Grundsätzlich halten die Experten von „Finanztest“ eine Rechtsschutz-Police zwar nicht für eine zwingend notwendige, aber doch für eine sinnvolle Versicherung. Allerdings sei sie kein Schutz für jeden denkbaren rechtlichen Ärger.
Prozesse sind teuer
Ein Rechtsstreit kann schnell teuer werden, wie dieser typische Fall zeigt: Wer sich einen Gebrauchtwagen für 10 000 Euro gekauft hat und das Geschäft später per Klage rückgängig machen will, weil der Verkäufer einen Unfallschaden verschwiegen hat , zahlt für einen eigenen Anwalt rund 2400 Euro und 800 Euro Gerichtskosten. Verliert man den Prozess, kommen dazu auch noch die Anwaltskosten des Gegners. Und das sind nur die Kosten der ersten Instanz.
Kleingedrucktes lesen
Kein Wunder also, wenn viele einen Prozess scheuen. In einer Umfrage des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft gaben 71 Prozent der Befragten an, aus Angst vor den Kosten lieber keinen Anwalt zu beauftragen. Eine Rechtsschutzversicherung kann diese Angst mildern. Doch das Dickicht der Vertragsbedingungen ist für Laien, so das Fazit von „Finanztest“, nur schwer zu durchdringen. Beispiel Vertragsrechtsschutz: diese Leistungsart ist extrem wichtig, weil damit grundsätzlich alle Rechtsstreitigkeiten versichert sind, die mit einem Vertragspartner (Versicherer, Fluglinie, Fitnessstudio, Reiseveranstalter, Handwerker etc.) entstehen können. Denn oft werden im Kleingedruckten einzelne Vertragsstreitigkeiten wieder ausgeschlossen.
Bausteine prüfen
Experten empfehlen deshalb, sich die Rechtsschutzbausteine, die ein Vertrag enthält, genau anzusehen. Die Experten haben in ihrem Test Versicherungspakete unter die Lupe genommen, die die Lebensbereiche Privat, Beruf und Verkehr (PBV) abdecken. Heißt: Für einen Mieter oder Vermieter wäre es sinnvoll, sich dazu noch den Baustein „Wohnen“ für einen Mehrbetrag dazuzubuchen.
Gute Police ab 267 Euro
Die besten PBV-Pakete bieten laut den Experten der Tarif Premium der ADAC-Versicherung (Jahresbeitrag 365 Euro), der Tarif Aktiv Premium und der Tarif Premium Flex der Arag (Jahresbeitrag 478 bis 683 Euro) an. Alle drei Angebote erhielten die Test-Note 1,9. Den günstigsten Tarif, der mit „gut“ abschnitt, bietet der Versicherer Huk-Coburg an: PBV Plus ist für 267 bis 308 Jahresbeitrag zu haben. Wichtig: Bei den Jahresbeiträgen geht es um den Schutz für eine Familie, Alleinstehende erhalten einen Preisnachlass. Für kleines Geld ist guter Rechtsschutz aber nicht zu haben. „Finanztest“ hält es für sinnvoll, eine Selbstbeteiligung von 150 Euro (300 Euro sind auch noch üblich) zu vereinbaren, da andernfalls die Prämie zu teuer wird.
Selbstbehalt senken
Beispiel: der 360-Grad Privat von Advocard (Note 2,3) kostet bei einer Selbstbeteiligung von 150 Euro jährlich 544 Euro (inklusive Baustein Wohnen). Ohne Selbstbeteiligung wären es 830 Euro. Schadenfreie Jahre belohnen viele Versicherer, aber nicht alle. Bei einigen sinkt mit jedem schadenfreien Jahr die Höhe des Selbstbehaltes, im besten Fall sogar bis auf null Euro. Dann kann man wirklich ganz beruhigt in einen Prozess gehen.
Anwalts Liebling
Interessant: „Finanztest“ hat bei Mitgliedern des Deutschen Anwaltvereins nachgefragt, mit welchen Rechtsschutzversicherungen sie gute Erfahrungen gemacht haben. Ganz vorne lag dabei – wie schon 2020 – der ADAC, vor Zurich, Concordia, Ergo/DAS und Allianz. Die Schlusslichter in dieser Rangliste sind WGV und Advocard.