Schritt für Schritt zum ETF

von Redaktion

VON CHRISTOPH JÄNSCH

Um mit Wertpapieren zu handeln, muss man kein Börsenprofi sein. Klar – wer Einzelaktien kaufen möchte, sollte genau wissen, was er tut. Wer stattdessen aber in börsengehandelte Indexfonds investiert, der muss sich über die Entwicklung eines einzelnen Unternehmens wenig Gedanken machen.

Sogenannte ETFs (Exchange Traded Fund) bilden die Werte eines ganzen Index, zum Beispiel die des Deutschen Aktienindex Dax, ab. Entwickeln sich also die 40 größten deutschen börsennotierten Unternehmen positiv, schneidet auch der ETF entsprechend gut ab. Bereits für wenig Geld können Anleger so eine breite Streuung ihrer Wertpapiere erreichen und damit das Risiko von Verlusten verringern. Für den langfristigen Vermögensaufbau sind diese Wertpapiere daher auch für Menschen mit wenig Kapital attraktiv. Und so geht’s:

Das Depot

Egal, mit welcher Art von Wertpapieren man handeln möchte: Ohne Depot geht das nicht. Das gilt auch für ETFs. Wer also noch kein Depot hat, muss dieses bei einem Anbieter seiner Wahl eröffnen. Das Angebot dafür ist inzwischen groß und reicht vom preisgünstigen Neobroker über den Onlinebroker bis hin zur klassischen Filialbank. „Der erste Impuls, einfach eines bei der Hausbank zu eröffnen, ist zwar der einfachste Weg, kann aber durchaus teuer werden“, sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Oft lässt sich dort zwar ein Beratungsangebot nutzen. Wer aber bei seinen Anlageentscheidungen auf Beratung verzichten kann, sollte vor allem auf Aspekte wie laufende Depotkosten und Handelsgebühren achten, sagt Kurz. Diese Punkte entscheiden Onlinebroker häufig für sich. Außerdem wichtig: Das Angebot an handelbaren Wertpapieren und ETFs ist von Anbieter zu Anbieter verschieden. Laut Kurz lohnt sich gerade für Anleger, die mithilfe von ETF-Sparplänen Vermögensbildung betreiben wollen, ein Blick darauf, wie viele ETFs sparplanfähig sind.

Zudem kann es nicht schaden, wenn das gewählte Institut dem deutschen Einlagensicherungsfonds angehört. Zwar gehöre ein Depot im Falle einer Pleite nicht zur Insolvenzmasse des Instituts, ein eventuell vorhandenes Verrechnungskonto allerdings schon, sagt Kurz.

Der Index

Ist das Depot eingerichtet, gilt es, geeignete Indizes zu finden, die zur Anlagestrategie passen. Die entscheidenden Faktoren dabei sind laut Kurz der angestrebte Anlagezeitraum und die Risikobereitschaft. Wer sich eine Altersvorsorge aufbauen möchte, sollte besonders auf eine breite Streuung der Werte nach Branchen und Ländern achten. „Branchenindizes scheiden daher ebenso aus wie Themen- und Länderindizes“, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Der gern gewählte Klassiker: der MSCI World Index. Er umfasst 1600 Unternehmen aus etwa zwei Dutzend Industrieländern. Der MSCI All Country World Index sowie der FTSE All-World Index enthalten darüber hinaus auch Unternehmen aus Schwellenländern. ETFs auf diese Indizes seien als Grundlage sehr gut geeignet, sagt Nauhauser.

Der Fonds

Hat man sich für einen Index oder mehrere Indizes entschieden, geht es an die Auswahl der ETFs, die diese nachbilden. Ein wichtiges Kriterium dabei: die Kosten. Denn nicht nur der Anbieter des Depots verlangt Gebühren. Auch bei ETF-Anbietern fallen Kosten an, die von ETF zu ETF sehr unterschiedlich ausfallen. Nauhauser zufolge gibt es bei weltweiter Streuung ETFs mit laufenden Kosten von weniger als 0,4 Prozent pro Jahr.

Zudem sollte das Fondsvolumen am besten mehr als 100 Millionen Euro betragen, sagt Kurz. Nach Angaben Nauhausers besser noch mehr als 300 Millionen Euro. Mit dem hohen Volumen gingen zum einen Kostenvorteile einher.

Die Strategie

Das Depot ist eingerichtet, der ETF ausgewählt. Jetzt müssen nur noch Anteile des ETFs gekauft werden. Das funktioniert – je nachdem, wo das Depot eröffnet wurde – per App, online oder mithilfe des Bankberaters direkt in der Filiale. Besonders gängig sind Sparpläne. Wer sich dafür entscheidet, kauft mit einem vereinbarten Betrag in regelmäßigen Abständen – zum Beispiel monatlich oder quartalsweise – Anteile. Je nach Kurs landen dann unterschiedlich viele Anteilsscheine im Depot, was den Effekt hat, daß man zu einem günstigeren Durchschnittskurs kauft: Bei hohen Kursen wenig Anteile, bei niedrigen Kurse viele.

Sparpläne können schon mit kleinen Beträgen beginnen, wie die Stiftung Warentest in ihrem Ratgeber „Anlegen mit ETF“ erklärt. Üblich seien 25 oder 50 Euro pro Monat als Mindestrate. ETF-Sparpläne sind aber flexibel. Die Raten können jederzeit geändert oder ausgesetzt werden. Auch können zu jedem Zeitpunkt Teilbeträge durch Anteilsverkäufe aus dem Depot entnommen werden, ohne dass der Sparplan erlischt.

Übrigens: Vermögenswirksame Leistungen des Arbeitgebers können ebenfalls in bestimmte ETFs fließen.

Die Krise

Anleger, die zum Vermögensaufbau mit einem langfristigen Horizont von mindestens zehn Jahren in ETFs investieren, sollten auch bei rapiden Talfahrten der Börsenkurse in einer Krise nicht panisch reagieren, sondern die Sache aussitzen. Der Stiftung Warentest zufolge zeigt die Geschichte, dass jeder Börsencrash spätestens nach einigen Jahren wieder aufgeholt werden konnte.

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