Der Schutz der Wohngebäudeversicherung ist für Hausbesitzer unverzichtbar. Sie greift bei Feuer, Leitungswasserschäden, Sturm/Hagel und – wenn mitversichert – bei Naturgefahren wie Starkregen oder Überschwemmung. Laut der Stiftung Warentest stehen dennoch viele, die eine Police haben, im Ernstfall mit fast leeren Händen da. Denn viele alte Verträge haben Lücken. Für ihre aktuelle Ausgabe hat die Zeitschrift 178 Tarife von 70 Anbietern untersucht. 79 Tarife waren wegen Lücken beim Schutz auch bei grober Fahrlässigkeit nur mangelhaft, 68 Tarife sehr gut.
Vor allem ältere Verträge sind lückenhaft. Wer vor Jahren das Haus gekauft und seitdem nie mehr in die Police geschaut hat, sollte sie jetzt aus dem Schrank holen.
Falls einige wichtige Leistungen im Vertrag fehlen, ist es sinnvoll, zunächst den Versicherer zu fragen, ob er sie mitversichern kann, vielleicht auch in einem leistungsstärkeren Tarif. Das bedeutet oft einen höheren Preis. Ein Ausweg ist der Wechsel zu einem günstigeren Anbieter. Wichtig: erst den neuen Vertrag sichern, dann den alten kündigen, um nicht am Ende ohne Schutz dazustehen.
Drei Varianten
Viele Gesellschaften bieten drei Varianten an: ein günstiges Basismodell, ein Angebot im mittleren Preissegment und einen Premiumtarif mit erweiterten Leistungen. Doch ein sehr guter Tarif muss nicht teuer sein. Das günstigste sehr gute Angebot kostete für einen Neubau in Dresden 191 Euro im Jahr. Der teuerste mangelhafte Tarif kostete 704 Euro. Der Wohngebäudeschutz besteht aus vier Bausteinen.
Baustein 1: Brand, Blitz, Explosion
Am wichtigsten ist der Schutz bei Feuer – hier droht Totalschaden. Liegt auf der Immobilie ein Kredit, verlangen viele Banken diese Absicherung ohnehin. Sie greift auch für Folgeschäden, etwa wenn der Dachstuhl brennt und Löschwasser die Räume flutet. In Altverträgen fehlt oft die sogenannte Überspannung. Dann ist ein Blitzeinschlag in eine Überlandleitung, der teure Schäden an der Heizungselektronik verursachen kann, nicht versichert.
Baustein 2: Leitungswasser
Lecks in Wasserleitungen sind das Hauptproblem in der Gebäudeversicherung. Zwar zahlen die Versicherer. Anschließend folgt aber oft eine Preiserhöhung. Viele bekommen nach dem zweiten Schaden sogar die Kündigung.
Baustein 3: Sturm, Hagel
Ab Windstärke 8 greift die Sturmversicherung. Solche Unwetter nehmen zu. Laut einer Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung können schwere Stürme, wie sie alle 50 Jahre vorkamen, alle 10 Jahre wüten. Der Schutz greift bei abgedeckten Dächern, geknickten Antennen, eingedrückten Scheiben oder aufs Haus gestürzten Bäumen.
Baustein 4: Naturgefahren
Bei Starkregen, Überschwemmung, Lawinen, Erdbeben und anderen Naturgefahren greift die Gebäudeversicherung nicht. Dafür ist der Zusatz „Elementarschutz“ notwendig, den „Finanztest“ empfiehlt. Im Test wurden daher nur Tarife untersucht, bei denen dieser Baustein mitversichert werden kann.
Starkregen kann jederzeit überall auftreten, ohne dass eine Vorhersage möglich ist. Die Regengüsse sind lokal eng begrenzt. Während ein Stadtteil in den Fluten ertrinkt, bleibt es in der Nähe beim Nieseln. Viele Tarife im Test bieten diesen Schutz nur, wenn im Keller eine Rückstauklappe eingebaut ist. Sie verhindert, dass Schmutzwasser hereinläuft, wenn die Kanalisation überlastet ist. Andere Tarife verlangen die Klappe nur, wenn dies im Bundesland Vorschrift ist.
Preise: Wie die Versicherer rechnen
Beim Preis für die Versicherung kommt es zunächst auf die Baukosten des Hauses an. Das ist nicht der Wert, den es bei einem Verkauf hätte. Denn der Versicherer zahlt bei Totalschaden den Betrag, den ein Wiederaufbau des Hauses kosten würde – wenn die Betroffenen ihr Haus tatsächlich wieder aufbauen.
Viele Versicherer kalkulieren den Wert auf Grundlage der Wohnfläche. Das klingt einfach, hat aber Tücken: Die Versicherer definieren unterschiedlich, was dazugehört. Mal sind Terrassen, Balkone, Keller, Dachschrägen teilweise inklusive, mal nicht. Versicherte sollten ihren Anbieter fragen, was alles mitgezählt wird.
Viele – vor allem ältere – Tarife nehmen statt der Wohnfläche den Wert, den das Haus im Jahr 1914 gehabt hätte. Damals, vor dem Ersten Weltkrieg, waren die Baupreise stabil. Daraus wird mit jährlichen Preisindizes der heutige Neubauwert abgeleitet – ein umständliches Verfahren. Wegen jährlicher Anpassungen reicht das Geld auch bei stark gestiegenen Preisen stets für einen Neubau.
Auch die Region spielt eine Rolle. Die Anbieter unterteilen das Bundesgebiet in Gefahrenzonen. Bei Leitungswasser sind es meist vier Stufen, teils straßen- oder gar hausnummerngenau, meist je nach Härtegrad der Wasserversorgung, da hartes Wasser die Leitungen stärker angreift. Teils geht es auch nach teurer oder einfacher Wohnlage. Bei Sturm und Hagel sind es oft zwei Zonen, bei Naturgefahren die sogenannten Zürs-Zonen 1 bis 4. Auch das Alter eines Hauses fließt in den Preis für die Versicherung ein.
Tarifsuche in vier Schritten
Die Suche nach einem guten Tarif ist schwierig. Wenige Anbieter stellen zur Orientierung einen Preisrechner ins Internet. Es bleibt der Ausweg, mehrere Versicherer zu fragen.
. Schritt 1. Wählen Sie einen der sehr gut getesteten Tarife. Sie bieten die sechs Leistungen, die „Finanztest“ für unverzichtbar hält.
. Schritt 2. Prüfen Sie, welche zusätzlichen Leistungen für Ihr Haus wichtig sind, zum Beispiel Anprall von Fahrzeugen oder Mitversicherung von Ableitungsrohren auf dem Grundstück.
. Schritt 3. Holen Sie bei mindestens drei günstigen Versicherern Angebote ein. Es ist auch durchaus sinnvoll, noch mehr Anbieter anzuschreiben. Das gilt besonders in den schwierigen Zürs-Zonen 3 und 4. Gerade dort nehmen einige Versicherer teils happige Aufpreise.
. Schritt 4. Schließen Sie nicht auf eigene Faust online ab, sondern besser mit dem Versicherer persönlich – eventuell sogar mit einem Vertreter, der den Antrag ausfüllt.