Warum der Dax hinter US-Märkten zurückbleibt

von Redaktion

Auf den ersten Blick sieht es im Deutschen Aktienindex Dax weiter gut aus. Mit rund 12 300 Punkten zeigt sich auf Wochensicht ein leichtes Plus, seit Anfang April ist es um mehr als fünf Prozent nach oben gegangen, seit Ende 2018 sogar um fast siebzehn Prozent. Und das alles trotz eines sehr schwierigen Umfeldes mit einer holprigen Konjunktur, dem Streit um den Brexit, Handelskonflikten, Protektionismus und des deutlich gestiegenen Ölpreises.

Beim Blick in die USA dürften Aktionäre freilich ins Grübeln kommen. Dort steht der Dow Jones an der Wall Street nur noch knapp zwei Prozent unter seinem Rekordhoch. An der Technologie-Börse Nasdaq wurde sogar ein neuer Höchststand erreicht. Der Dax dagegen ist trotz der erfreulichen Entwicklung in diesem Jahr noch mehr als zehn Prozent von seinem Höchststand im Januar 2018 mit fast 13 600 Punkten entfernt.

Der Dax ist durch BMW, Continental, Daimler und VW stark von der Autoindustrie geprägt. Die hat derzeit Probleme. Und er schleppt den Chemie- und Pharma-Konzern Bayer mit. Der ist ein Schwergewicht im Dax, hat binnen Jahresfrist nach der umstrittenen Übernahme von Monsanto 40 Prozent an Wert eingebüßt. Auch die Deutsche Bank hat dem Dax nicht gerade auf die Sprünge geholfen – mit einem Minus von 35 Prozent seit April 2018.

Das Umfeld für Aktien bleibt gemischt. Klares Plus sind die niedrigen Zinsen. Frühestens 2020 wird die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins von derzeit null erhöhen. Ökonomen erwarten das sogar erst 2021. Sparanlagen, Tagesgeld und Anleihen bleiben damit unattraktiv. Sie werfen kaum oder gar keine Zinsen ab. Aber sonst bleibt es schwierig. Die hol–prige Konjunktur und die Handelskonflikte lasten auf den Unternehmen. Allerdings sind die Quartalsberichte bislang so schlecht nicht ausgefallen. „Alles in allem können die Unternehmensergebnisse die schlimmsten Befürchtungen einer weltweiten Konjunkturabkühlung entkräften, allzu viel Optimismus ist aus ihnen jedoch nicht herauszulesen“, sagt Ulrich Kater, Chef-Volkswirt der DekaBank. Aktienstratege Ulrich Wallner von der Commerzbank setzt darauf, dass die Gewinnerwartungen der Firmen für 2019 nach oben geschraubt werden. Aktuell seien sie zum größten Teil sehr konservativ.

Markus Reinwand von der Landesbank Hessen-Thüringen geht die Entwicklung in den USA zu schnell voran. „Eine etwas gemächlichere Gangart in den kommenden Wochen“ wäre in seinen Augen gut. Für den Dax aber bleibt er zuversichtlich – 13 200 Zähler zum Jahresende hat er im Blick. Joachim Goldberg vom gleichnamigen Analysehaus sieht auch nach mittlerweile neun Handelstagen in Folge mit Dax-Gewinnen keinen Anlass zu warnen.

ROLF OBERTREIS

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