Geld sicher parken – eine Herausforderung

von Redaktion

Immer mehr Banken nehmen Negativzinsen oder Gebühren für Tagesgeld

Der Trend zu Negativzinsen für hohe Sparsummen beschleunigt sich. Immer mehr Finanzinstitute bürden Sparern Negativzinsen auf. Innerhalb eines Jahres hat sich die Zahl dieser Geldhäuser nahezu verzehnfacht. Größere Summen auf dem Tagesgeldkonto können zunehmend ins Geld gehen.

Die Zahl der Banken und Sparkassen, die Kunden dafür Negativzinsen aufbürden, hat sich einer Auswertung des Vergleichsportals Verivox zufolge innerhalb von zwölf Monaten nahezu verzehnfacht. Demnach verlangen inzwischen 126 Geldhäuser Strafzinsen für größere Guthaben vor allem auf dem Tagesgeldkonto, vor einem Jahr waren es nur 13 Institute. Mittlerweile werden zudem häufiger niedrigere Summen belastet. Den Angaben zufolge räumen aktuell 27 Institute weniger als 100 000 Euro als Freibetrag ein.

Bei drei Banken müssen Sparer bereits ab dem ersten Euro Negativzinsen zahlen.  Verbraucherschützer sehen Negativzinsen grundsätzlich kritisch. Sie seien bei Bestands- und Neukunden nur zulässig, wenn das Verwahrentgelt explizit mit den Kunden vereinbart worden sei. Es reiche nicht, lediglich die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) zu ändern. Betroffene sollten in Zweifelsfragen die Verbraucherzentralen kontaktieren.  Wir haben die unabhängige Finanzexpertin Stefanie Kühn aus Grafing gefragt, was ein sicherheitsbewusster Sparer machen kann.

Wo kann man sein Geld heute noch parken?

Auf einem Tagesgeldkonto gibt es noch bis zu 0,25 Prozent Zins. Ein Festgeldkonto mit fünf Jahren Bindung bringt bei einer Bank aus einem bonitätsstarken und sicheren Land noch bis 1,2 Prozent Zinsen.

Was ist eine sichere Bank?

Wir und auch die Zeitschrift „Finanztest“ halten gemeinhin Banken aus Ländern wie Deutschland, Schweden, Norwegen, Frankreich, den Niederlanden und Österreich für sicher. Ob die Einlagensicherung von 100 000 Euro pro Kopf und Bank von allen EU-Ländern eingehalten werden kann, wenn mehrere Banken in einem krisen-gebeutelten Land wie Italien oder dem kleinen Malta zusammenbrechen, ist fraglich.

Bei so wenig Zins kann man sein Geld gleich auf dem Girokonto zu null Zinsen liegen lassen, oder?

Wir empfehlen eine Treppe: Geld, das kurzfristig gebraucht wird, bleibt auf dem Girokonto oder Tagesgeldkonto. Was darüber hinausgeht, sollte auf Festgelder verschiedener Laufzeit verteilt werden Bei der Suche nach Anbietern helfen Zinsportale, etwa Weltsparen. Aber bitte, lassen Sie sich auch hier nicht von Angeboten aus eher unsichereren Ländern verführen! Je höher der Zins, desto höher das Risiko. Das gilt auch hier.

Immer mehr Banken nehmen bei Tagesgeld und Girokonten hohe Gebühren oder verlangen Negativzinsen. Wie kann ich das vermeiden?

Bei Girokonten hilft oft der Wechsel zu einem anderen Gebührenmodell, zum Beispiel ist ein rein online geführtes Konto oft günstiger. Wenn ein Konto im Jahr mehr als 60 Euro kostet, empfehle ich, über einen Wechsel nachzudenken. Negativzinsen vermeiden Sie, indem Sie konsequent Banken meiden, die diese erheben oder die Konten dort bis auf ein Minimum „abräumen“. Wenn Sie 0,5 % Strafzinsen zahlen sollen, sind 0,2 % Tagesgeldzinsen plötzlich ein Gewinn von 0,7  % – und das ist doch gar nicht schlecht.

Interview: Christian Vordemann

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