„Im zweiten Halbjahr steigen die Risiken“

von Redaktion

„Was nun, Aktienrally?“ Das fragt sich nicht nur Robert Halver, Börsenchef der Baader Bank. Die Unsicherheit, wie es mit den Aktien weiter geht, ist in der ersten Mai-Woche gestiegen, auch wenn am Ende bei rund 15 375 Zählern wieder ein Plus steht. Knapp 1,6 Prozent hat der Deutsche Aktienindex Dax seit Ende April zugelegt. Die Schwankungen waren diese Woche beträchtlich. Am Dienstag war der Index auf 14 845 Punkte abgesackt. Grund: US-Finanzministerin Janet Yellen hatte angedeutet, dass die Zinsen irgendwann wieder steigen dürften. Eine Erkenntnis freilich, die alles andere als neu ist. Dass die Reaktion an der Börse so deutlich negativ ausfiel zeigt allerdings: Die Nervosität ist durchaus beträchtlich. Einen Tag später beruhigte sich die Lage wieder. „Dieses niedrige Zinsniveau wird trotz der Kommentare Yellens noch lange bestehen bleiben“, sagt Ulrich Kater, Chef-Volkswirt der DekaBank. Da habe auch der „Markt“so gesehen. Also wurden Aktien gekauft und der Dax stieg wieder.

Generell bleibt das Umfeld für Aktien rosig. Die Konjunktursignale zeigen nach oben, die Auftragsbücher deutscher Firmen füllen sich immer stärker, die Ergebnisse der 30 Dax-Konzerne, die bereits für das erste Quartal berichtet haben, waren besser als von Analysten vorhergesagt. Knapp 80 Prozent hätten die Erwartungen übertroffen, sagt Markus Reinwand von der Landesbank Hessen-Thüringen. Folglich haben die Analysten ihre Gewinnprognosen für das gesamte Jahr nach oben geschraubt. Abgesehen vom weiter großen Vorteil von Aktien gegenüber extrem mager verzinsten oder gar mit negativen Sätzen belegten Sparanlagen und Anleihen kommt auch der Kampf gegen die Pandemie voran, zumindest in reicheren und reichen Ländern. Die Zahl der Neuinfektionen sinkt nach und nach, gleichzeitig werden immer mehr Menschen geimpft. Die Corona-Katastrophe in Indien und die immer noch extrem niedrigen Impfquoten etwa in den Ländern Afrikas, sehen auch die Börsianer. Aber für ihr Geschäft hat das wenig Bedeutung.

Jörg Krämer, Chef-Ökonom der Commerzbank, rät gleichwohl zur Vorsicht. „Aktien sind teuer“, sagt er. „Im zweiten Halbjahr steigen die Risiken für die Börse.“ Auch weil die Zentralbanken nicht mehr so großzügig agieren und weniger Anleihen kaufen könnten. Für das Jahresende traut Krämer dem Dax nur 14 200 Zähler zu. Das wären immerhin rund 7,5 Prozent weniger als derzeit. Christian Kahler von der DZ Bank verweist auf stark steigende Rohstoffpreise und mögliche Knappheit bei Halbleitern, was die Produktion beeinträchtigen könnte. Den Dax sieht er auf Seitwärts-Kurs mit 15 000 Punkten am Ende des Jahres. ROLF OBERTREIS

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