Schmerzmittel: Linderung und Risiko

von Redaktion

Gegen jede Krankheit ist ein Kraut gewachsen, sagt ein altes Sprichwort. Und jeden Schmerz kann man mit einem Arzneimittel bekämpfen. Welche Medikamente gegen welche Beschwerden helfen, und welche Risiken dabei entstehen können, erklärt die Stiftung Warentest in ihrem aktuellen Heft.

VON BARBARA WIMMER

Der Aschermittwoch könnte ein Tag sein, an dem mehr Zeitgenossen als gewöhnlich zu einem Schmerzmittel greifen. Brummt ab und zu der Schädel oder quält einen ein anderes Zipperlein, darf man sich ohne Reue eine rezeptfreie Tablette zur Linderung genehmigen – doch auch dabei sollte man nicht zu einem Kombi-Präparat greifen. Dazu raten die Arzneimittelexperten der Stiftung Warentest. Sie haben für die März-Ausgabe der Zeitschrift „test“ die Wirkung und Risiken von Schmerzmitteln, bis hin zu den stärksten, den Opioiden, unter die Lupe genommen.

Nicht rezeptpflichtige Medikamente

Unter den am häufigsten gekauften Wirkstoffen sind etwa Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen und Naproxen. Sie wirken schmerz-, fieber- und entzündungshemmend. Sie werden durchaus als „geeignet“ eingeordnet; in höherer Dosis sind sie allerdings rezeptpflichtig. Auch bei zu langer Anwendung können nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR), so die Bezeichnung dieser Wirkstoffe, nämlich Nebenwirkungen verursachen. Je nach Substanz greifen sie unterschiedliche Organe an – etwa Herz, Magen oder Niere.

Ein anderer Wirkstoff ist Paracetamol: Auch hier wird dringend geraten, sich an die Dosierungsempfehlungen zu halten, denn bei zu langer Anwendung kann die Substanz die Leber belasten.

Wenig geeignete Wirkstoffe

Als wenig geeignet stufen die Tester die rezeptfreien Wirkstoffe Phenazon (etwa im Medikament Migräne Kranit) und Propyphenazon (Demex) ein. Ihr Einsatz bei Schmerzen sei kaum durch Studien untersucht worden.

Die Warnung vor Kombi-Produkten

Es gibt zahlreiche Mittel, die Paracetamol und ASS und/oder Coffein enthalten, beispielsweise Neuralgin, Spalt, Thomapyrin Classic/Intensiv oder Togal Duo. Die Zusammenwirkung ergibt laut Experten keinen zusätzlichen therapeutischen Vorteil, erhöht aber das Nebenwirkungsrisiko.

Höchstdauer der Selbstbehandlung

Für jede Selbstmedikation gelten Grenzen, schreibt „test“. Die Faustregel lautet: Schmerzmittel ohne ärztlichen Rat höchstens vier Tage am Stück und zehn Tage im Monat einnehmen. Außer den Nebenwirkungen auf Organe wie Herz oder Magen bergen Schmerzmittel auch das Risiko, dass sie wirkungslos werden, ja sogar selbst Schmerzen verursachen. Die Experten führen das darauf zurück, dass sie die Schmerzschwelle im Gehirn senken. Das sei vom rezeptfreien Mittel bis hin zu Opioiden möglich, sagt der Schmerztherapeut Christoph Maier. „Teils hilft dann nur noch ein Entzug.“

Metamizol: Effektiv aber gefährlich

Bei starken Schmerzen oder Koliken kann der rezeptpflichtige Wirkstoff Metamizol helfen. Die Arzneimittelexperten der Stiftung Warentest warnen aber, dass der Einsatz wegen der Gefahr schwerer allergischer Reaktionen und unter Umständen lebensbedrohlicher Blutbildungsstörungen sehr begrenzt sein sollte. Das nicht-opioide Metamizol ist beispielsweise in Novaminsulfon der Hersteller Lichtenstein, Ratiopharm oder 1A Pharma enthalten.

Schwache Opioide immer rezeptpflichtig

Codein, Dihydrocodein (DHC) und Tramadol sind rezeptpflichtig, erfordern aber kein Betäubungsmittelrezept. Dennoch können auch Medikamente mit diesen Wirkstoffen abhängig machen.

Starke Hämmer für schlimme Fälle

Für Opioide mit starker Wirksamkeit braucht man ein Betäubungsmittelrezept. Bei längerem Einsatz müssen einige Sicherheitsregeln beachtet werden, etwa eine Einnahme zu festen Zeiten, regelmäßige Termine beim Arzt zur Therapiekontrolle und eine möglichst langsame Reduzierung der Dosis, falls sich der Körper an die Medikamente gewöhnt hat. Genannt werden die Wirkstoffe Buprenorphin (Temgesic), Hydromorphon, Levomethadon, Morphin und Oxycodon.

Pitramid, das gespritzt wird, bezeichnen die Experten nur für eine Akutbehandlung als sinnvoll. Unter den Medikamenten, die als „mit Einschränkungen geeignet“ bezeichnet werden, ist auch Fentanyl als Pflaster. Sie würden viel verordnet, doch sei das Risiko einer Unter- oder Überdosierung groß. Wenig geeignet sei Pethidin, etwa in dem Medikament Dolantin: Dabei könnten sich schädliche Abbauprodukte im Körper anreichern.

Eine Krise wie in Amerika?

Die Opioid-Krise in den USA sei das Ergebnis einer zu leichtfertigen und massenhaften Verordnung von Opioiden, sagt der Schmerztherapeut Christoph Maier. Die Wirkstoffe, gedacht gegen schwerste Schmerzen beispielsweise bei Krebspatienten, seien in den letzten 20 Jahren schon bei leichteren Beschwerden verabreicht worden, und das über einen längeren Zeitraum. Den Anfang machte die Firma Purdue mit dem Präparat Oxycontin. Hunderttausende Menschen wurden süchtig, vernachlässigten sich und ihre Familien, beschafften sich illegale Rauschgifte bis hin zu Heroin. Maier hält eine solche Entwicklung in Deutschland für ausgeschlossen, schon weil viel strengere Regeln für die Bewerbung und Verordnung von Opioiden gelten. Man dürfe sie nicht verharmlosen, aber auch „nicht verteufeln“, so der Mediziner.

Mehr Informationen

unter test.de/medikamente. Hier gibt es auch Wissenswertes zu Medikamenten gegen spezielle Schmerzerkrankungen wie Migräne und neuropathischen Schmerz.

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