Mit dem Klimastreik hatten die Händler nichts zu tun. Das Thema freilich dürfte auch sie interessieren. Schließlich hat das Klimapaket der Bundesregierung auch Folgen für börsennotierte Unternehmen, sofern sie nicht selbst mehr für den Klimaschutz tun. Einer Analyse der Fondsgesellschaft Union Investment zufolge drohen den 30 Dax-Firmen bei einer vergleichsweise geringen CO2-Steuer von 30 Euro je Tonne jährlich Belastungen von rund 5,2 Milliarden Euro. Das entspricht fast vier Prozent des zusammengefassten Betriebsgewinns der Unternehmen im vergangenen Jahr.
Besonders betroffen wären Chemiefirmen wie BASF oder Covestro, Autohersteller und Zulieferer, also im Dax BMW, Continental, Daimler, VW und auch HeidelbergCement, sagt Henrik Pontzen, verantwortlicher Fondsmanager bei Union Investment. Adidas, Allianz, Telekom, Deutsche Bank und Deutsche Börse könnten relativ schnell reagieren, weil Strom an ihrem gesamten Energieverbrauch einen hohen Anteil habe und schnell auf erneuerbare Energien umgestellt werden könne. Die Anhebung der Luftverkehrssteuer trifft insbesondere Lufthansa und die Deutsche Post. Umgekehrt könnten nach Ansicht von Pontzen Continental, Infineon, Fresenius und die Telekom von einer CO2-Steuer sogar profitieren – wenn sie ihren Stromverbrauch reduzieren und schnell und umfassend auf erneuerbare Energien umstellen.
Händler und Anleger interessiert das kurzfristig allerdings nicht. Für sie stehen die Entwicklung der Konjunktur, die Notenbank-Zinsen in Europa und den USA, der Handelskonflikt USA-China und das Brexit-Chaos im Mittelpunkt und zuletzt vorübergehend auch die Attacken auf Ölförderanlagen in Saudi-Arabien.
Ulrich Kater, Chef-Volkswirt der Deka-Bank sieht allerdings in allen Feldern eine gewisse Entspannung. Die Folge: Der Dax hält sich auf einem ansehnlichen Niveau von fast 12 500 Zählern. Auch Markus Reinwand von der Landesbank Hessen-Thüringen erkennt erste Lichtblicke. Historisch betrachtet ist der September der mit Abstand schlechteste Monat für Aktien. „Bislang sieht es aber so aus, als würde es in diesem Jahr anders kommen.“ Tatsächlich hat der Dax seit Ende August bislang rund 4,5 Prozent zugelegt. Skeptisch bleibt Michael Bissinger von DZ Bank. Er hält Aktien und damit auch den DAX derzeit für teuer und erwartet deshalb bis Jahresende einen Rückgang auf 11 500 Zähler. Das Klima an der Börse wird sich demnach wieder eintrüben.
Dass es nicht so kommt hoffen vor allem auch die Verantwortlichen des schwäbischen Software-Unternehmens Teamviewer: Am Donnerstag soll der bislang größte Börsengang in diesem Jahr in Deutschland über die Bühne gehen. Und mindestens 1,4 Milliarden Euro einbringen. ROLF OBERTREIS