Der Einmarsch Russlands in die Ukraine hat nicht nur die Finanz-, sondern auch die Rohstoffmärkte in Panik versetzt. Zwischenzeitlich stieg der Preis für Erdgas-Sommerkontrakte auf 130 Euro, etwa das Sechsfache der Konditionen, zu denen die Speicher für die kommende Heizperiode normalerweise aufgefüllt werden. Detlef Fischer, Chef des Verbands der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft, gibt jedoch teilweise Entwarnung: „Seriöse Versorger haben sich für ihre Haushaltskunden schon größtenteils für das Jahr 2022 eingedeckt. Es kann also sein, dass die 130 Euro, auf die die Preise kurzzeitig getrieben wurden, kaum bei den Verbrauchern spürbar sind.“ Denn der Einkauf der Versorger ist langfristig angelegt: „Die Beschaffung funktioniert normalerweise nach einem Stufenmodell: Für den März 2022 sind die Versorger jetzt zu 100 Prozent eingedeckt, für den Dezember vielleicht zu 80 Prozent. Das zieht sich dann meist drei Jahre in die Zukunft.“ Mit den ungedeckten Kontingenten können die Versorger arbeiten: „Die Kunst eines guten Einkäufers ist es, mehr zu kaufen, wenn es günstig ist, und weniger, wenn es teuer ist, um einen möglichst günstigen Gaspreis für seine Kunden zu ermöglichen.“ Dementsprechend können die meisten Versorger kurzfristige Preisspitzen aussitzen. Problematisch wird es erst, wenn das Preisniveau dauerhaft hoch bleibt: „In den letzten Monaten fiel das Niveau an der Börse aber kaum unter 70 Euro – dieses Niveau wird schon eher bei den Verbrauchern ankommen.“ Das entspricht etwa einer Verdreifachung der Preise vor dem rasanten Anstieg 2021. Die Termingeschäfte für den Sommer sind zum Handelsschluss am Freitag wieder auf rund 90 Euro gesunken. Da jedoch ungewiss ist, wie viel Gas künftig aus Russland geliefert wird, ist die Lage nach wie vor heikel: „Es ist zurzeit für die Gas- und Stromversorger schwierig, neue Verträge anzubieten. Kalkuliert man Preissprünge wie im Dezember ein, ist der Versorger zwar abgesichert, aber der Tarif für die Kunden unbezahlbar. Deshalb warten viele Versorger aktuell ab und vermeiden es, Neukunden aufzunehmen. Das ist gar keine gute Situation, weder für den Versorger noch für die Kunden.“ MATTHIAS SCHNEIDER