Baby-Brei im Test: Nur drei sind „gut“

von Redaktion

Bei Beikost greifen viele Eltern zu Fertigbreis. In einer neuen Untersuchung der Stiftung Warentest schneiden solche Produkte aber größtenteils nur mäßig ab. Von 19 Produkten erhielten nur drei die Note „gut“.

Die Milch-Getreidebreis, mit denen viele Eltern ihre Babys ab dem sechsten Lebensmonat füttern, weil es praktisch ist, sollen ein Stillmahlzeit ersetzen und die Säuglinge mit wichtigen Nährstoffen versorgen. Doch wie sich bei der Studie von Stiftung Warentest jetzt herausstellte, sollten Eltern nicht nur ganz genau hinsehen, für welches Produkt sie sich entscheiden, sondern es möglichst auch noch (vor-)kosten.

Eltern sollen vorkosten

Denn die Tester haben festgesellt, dass oft Fruchtpulver aus Apfel, Birne oder Bananen zugesetzt wird. Das sorge für einen süßen und mitunter künstlich fruchtigen Geschmack, heißt es in der Studie. Kinder- und Jugendmediziner Berthold Koletzko rät Eltern deshalb. „Probiert es selbst. Wenn es sehr süß schmeckt, ist es für euer Kind ungeeignet“, Koletzko ist Leiter der Abteilung Stoffwechsel und Ernährung am Haunerschen Kinderspital in München.

„Das Problem an zu viel Zucker im Brei ist, dass das zu einer sehr frühen Gewöhnung an einen starken Süßgeschmack führt“, erklärt Maria Flothkötter, Leiterin des Netzwerks Gesund ins Leben, die besondere Problematik. „Gerade das erste Lebensjahr ist hier prägend.“ Generell empfehle man, auf Produkte mit Aromen ganz zu verzichten, so Flothkötter. Für die Geschmackprägung sei es günstiger, wenn Säuglinge den natürlichen Geschmack von Lebensmitteln kennen.

Aber wie viel Zucker ist zu viel? „Der Zuckergehalt sollte sich an dem originalen Vollmilch-Getreide-Brei-Rezept vom Forschungsinstitut für Kinderernährung orientieren“, empfiehlt Flothkötter. Das seien etwa fünf bis sieben Prozent. Die Zahl bezieht sich auf die Zuckermenge, die in den Zutaten Milch und Obst enthalten ist. So seien etwa zehn Gramm Zucker auf 100 Gramm Fertigbrei bereits zu viel.

Lieber selbst kochen

Wer skeptisch gegenüber Fertigkost ist, kann also den Brei selbst anrühren. Schwierig ist das nicht: 200 Milliliter Vollmilch (3,5 Prozent Fett) werden in einem Topf mit 20 Gramm zarten Haferflocken verrührt. Diese Mischung lässt man aufkochen und drei Minuten köcheln, danach abkühlen. Abschließend gibt man 20 Gramm zerdrücktes Obst dazu. In einer Online-Broschüre listet das Netzwerk Gesund ins Leben noch weitere Rezeptvorschläge für gesunden Brei auf.

Nehmen Säuglinge zu viel Zucker zu sich, erhöht sich außerdem das Risiko für Karies und Fettleibigkeit, so Flothkötter.

Unter dem Strich schnitten nur zwei von zwölf getesteten Produkten zum Selbstanrühren „gut“ ab: der Bio-Milchbrei Gute Nacht Kinderkeks von Hipp (Gesamtnote 1,9) und der Babylove Bio Milchbrei Grieß von dm (2,1). Acht waren „befriedigend“ und zwei „ausreichend“. Unter den fertigen Brei-Gläschen bekam nur der Abendbrei Grießbrei pur von Alnatura die Note „Gut“ (2,4), außerdem gab es hier viermal ein „Befriedigend“ und zweimal ein „Ausreichend“.

Zu wenig Eisen

Während im Test einige Breie an Aromen oder Zucker zu viel enthielten, war von wichtigen Inhaltsstoffen mitunter zu wenig drin: ein Großteil der Produkte lieferte etwa zu wenig Eisen, das laut dem „test“-Bericht im zweiten Lebenshalbjahr wichtig für das Kind sei. Nennenswerte Mengen kritischer Stoffe fanden die Tester in den Pulvern . Im Reisbrei von Töpfer ((Bio Organic Reis-Milchbrei) und Alete (Abendmilchbrei Grießbrei) war es Arsen. Die Reispflanze nimmt das Halbmetall über den Boden auf. Anorganische Arsenverbindungen gelten als krebserregend.

Im Test lagen die Mengen aber glücklicherweise unter dem strengen Grenzwert, den die Diätverordnung vorgibt. Im Pulver von Milupa (Gute Nacht Vollkorn Früchte Milchbrei) fanden die Tester eine andere möglicherweise krebserregende Stoffgruppe: 3-MCPD-Ester, das bei der Raffination von Fett entstehen kann. Einen Grenzwert gibt es dafür noch nicht. Elf der zwölf Pulver enthielten das Lösemittel Isododecan. Es dient dazu, Fette zu lösen und könnte, so die Vermutung der tester, über Raps- oder Palmöl in das Pulver gelangt sein. Die Produkte von Alnatura (Hafer-Banane-Milchbrei), Holle (Bio Milchbrei Dinkel) und Müller (Beauty Baby Bio Milchbrei Banane) haben wegen des leicht erhöhten Gehalts beim Testpunkt „Kritische Stoffe“ deshalb nur ein befriedigend bekommen. Geundheitsrisiken, so die Tester, seien zwar nicht bekannt. Im Essen habe Isododecan aber nichts zu suchen.

Falsche Angaben

Missverständliche Etikett-Angaben könnten Eltern dazu verleiten, ihren Kindern zu früh Beikost zu geben. Knapp die Hälfte der Produkte wirbt auf der Verpackung mit der Angabe „nach dem 4. Monat“. Laut Empfehlung des Netzwerks Gesund ins Leben ist es frühestens mit Beginn des fünften Monats und spätestens mit Beginn des siebten Monats Zeit für die erste Beikost. Das sollte erstmal Gemüsepüree sein, das man später mit Kartoffeln und ein wenig Öl und in der Folge noch mit Fleisch oder Fisch mischt. Als zweite Beikost könnten Eltern rund einen Monat später den Milch-Getreide-Brei einführen, Das Baby sollte sechs bis acht Monate alt sein.

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