Führerschein bestanden? Bis dahin werden oft 3500 Euro oder mehr fällig. Für jungen Menschen und ihre Eltern sind diese Kosten immer schwerer zu schultern. © Holger Hollemann, dpa
Ein Autoführerschein ist inzwischen alles andere als günstig. Die Kosten liegen je nach Region bei 3500 Euro und mehr, allein seit 2020 sind sie um mehr als 40 Prozent gestiegen. Mit einer Reform will sie das Bundesverkehrsministerium wieder senken. Welche Ansatzpunkte es gibt und wie sich Experten zu den Plänen äußern.
■ Weniger Nacht- und Autobahnfahrten
Das Verkehrsministerium sieht unter anderem weniger Sonderfahrten als mögliche Maßnahme, etwa nachts oder auf Autobahnen. Die derzeitigen Anforderungen dafür seien überzogen, sagt Unfallforscher Siegfried Brockmann von der Björn-Steiger-Stiftung. Er fordert nur noch je eine Autobahn-, Nacht- und Überlandfahrt. Es sei auch denkbar, ergänzend Sonderfahrten im Simulator durchzuführen. Vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat heißt es: „Insbesondere das gefahrlose Überholen lässt sich effizient im Simulator trainieren“.
Kurt Bartels von der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände sieht das anders: Sonderfahrten deckten die Bereiche ab, in denen die meisten Unfälle passieren. Simulatoren könnten Sonderfahrten nicht ersetzen, sondern lediglich ergänzen. Sie seien mit der Realität nicht vergleichbar. Und: Systeme, die aus mehr als drei Bildschirmen und einem Schalthebel bestehen, würden schnell bei 60 000 bis 70 000 Euro liegen. „Die Gruppe der 18- bis 24-Jährigen hat das höchste Unfallrisiko“, sagt auch Unfallforscherin Kirstin Zeidler vom Gesamtverband der Versicherer. Die jungen Menschen seien risikobereiter und hätten weniger Fahrerfahrung als ältere. Es sei daher wichtig, die Anforderungen an die Fahrausbildung nicht zu senken. „Für echtes Fahrerleben sollten Prüfungsdauer oder Zahl der Sonderfahrten erhalten bleiben.“
Eine Mehrheit der erwachsenen Bevölkerung ist laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag des Auto Clubs Europa (ACE) ebenfalls offen für ergänzende Simulator-Fahrten, etwa um das Schalten zu üben.
■ Theorieprüfung soll leichter werden
Auch weniger Fragen in der Theorieprüfung und keine Pflicht für Präsenzunterricht mehr werden angedacht. Kirstin Zeidler vom Gesamtverband der Versicherer sagt, in der Theorieprüfung würden viele technische Themen abgefragt, die nicht unbedingt notwendig seien. Auch der Automobilclub von Deutschland hält eine „Entschlackung“ der rund 1.200 Fragen, aus denen in der Prüfung ausgewählt wird, für möglich.
Die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände spricht sich dagegen für Präsenzunterricht aus. Während Corona habe man festgestellt, dass Fahrschüler, die ihren Theorieunterricht online gemacht haben, einen höheren Ausbildungsbedarf bei Praxisfahrten gehabt hätten. Wichtig sei, dass Fahrschüler die Theoriestunden zügig und ohne größere Lernpausen absolvierten – das spare einerseits Fahrschulkosten und führe andererseits zu einer höheren Bestehensquote.
■ Absetzbarkeit der Kosten bei der Steuer
Laut der Forsa-Umfrage für den ACE sehen Erwachsene in Deutschland die meisten Änderungen ebenfalls kritisch. Für Sonderfahrten im Simulator oder eine Streichung von Sonderfahrten, kürzere Prüfungen oder einen Wegfall der Präsenzpflicht sprach sich keine Mehrheit aus. Auch die Fahrschullehrer haben andere Ideen: Sie schlagen vor, dass man den Führerschein als Ausbildungskosten von der Steuer absetzen können soll. Details sind aber offen: Viele Fahrschüler zahlen keine Steuern, weil sie in Schule oder Ausbildung sind. Und Eltern können Ausbildungskosten ihrer Kinder derzeit nur bis 1200 Euro pro Jahr anrechnen lassen. Der Auto Club Europa schlägt zudem einen einmaligen Mobilitätszuschuss vor, beispielsweise für 17-Jährige.
■ Begleitetes Fahren und Vorprüfungen
Sinnvoll seien außerdem mehr Möglichkeiten für Lernstandserhebungen, damit Schüler erst in eine Prüfung gehen, wenn sie diese wahrscheinlich bestehen. So könnten Kosten für eine teure Wiederholungsprüfung vermieden werden, sind sich Fahrlehrer Bartels und Unfallforscherin Zeidler einig. Auch für den Deutschen Verkehrssicherheitsrat ist das „der wirksamste Hebel für Kosteneinsparungen“. Der ADAC schlägt wiederum vor, begleitetes Fahren mit den Eltern während der Fahrausbildung zu ermöglichen. So würden Fahrschüler mehr Fahrpraxis erhalten, seltener durch die Praxisprüfung fallen und Kosten sparen.