Ursprünglich rein und bestenfalls reich an Mineralstoffen – wer stilles Mineralwasser kauft, will etwas Besseres als Leitungswasser. Und der Bedarf steigt: Die Sorte verzeichnete 2018 deutlich höhere Verkaufszuwächse als die kohlensäurehaltigen Sorten Classic und Medium. Stilles Mineralwasser wirbt unter anderem damit, mild und harmonisch zu sein. Aber es gibt ein Problem: Es ist anfällig für Keime, weil es keine Kohlensäure gibt, die deren Wachstum hemmt. Und das spiegelt sich auch im Ergebnis der von Warentest-Experten untersuchten 32 stillen Mineralwässer wider (Ausgabe 7/2019). In jedem zweiten Wasser fanden sich unerwünschte Keime, mehr oder weniger erhöhte Gehalte an kritischen Stoffen und Verunreinigungen aus Landwirtschaft und Industrie.
Ein Markenwasser aus Frankreich enthielt überraschend viel Vanadium, das aus vulkanischen Böden in Mineralwasser übergehen kann und als möglicherweise krebserregend gilt. Fünf weitere Wässer waren mit Spuren aus Landwirtschaft und Industrie verunreinigt – gesundheitlich ist das absolut unbedenklich, aber nach Ansicht der Tester ein Wider–spruch zur „ursprünglichen Reinheit“. Denn „ursprüngliche Reinheit“ bedeutet laut Mineral- und Tafelwasser–verordnung, dass das Wasser aus einer vor Verunreinigung geschützten Quelle stammen muss. Erschreckend ist auch, dass nur eins von insgesamt sechs Mineralwässern mit Bio-Logo sich als gut erwies. Und noch ein Fazit ergibt sich aus dem Test: Spezielles Baby-Mineralwasser ist völlig unnötig.
Interessant auch: Die stillen Mineralwässer schneiden insgesamt schlechter ab als die Classic-Wässer und die Medium-Wässer, die die Warentest-Experten in den letzten Jahren unter die Lupe nahmen. Das liegt unter anderem daran, dass vergleichsweise viele stille Wässer bei der mikrobiologischen Prüfung negativ auffielen. Außerdem war bei etlichen Produkten die Kennzeichnung nicht stimmig. Die Tester beanstandeten zum Beispiel ein Mineralwasser mit Bio-Logo, das hinsichtlich Radium die besonders strengen Anforderungen für Bio-Mineralwasser nicht einhielt.
Die preiswertesten Mineralwässer kosten 13 Cent pro Liter. Das ist nicht viel, aber Leitungswasser ist 34-mal günstiger. Und die Qualität ist gut, wie ein Trinkwasser-Test ergab, bei dem Wasser–proben aus 20 Städten (u. a. in München, siehe Kasten links) und Gemeinden auf 126 kritische Stoffe wie Medikamente, Pestizide und Nitrat untersucht wurden. Fast überall wurden zwar Spuren aus der Umwelt entdeckt, die waren aber laut der Experten gesundheitlich unbedenklich.
Wasser aus dem Hahn ist zudem das umweltfreundlichste Getränk: Laut Bundesumweltamt erzeugt es weniger als ein Prozent der Umweltbelastungen, die Mineralwasser verursacht.