Zuletzt veröffentlichte volkswirtschaftliche Daten untermauerten das Bild einer sehr schwachen Konjunktur in Europa. Während in Frankreich gemäß Umfragen unter Unternehmen (Einkaufsmanagerindizes) nach einer kurzzeitigen Stabilisierung während der Olympischen Spiele die Geschäftserwartungen wieder einbrachen, setzt sich in Deutschland der mittlerweile seit rund zwei Jahren anhaltende Abschwung der Industrie fort.
Wie auch das ifo-Geschäftsklima verdeutlichte, greift die Nachfrageschwäche immer stärker auf den Handel und den Dienstleistungssektor über. Einzig im Baugewerbe ergab sich eine leichte Stabilisierung der Unternehmensstimmung auf allerdings sehr niedrigem Niveau. Aufgrund des anhaltenden Auftragsmangels planen immer mehr Unternehmen einen Beschäftigungsabbau, wodurch auch der private Konsum vorerst als Stabilisator der Wirtschaft ausfällt. Entsprechend wurde die Wachstumsprognose für Deutschland von den führenden Wirtschaftsforschungsinstituten in dieser Woche deutlich auf -0,1 Prozent in diesem und 0,8 Prozent im nächsten Jahr gesenkt.
Neben der schwachen gesamtwirtschaftlichen Nachfrage wurden hohe Energiepreise und zunehmende Konkurrenz bei hochwertigen Industriegütern aus China als Belastungsfaktoren benannt.
Doch ausgerechnet Nachrichten aus China versetzten die Aktienbörsen weltweit in Feierlaune. So erreichten sowohl der deutsche Leitindex Dax als auch der US-Index S&P 500 neue Rekordniveaus. Der chinesische Aktienindex CSI 300 legte innerhalb von einer Woche um mehr als 10 Prozent zu, nachdem zunächst die chinesische Notenbank einen für laufende Immobilienfinanzierungen relevanten Leitzins senkte und dann das Politbüro auf einer außerplanmäßigen Sitzung verschiedene Stützungsmaßnahmen für die Immobilienwirtschaft, die Kreditvergabe und den Konsum beschlossen. Auch wenn diese vor allem der Binnenwirtschaft zugutekommen, würde ein stärkeres Wachstum Chinas über eine steigende Exportnachfrage auch vielen deutschen Unternehmen helfen. Ebenfalls positiv wurde an den Börsen die Nachricht aufgenommen, dass Saudi-Arabien eine Ausweitung der Ölproduktion plant. Damit würden die Rohölpreise weiter unter Druck kommen mit der Folge, dass Inflationsraten stärker sinken und so schnellere Leitzinssenkungen vonseiten wichtiger Notenbanken möglich wären.
Vor diesem Hintergrund stehen in der kommenden Woche die September-Inflationsdaten aus Deutschland, Italien und der Eurozone im Fokus. Nachdem die Teuerungsraten für Frankreich und Spanien mit 1,2 bzw. 1,5 Prozent bereits deutlich tiefer ausfielen als erwartet, könnten verstärkte Spekulationen über eine schon im Oktober bevorstehende erneute EZB-Leitzinssenkung die Aktienmärkte weiter antreiben.