Der Weg zum besten Konto

von Redaktion

Wer will, kann erst mal ermitteln, wie teuer sein aktuelles Konto eigentlich ist. (https://kontenvergleich.bafin.de). Daneben kann man sich Angebote anderer Banken anzeigen lassen. Außerdem ist es möglich, selbst Suchkriterien einzugeben.

Das passende Girokonto zu finden, ist gar nicht so einfach. Denn die Gesamtkosten setzen sich aus vielen Posten zusammen, die je nach Anbieter stark variieren. Im Gebührendschungel der verschiedenen Kontomodelle bietet die Finanzaufsicht Bafin nun Orientierung. Am heutigen Mittwoch schaltet die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht eine Website frei, auf der die Kosten und Leistungen aller Girokonten für Privatpersonen in Deutschland aufgeführt sind.

Wie hoch sind die monatlichen Gebühren für ein Girokonto? Gibt es eine Kreditkarte dazu und was kostet die? Wie hoch sind die Zinsen, wenn das Konto überzogen wird? Auf diese und weitere Fragen gibt es Antworten. 27 Vergleichskriterien sind für alle Kontomodelle eingepflegt. Enthalten sind laut Bafin fast 6900 unterschiedliche Kontenmodelle von etwa 1100 Anbietern.

■ Wunschkonto

Mit wenigen Mausklicks können Nutzer Merkmale für ihr Wunschkonto festlegen und bis zu drei Kontomodelle direkt miteinander vergleichen. Um ein Konto zu eröffnen, müssen sich Verbraucher dann an den jeweiligen Anbieter wenden.

■ Kriterien

Die Suche lässt sich nach Themenfeldern strukturieren, etwa nach der Höhe der geforderten monatlichen Gebühren, den Preisen für Debit- und Kreditkarten oder der Höhe von Überziehungszinsen. Mithilfe von Such- und Filterfunktionen können die Nutzer Merkmale festlegen, die ihnen wichtig sind, wie eine unentgeltliche Bargeldauszahlung im Ausland oder den Versand von Kontoinformationen per Post.

■ Basisleistungen

Neben den Girokonten erfasst der Bafin-Vergleich auch die sogenannten Basiskonten für Kunden mit geringem Einkommen oder schlechter Bonität, die Banken seit 2016 anbieten müssen. Wer seine Postleitzahl eingibt, kann gezielt nach der regionalen Verfügbarkeit von Filialen und Geldautomaten suchen. Vergleichbar werden außerdem unterschiedliche Angebote für Schüler, Rentner und Studenten. Wer verstehen will, welche von seiner Hausbank angebotene Leistungsvariante für ihn oder sie am günstigsten ist, kann „Standard“-, „Plus“-, oder „Premiumkonten“ gegenüberstellen.

■ Individuelle Nutzung

Die Kosten für Girokonten hängen schon lange nicht mehr nur von der monatlichen Kontoführungsgebühr ab, sondern auch vom individuellen Nutzungsverhalten. Wer die Gesamtkosten ermitteln will, müsse auch die Preise für Giro- Debit-, oder Kreditkarten einkalkulieren, ebenso wie für die Überziehung des Kontos oder für Überweisungen, betont Nils Nauhauser von der Verbraucherzentrale. Viele Banken knüpfen die Kontoführungskosten an die Höhe monatlicher Geldeingänge oder die Frage, ob weitere Produkte genutzt werden. „Wer sich einen Bausparvertrag, eine Versicherung oder eine Altersvorsorge verkaufen lässt, bekommt Rabatt auf den Konto-Preis“, sagt Nauhauser. Komplizierte Rabattmodelle erschwerten zusätzlich den Vergleich. Der VZBV weist darauf hin, dass Gerichte einige Gebührenforderungen inzwischen kassiert hätten. Dazu gehörten Entgeltklauseln für ein Basiskonto.

■ Daten von Banken

Es gibt freilich keine Gewähr für die Richtigkeit: Die gemeldeten Daten würden ohne weitere Prüfung oder Bearbeitung in den Kontenvergleich übertragen, stellt die Bafin klar: „Für die Richtigkeit der Angaben sind die Kontoanbieter selbst verantwortlich“. Die Aufnahme in den Kontenvergleich sei demnach auch kein Gütesiegel. Allerdings gebe es stichprobenhafte Qualitätschecks. Ihr Kontenvergleich verfolge kein kommerzielles Interesse, betonen die Bankenaufseher. Werbung gebe es auf den Vergleichsseiten nicht, ebenso wenig wie eine Empfehlung für ein bestimmtes Konto oder einen bestimmten Anbieter. Suchergebnisse ließen sich online speichern, weiterleiten und herunterladen. Auf Cookies werde verzichtet.

■ Gesetzliche Vorgaben

Den Auftrag für die bundesweite digitale Übersicht erteilten der Bafin die Bundesministerien für Finanzen (BMF) und Verbraucherschutz (BMUV). Banken und Sparkassen, Neo-Banken und FinTechs, die private Girokonten anbieten, hatten bis Ende des vergangenen September Zeit, ihre Konditionen an die Bafin zu melden und waren auch dazu verpflichtet.

Gesetzlicher Rahmen ist die EU-Zahlungskontenrichtlinie. Sie schreibt vor, dass jeder EU-Mitgliedstaat einen kostenlosen Zugang zu einer privat oder staatlich betriebenen Vergleichs-Website für Zahlungskonten sicherstellen muss.

Die Umsetzung dieses Auftrags hakte in Deutschland zunächst beträchtlich. Vielen privaten Interessenten war das vorgeschriebene Procedere zu teuer und sie zogen sich zurück. Die Vergleichsplattform Check24, die dennoch einen Versuch unternahm, wurde nur wenige Monate nach dem Start von Verbraucherschützern abgemahnt und stellte das Vorhaben ein.

■ „Angebot überfällig“

Die die Entscheidung für eine öffentlich-rechtliche Lösung begrüßte der Bundesverband der Verbraucherzentralen ausdrücklich. Nach Ansicht von Verbraucherschützern ist die geplante Konditionen-Übersicht überfällig: „Die Anbieter haben ihre Preismodelle bewusst immer komplexer gestaltet, um sich einem Preisvergleich zu entziehen“, kritisiert Nils Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Wegen dieser Komplexität sei ein umfassender Preisvergleich für Privatnutzer heute kaum noch möglich. Überforderten Kunden würden teure Rundum-Sorglos-Pakete verkauft. Der Kontovergleich schaffe „Transparenz auf dem Girokontenmarkt“, sagt Bundesfinanzminister Jörg Kukies (SPD). Bundesverbraucherministerin Steffi Lemke (Grüne) wirbt: „Jeder kann mit dem Portal kostenlos und mit wenig Aufwand das Konto heraussuchen, das für ihn am besten passt.“
MIT DPA

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