Lohnt jetzt die Police fürs Tier?

von Redaktion

VON CORINNA MAIER

Haustierbesitzer müssen ab 22. November deutlich mehr bezahlen, wenn sie mit ihrem Liebling zum Tierarzt müssen. Die Gebührenordnung ist erstmals seit über 20 Jahren umfassend geändert worden. Für die Tierärzte höchste Zeit. Denn gestiegene Kosten zwängen immer mehr Praxen zum Aufgeben, heißt es bei der Tierärztekammer. Zudem seien die aktuellen Verteuerungen, etwa von Energie, in den neuen Tarifen noch gar nicht berücksichtigt. Für die meisten Kunden kommt die Erhöhung jedoch zur Unzeit. Denn auch fast alles andere wird momentan teurer. So manches Herrchen oder Frauchen überlegt jetzt vielleicht, eine Tierkrankenversicherung abzuschließen. Was Tierhalter jetzt wissen müssen.

Die Preiserhöhung

Eine „Allgemeine Untersuchung mit Beratung“ ist die häufigste Leistung beim Tierarzt. Da wird in Zukunft kein Unterschied mehr zwischen Hund und Katze gemacht. Bislang kostet die Katzenuntersuchung 8,89 Euro, die Hundeuntersuchung 13,47 Euro – künftig kostet beides einheitlich 23,62 Euro. Auch andere Standard-Behandlungen wurden neu berechnet (siehe Tabelle). Dabei setzt sich ein Tierarztbesuch meist aus mehreren Bausteinen zusammen. Bei der Kastration eines Tieres kommt zum Beispiel eine Voruntersuchung und eine Narkose hinzu, gleiches gilt für Arzneimittel und medizinisches Material. Die Höhe der Gebühren kann zudem variieren, erklärt die Bundestierärztekammer. Durch besonderen Aufwand oder Notdienst können auch die zwei- oder dreifachen Sätze anfallen.

Die Versicherung

Um sich vor steigenden Kosten zu schützen, können Haustierfreunde eine Tierkrankenversicherung abschließen. Es gibt Versicherungen, die zum Beispiel nur Operationen bezahlen, andere kommen auch für laufende Behandlungen eines Tiers auf. Dafür liegen die Kosten aber auch dreimal so hoch wie bei einer reinen Operationsversicherung, hat die Stiftung Warentest bei einer Untersuchung aus dem Jahr 2021 herausgefunden.

Grundsätzlich gilt: Versichert werden nur gesunde Tiere und je älter ein Tier, desto teurer die Versicherung. Auch andere Faktoren spielen bei der Höhe der Prämien eine Rolle, zum Beispiel auch der Wohnort. Zudem ist natürlich die Art des Tiers dafür entscheidend. Eine Versicherung für ein Pferd wird kostspieliger als eine für den Wellensittich.

Preisbeispiel: Ein kleiner, junger Hund kann für 160 bis 550 Euro im Jahr versichert werden, je nachdem, ob nur Operationen oder auch sonstige Behandlungen dabei sein sollen. Doch Vorsicht: Nicht nur die Beitrags-. sondern auch die Leistungsunterschiede sind enorm, warnt die Verbraucherzentrale. Bevor man irgendetwas unterschreibt, muss man bei diesen Policen das Kleingedruckte genau lesen.

Das Kleingedruckte

Die Stiftung Warentest hat in den Policen von Tierkrankenversicherungen häufig Klauseln gefunden, die Kunden stark benachteiligen. Hier einige Beispiele, auf die jeder vor Vertragsabschluss achten sollte:

. Steigende Beiträge In der Hälfte der Operationspolicen und in den meisten Vollversicherungen fanden die Tester die Klausel, dass der Beitrag mit dem Alter des Tieres steigt. Manche Versicherer sehen sogar jedes Jahr eine prozentuale Erhöhung vor. Das muss beim Beitragsvergleich unbedingt berücksichtigt werden.

. Sinkende Leistung Je älter das Tier ist, desto höher der Selbstbehalt: Das ist das Prinzip hinter dieser Klausel. Das bedeutet, in der Vollversicherung sinkt das Leistungsniveau mit zunehmendem Alter. In manchen Fällen greift sogar beides: steigende Beiträge mit gleichzeitig sinkender Leistung.

. Ausschlüsse Einige Versicherer schließen alle Krankheiten vom Versicherungsschutz aus, die bei Vertragsabschluss vorhanden waren – auch wenn der Tierbesitzer davon gar nichts wusste. Das findet die Stiftung Warentest besonders kundenuofreundlich. Andere haben lange Listen mit ausgeschlossenen Krankheiten, die Kunden kaum einschätzen könnten.

. Tierarztwahl Es gibt Policen, bei denen bei Vertragsabschluss ein bestimmter Tierarzt festgelegt wird, der dann immer aufgesucht werden muss.

. Kündigungsrecht

Versicherer können den Vertrag – anders als bei Menschen – auch kündigen, regulär zum Ende der Vertragslaufzeit, aber auch nach einem Versicherungsfall. Es kann also sein, dass die Tierkrankenversicherung für genau einen einzigen Fall bezahlt, auch wenn jahrelang Beiträge bezahlt wurden. Es gibt aber Anbieter (im Test von 2021 waren das zum Beispiel die Barmenia), die auf beide Kündigungsrechte nach einer bestimmten Anzahl von Versicherungsjahren (in diesem Fall vier) verzichten.

Die Konditionen

Zu den üblichen Konditionen bei Tierkrankenversicherungen zählt, wie bereits erwähnt, eine bestimmte Altersgrenze, oft sind das sieben Jahre, ab der kaum noch eine Police zu bekommen ist. Zudem gilt bei Krankheiten eine Wartezeit, meist von drei Monaten, innerhalb derer die Versicherung nicht bezahlt. Anders ist es bei Unfällen, bei denen springt der Versicherer ohne Wartezeit ein.

Die Leistungen

Eine Tierkrankenversicherung erstattet nach Auskunft der Verbraucherzentrale je nach Police die Tierarzt- und Operationskosten für ambulante, stationäre und chirurgische Behandlungen, für Medikamente und Unterbringung des Tiers. Übernommen werden aber meist nur medizinisch notwendige Behandlungen – eine Sterilisation oder eine Tätowierung zur Kennzeichnung können ausgeschlossen sein. Üblich ist demnach außerdem, dass nur 80 Prozent der erstattungsfähigen Kosten übernommen werden. Die Selbstbeteiligung liegt also in aller Regel bei 20 Prozent.

Das Fazit

Lohnt sich also eine Tierkrankenversicherung?

Die meisten Verbraucherschützer kommen zu der Einschätzung: eher nicht. Niedrige Beiträge zahlen nur Tierhalter, die ihr gesundes Tier so früh wie möglich versichern, gibt die Verbraucherzentrale zu bedenken. Das heißt: Sie zahlen die Beiträge über viele Jahre. Außerdem fallen Standardleistungen wie Impfungen oder Kastrationen oft nicht unter den Versicherungsschutz.

Wer Haustiere hat, sollte sich lieber überlegen, ob er nicht jeden Monat ein bisschen Geld für unerwartete medizinische Ausgaben zur Seite legen will. Das hat den Vorteil, dass die Summe nicht weg ist, nur weil sie nicht gebraucht wurde. Andererseits: Wenn bei einem Haustier in jungen Jahren eine größere Operation notwendig wird –, und die kann durchaus mehrere tausend Euro kosten – dann geht die Strategie des monatlichen Ansparens kleiner Summen nicht auf, erklärt Ulrike Steckkönig von der Stiftung Warentest. Wer größere Summen nicht aufbringen kann, für den hält sie die Überlegung einer reinen OP-Versicherung für sinnvoll. Für solche Tarife sind die Beiträge auch niedriger.

Allerdings ist damit zu rechnen, dass infolge der Preiserhöhungen beim Tierarzt auch die Beiträge für die Tierkrankenversicherung steigen werden.

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