Alkoholfreies Bier ist nicht nur wegen des fehlenden Alkohols gesünder, es hat auch deutlich weniger Kalorien als herkömmliches Bier. © Panthermedia
Bier ist das beliebteste alkoholische Getränk der Deutschen. Doch nun trinken immer mehr Menschen Alkoholfreies. Das zeigen neue Zahlen des Deutschen Brauer-Bunds. Am Biermarkt machen die alkoholfreien Varianten jetzt schon neun Prozent aus, Tendenz steigend. 800 verschiedene alkoholfreie Biersorten sind in Deutschland zu haben, vor allem kommen jetzt Helle hinzu. „Deutschland ist heute weltweit führend bei der Produktion alkoholfreier Biere“, sagt Nina Göllinger, die für den Deutschen Brauer-Bund spricht.
Thomas Koppmann ist Hobbybrauer und promovierter Lebensmittelchemiker bei der Stiftung Warentest. Erst vor wenigen Monaten hat er mit seinem Team bekannte Sorten alkoholfreien Biers gründlich geprüft (siehe Kasten): Kalorien, Zucker, Preis und so weiter. Wäre eine Apfelschorle nicht grundsätzlich die bessere Alternative? Koppmann sagt: „Ich würde zum alkoholfreien Bier greifen. Das ist eine Geschmackssache.“ Wer auf Alkohol verzichte, tue sich per se etwas Gutes – egal welches Getränk die Alternative sei.
„Nüchtern-Biere sind erheblich kalorienärmer als alkoholhaltiges Bier und Cola“, sagt Koppmann. „Selbst Saftschorlen haben oft mehr.“ Im Schnitt lägen die alkoholfreien Biere bei 108 Kilokalorien pro halbem Liter, ein Bier mit Alkohol bei 195, eine Apfelschorle bei 120, eine Cola bei 220. Die besten Durstlöscher seien aber immer noch: Wasser und ungesüßte Kräuter- und Früchtetees, die keine Kalorien hätten. Aber es gebe Unterschiede, Bier sei nicht gleich Bier, auch alkoholfreies nicht.
„Wer Wert darauf legt, kaum Zucker zu sich zu nehmen, sollte auf die Sorte achten“, sagt Koppmann. Es reicht ein Blick auf die Nährwerttabellen auf der Rückseite der Flaschen. Zum Beispiel enthält Bitburger Pils Alkoholfrei 0.0 vier Gramm Zucker auf 100 Milliliter. Bei Öttinger Alkoholfrei sind 3,4 Gramm ausgewiesen. Die WHO empfiehlt, dass Erwachsene nicht mehr als 25 Gramm freien Zucker am Tag zu sich nehmen sollten. Trinkt man einen halben Liter alkoholfreies Bier, das vier Gramm pro 100 Milliliter enthält, landet man bei 20 Gramm.
Wie kommt der Zucker ins Bier und warum nur in manche? „Das hat mit der Herstellungsart zu tun“, sagt Koppmann. Die alkoholfreien Biere würden meist wie die Originale auch nach dem Reinheitsgebot gebraut, also nur mit Wasser, Hopfen, Malz und Hefe. Bei der Gärung werde der Zucker im Malz von der Hefe in Alkohol und Kohlendioxid verwandelt. Im Grunde gibt es dann zwei Verfahren, um die alkoholfreien Biere zu bekommen: Die Gärung wird gestoppt, es bleibt viel Restzucker im Produkt übrig. „Das erinnert an Malzbier, mitunter ist es pappsüß.“
Oder: Das Bier wird herkömmlich gebraut, der Zucker in Alkohol umgewandelt. Der Alkohol wird dann entzogen – damit allerdings auch viele Aromastoffe. Bei einem „Bier mit schlankem Körper wie etwa Jever funktioniert das gut, bei anderen weniger“, sagt Koppmann. Darum würden die Verfahren oft kombiniert, es sei aber ein Betriebsgeheimnis.
Und was ist mit Restalkohol? „Alkoholfreie Biere dürfen bis zu 0,5 Volumenprozent Restalkohol enthalten“, so Koppmann. Das ist per Gesetz geregelt und bei manchen Fruchtsäften nicht anders. Dies hielten alle Biere im Test ein, viele hatten weniger. „Schwangere und Stillende sollten alkoholfreie Biere mit Restalkohol meiden, Sorten mit der Kennzeichnung 0,0-Volumenprozent sind aber okay. In diesen darf praktisch kein Restalkohol mehr enthalten sein.“
Vor allem nach dem Sport greifen viele gerne zum Alkoholfreien. Damit werde dem Körper zwar Flüssigkeit und Energie zugeführt, sagt Koppmann, „für Leistungssportler eignen sich isotonische Spezialgetränke aber besser“. Alkoholfreie Biere hätten zu wenig Natrium, um ausgeschwitztes Salz auszugleichen, und zu viel Kalium, was die Leistungsfähigkeit mindern könne.
Sein Tipp am Ende: „Trinken Sie Bier nicht zu kalt. Ideal sind sechs bis acht Grad Celsius. Das ergibt die beste Kombi aus Erfrischung und Geschmack.“