Mit dem Olivenöl geht es aufwärts

von Redaktion

Olivenöl hatte jahrelang kein gutes Image. Es hagelte in Serie das Urteil „mangelhaft“ sowie mal ein oder gar kein „gut“. Doch es geht aufwärts, wie ein aktueller Test der Stiftung Warentest zeigt.

Die Hersteller von Olivenöl achten nicht nur auf guten Geschmack, sondern inzwischen mehrheitlich auch auf Schadstoffe und die richtige Kennzeichnung auf dem Etikett. 28 Olivenöle aus der höchsten Güteklasse hat die Stiftung Warentest unter die Lupe genommen.

Die Guten

Noch nie schnitten so viele Olivenöle gut ab. Im Jahr 2016 hatte nur ein Produkt eine „gute“ Bewertung, die Hälfte war „mangelhaft“, ein Jahr später gab es sogar kein einziges „gutes“ Produkt. Diesmal vergaben die Warentester gleich neun Mal das Prädikat „gut“ und können damit jedes dritte Olivenöl der Güteklasse „nativ extra“ empfehlen. Gleich fünf Produkte teilen sich den ersten Platz. Dazu zählen Aldi Süd Bio (6,15 Euro/Liter), Lidl Primadonna Bio (6,20 Euro/Liter), Bertolli Gentile und Bertolli Originale (beide 8,60 Euro/Liter) sowie dem reinen Geschmackssieger Castillo de Canena (Bio-Öl für 45 Euro/Liter).

Die nicht so Guten

Dem gegenüber stehen nur zwei mangelhafte Produkte, während sich im Mittelfeld 14 Öle als „befriedigend“ und drei als „ausreichend“ einsortieren. Das am schlechtesten bewertete Produkt ist zugleich eines der teuersten. Im Solivellas Oli (29,80 Euro/Liter) fanden die Tester zwei Arten von Mineralölkohlenwasserstoffen, die sich im Körper anreichern können. Die Stoffe können nach Vermutung der Experten von Schmieröl stammen, die ebenfalls gefundenen Weichmacher von Transportbändern oder Schläuchen. Ebenfalls „mangelhaft“ schnitt das in den USA und Großbritannien beliebte Öl der Marke Filippo Berio (8,40 Euro/Liter) ab, das sich gerade in Deutschland etabliert. Auch hier fanden sich Mineralölkohlenwasserstoffe, zudem schmeckte es im Test „ranzig und oxidiert“.

Qualitätskriterien

Ein gutes Olivenöl sollte eine ausgewogene Mischung aus intensiven Noten von Gras und Tomatenstrauch, grünem Apfel und grünen Blättern enthalten und je nach Vorliebe leicht nach Mandel, Paprika oder Banane schmecken und dabei mittelbitter und mittelscharf sein.

Laut EU-Verordnung wird Olivenöl in verschiedene Güteklassen eingeteilt. Die höchste Stufe „nativ extra“, in Italien „extra vergine“ genannt oder „extra virgen“ in Spanien, erreichen nur Öle, die einwandfrei riechen, schmecken und ein Mindestmaß an Fruchtigkeit besitzen.

Qualität bei Olivenöl ist keineswegs selbstverständlich, wie vorhergehende Tests der Stiftung Warentest gezeigt haben. Im Gegenteil: Olivenöl ist das meistverfälschte Lebensmittel in der EU. 2019 beschlagnahmten die italienische und die deutsche Polizei 150 000 Liter gepanschtes Olivenöl.

Biosiegel

Die geschmacklich hervorragenden Öle Castillo de Canena und Soler Romero tragen das grüne EU-Biosiegel. Es verpflichtet Hersteller dazu, auf chemische Pestizide zu verzichten und die Pflanzenvielfalt zu fördern. Auch von den neun anderen Bio-Ölen schnitt keines schlechter als „befriedigend“ ab, fünf sind „gut“.

Negativkriterien

Elf Anbieter missachteten Kennzeichnungsvorschriften, darunter drei Produkte, die im Geschmack auf ein „gut“ kommen und sich so die Gesamtnote vermasseln. Sie verstoßen gegen die Regel, dass Verbraucher im Hauptsichtfeld des Etiketts sofort auf Deutsch die Güteklasse, die Art der Gewinnung und die Herkunft des Öls erkennen müssen. Die Tester fanden aber kein gepanschtes Öl mit minderwertigem Olivenöl oder anderen Ölsorten, keinen kritischen Gehalt an Pestiziden und krebserregenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen.

Herkunft

Größte Ölquelle für Deutschland ist Italien, hat „test“ ausgewertet. Das Land importiere neben eigenen Ernten überdies tonnenweise Öl aus anderen Ländern. Italienische Firmen mischen die Öle oft zu Blends, mit denen sie konstante Qualitäten schaffen. Deutsche Verbraucher mögen am liebsten milde Blends, weshalb die Handelsketten vorwiegend solche Produkte anbieten. Weitere Groß-Importeure sind Spanien und Griechenland.

Woher ein Öl kommt, sollen EU-Siegel klären. Doch nicht immer lässt sich erkennen, ob die Oliven für ein Öl aus einem oder mehreren Ländern stammen. Nur für das rot-gelbe EU-Siegel („geschützte Ursprungsbezeichnung“) muss die Produktion komplett regional sein. Das blau-gelbe Siegel („geschützte geografische Angabe“) verlangt nur einen Produktionsschritt in dem genannten Land.  com, dpa

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