50 Euro, für Studenten 15 Euro.
Das allerdings ist ein so genannter Early-Bird-Preis, den es nur an neuen Standorten gibt. In Münster beispielsweise beträgt die Flatrate 19,50 Euro, für Studenten 17, 50 Euro. „Wir wollen den Kunden alle Ärgernisse und Schwierigkeiten abnehmen, die mit dem Besitz eines Rades einhergehen“, sagt Mitgründer Richard Burger, „so dass sie nur noch die Vorteile haben“.
Ende 2014 hat der 27-Jährige Swapfiets gemeinsam mit zwei Mitstudenten im holländischen Delft gegründet. Inzwischen sind sie neben ihrem Heimatland und Deutschland auch in Belgien und Dänemark vertreten. Die Räder werden in Zusammenarbeit mit dem holländischen Fahrradbauer Gazelle produziert.
Bislang hat Swapfiets international nur einen größeren direkten Wettbewerber: das ebenfalls holländische Start-up VanMoof, das seine hochwertigen, mit GPS-Sendern ausgestatteten E-Bikes und Räder schon seit einigen Jahren selbst baut und für mehrere Tausend Euro verkauft. „Vor einem Jahr haben wir unser Geschäftsmodell geteilt“, sagt Sprecherin Karlijn Marchildon.
Gepäckträger muss gekauft werden
Seitdem können Kunden VanMoof-Räder auch per Abo nutzen, wenn auch zu deutlich höheren Preisen als bei Swapfiets, deren Räder dafür weniger aufwendig gestaltet sind: Man bezahlt einmalige „Schlüsselkosten“ von 98 Euro und monatlich 25 Euro. Ein Gepäckträger allerdings ist in der Flatrate von VanMoov nicht enthalten. Er muss dazugekauft werden.
Dank GPS verspricht VanMoof zudem, gestohlene Räder in kurzer Zeit wiederzufinden. Allerdings auch das gegen Gebühr: 98 Euro.
„Mittlerweile machen die Abonnenten rund 60 Prozent unserer Kundschaft aus“, sagt Marchildon. Interessenten in München müssen sich noch gedulden. In Deutschland ist VanMoof bisher nur in Berlin vertreten.
Keine Konkurrenz für Nextbike & Co
Mit ihrem Abo-Modell besetzen die beiden Start-ups eine Nische im schwer umkämpften Leihradmarkt in Deutschland. Per App bieten die dort etablierten Unternehmen wie Nextbike oder Deutsche Bahn Fahrräder für die letzte Meile, als Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr. Mit dem Handy schließen die Nutzer das Rad auf, nutzen es auf einer kurzen Strecke und stellen es dann wieder ab. „Das ist natürlich ein anderes Geschäftsmodell“, sagt Nextbike-Sprecherin Mareike Rauchhaus. „Ein Abo-Rad für den dauerhaften Gebrauch ist ja etwas anderes als die kurzfristige Ausleihe eines Rades an unterschiedlichen Orten.“ Aus ihrer Sicht konkurrieren Swapfiets und VanMoof eher mit dem stationären Fahrradhandel.
Dort spürt man die neuen Wettbewerber bislang aber offensichtlich noch nicht. Ein eigenes Rad zu besitzen, scheint nach wie vor hoch im Kurs: Der warme Sommer und der Boom bei E-Rädern bescherten der gesamten Branche nach Angaben des Verbands des Deutschen Zweiradhandels im vergangenen Jahr ein Umsatzwachstum von bis zu 10 Prozent.