Kfz: Viele sind bald billiger versichert

von Redaktion

Fast eine Million Autofahrer in Bayern profitieren künftig von günstigeren Regionalklassen bei der Kfz-Versicherung. Doch rund 500 000 sind von einer Höherstufung betroffen.

VON TOM NEBE UND MARTIN PREM

Ein Autounfall bleibt für die künftige Versicherungsprämie nicht ohne Folgen. Das weiß eigentlich jeder. Doch ein kapitaler Schaden kann auch die Prämien aller Nachbarn beeinflussen. Denn jedes Jahr stuft der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft die deutschen Zulassungsbezirke nach den Schäden der letzten fünf Jahre in so genannte Regionalklassen ein. Wo es häufig kracht oder wo besonders hohe Reparaturrechnungen zu begleichen sind, wird’s teurer.

In Erding beispielsweise. Der Landkreis stieg bei der Haftpflicht um eine Stufe nach oben. Er hat nun die 10. Das liegt nur zwei Stufen unter der Höchstmarke 12, die in Südbayern die Großstädte München, Augsburg und Ingolstadt erreichen. Dachau dagegen nahm den umgekehrten Weg, stieg ab von 10 auf 9. Dort sinken die Prämien also.

Bis zu 87 Prozent Unterschied

Der Wohnort kann als einzelnes Tarifmerkmal in extremen Fällen mehrere Hundert Euro Preisunterschied ausmachen. Die deutlichsten Spannen gibt es im Norden Deutschlands. Ein Autofahrer in Berlin zahlt nach einer Modellrechnung des Vergleichsportals Check24 für einen kleinen VW up zwischen 64 und 87 Prozent mehr als einer in der Uckermark. Die Heimat der Kanzlerin gehört zu den wenigen Landstrichen, die von der Klasse 1 profitieren. Berlin liegt bei der Haftpflicht in der teuersten Klasse 12. Wie in den vergangenen Jahren fielen die Schadensbilanzen in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg in der Kfz-Haftpflichtversicherung besonders günstig aus.

Etwas weniger Verschiebungen bei den Regionalklassen gibt es für Versicherte mit Voll- oder Teilkasko. Auch die Prämiensprünge sind geringer.

Im weiteren Großraum München kommt der Landkreis Freising auf die niedrigste Klasse 7. Besonders deutlich entlastet werden die Autofahrer im Landkreis Miesbach. Hier sanken sowohl die Klasse für die Haftpflicht, als auch die für die Teil und die Vollkasko-Prämie um jeweils eine Stufe. Allerdings liegen die Einstufungen nach wie vor hoch.

Wirklich verlassen können sich Autofahrer nicht darauf, dass die Prämien im Gleichtakt mit der Regionalklasse steigen oder sinken. Denn die Beiträge hängen von einer Vielzahl von Faktoren ab. Und verbindlich sind die Regionalklassen ohnehin nicht. Jede Gesellschaft kann selbst kalkulieren. Und viele tun das kleinräumig. Beispielsweise nach Postleitzahlen. So kann es sein, dass in München innerhalb einer einzigen Straße der regionale Prämienauf- oder Abschlag unterschiedlich ausfällt.

Für die Kfz-Haftpflichtversicherung gibt es 12 Regionalklassen, für die Teilkasko sind es 16 und für die Vollkasko 9. Erhöht sich der Kfz-Versicherungsbetrag infolge einer neuen Einstufung haben Verbraucher ein Sonderkündigungsrecht. Darauf weisen die Vergleichsportale Verivox und Check24 hin.

Schlechteste Bilanz in Ingolstadt

Für fast eine Million Autobesitzer in Bayern könnten die Beiträge bei Haftpflichtversicherungen sinken. In 14 Zulassungsbezirken gelten künftig niedrigere Regionalklassen, die bei der Kfz-Versicherung berücksichtigt werden. Und in diesen Bezirken sind knapp eine Million Autofahrer registriert. Die Kaskoversicherungen dürften sich dagegen weniger verändern.

Deutlich weniger Bayern – aber immerhin noch 500 000 – müssen dagegen mit teureren Einstufungen rechnen: In elf Bezirken gelten laut GDV künftig höhere Regionalklassen. Die beste Schadensbilanz hätten die Experten für Kronach berechnet, die schlechteste für Ingolstadt.

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