Es ist einer der größten, wenn nicht der größte Skandal im Deutschen Aktienindex Dax. Nicht vorgelegte Bilanzen, vor allem aber drastische Betrügereien erschüttern den einstigen Börsenstar Wirecard. Wer sie begangen hat ist unklar. Am Mittwoch ging die Aktie des Zahlungsdienstleisters mit 104 Euro aus dem Handel, am Tag danach stürzte sie um bis zu 70 Prozent auf 30 Euro, am Freitag verlor sie zeitweise weitere 40 Prozent auf nur noch 20 Euro. Das Ganze ist auch ein Schlag für den Dax, für das Renommée der Börse, und es beschädigt den Ruf des Standortes Deutschland. Wie kann es sein, dass ein solches Skandal-Unternehmen immer noch im Kreis der 30 größten deutschen Konzerne vertreten ist? Offenbar lässt das Regelwerk der Börse den sofortigen Rausschmiss nicht zu. Selbst erfahrene Börsianer schütteln den Kopf. Zumal die Turbulenzen bei Wirecard mit der Corona-Pandemie nicht einmal im Ansatz etwas zu haben. Bei all den Turbulenzen hat sich der Dax in der abgelaufenen Woche aber erstaunlich gut entwickelt. Obwohl allein das Wirecard-Desaster wegen der Gewichtung der Aktie eine Einbuße von 100 Punkten im Index gebracht hat, wie DekaBank-Chefvolkswirt Ulrich Kater vorrechnet. Unter dem Strich steht ein Plus von fast 500 Dax-Punkten oder gut vier Prozent auf zeitweise mehr als 12 400 Zähler. ROLF OBERTREIS