Der beste Platz für Aktien

von Redaktion

Depots kann man inzwischen sogar einfach auf dem Handy führen. Die Gebühren schwanken aber stark. © IMAGO/Bernd Feil

Die Zahl der Wertpapier-Depots ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen – laut der Deutschen Bundesbank gab es im November 2025 bereits rund 38 Millionen Depots, etwa zehn Prozent mehr als im Vorjahr – bald jeder Zweite in Deutschland hat also eins. Wenn die Bundesregierung die „Frühstart-Rente“ einführt, wird die Zahl noch einmal steigen. Die staatliche Förderung von monatlich 10 Euro pro Kind soll in ein privates Depot eingezahlt werden. Es lohnt sich also, sich mit Wertpapier-Depots zu beschäftigen. Experten geben Tipps.

■ Eigenschaften

Depots dienen der Aufbewahrung von Wertpapieren wie Aktien, Fonds oder ETFs. Außerdem ermöglichen sie den Handel mit Wertpapieren, also ihren Kauf und Verkauf. Depots werden von traditionellen Banken, Online-Banken oder sogenannten Neobrokern, digitale Finanzdienstleister, angeboten. Egal wo das Depot liegt, die Kunden handeln meist selbstständig am Rechner oder in der App.

■ Depoteröffnung

Die Eröffnung eines digitalen Depots ist in wenigen Schritten gemacht. Das nötige Legitimierungsverfahren kann meistens online mithilfe des Personalausweises oder per Gang zur Post erledigt werden. Die weiteren Unterlagen kommen online, eine Freischalt-PIN per Post. Anschließend muss vom Girokonto Geld aufs Depotkonto überwiesen werden und der Handel kann beginnen.

■ Einlagensicherung

„Wertpapiere sind Sondervermögen und gehören rechtlich dem Anleger. Geht eine Bank oder ein Broker insolvent, sind die Wertpapiere davon nicht betroffen“, sagt Dajana Gillmaier, Expertin bei der FMH-Finanzberatung.

■ Wertpapier-Angebot

Depots unterscheiden sich hinsichtlich mehrerer Kriterien: „Nicht alle Depots bieten die gleichen Wertpapiere an“, sagt Stefan Fischer, Finanzexperte von Stiftung Warentest. Wer bestimmte ETFs im Auge hat, sollte vor Eröffnung seines Depots prüfen, ob das gewünschte Papier bei dem Anbieter gehandelt wird. Auch die Handelsplätze sind nicht dieselben. Ein kürzlicher Vergleich von Online-Depots durch Stiftung Warentest zeigt, dass die Zahl der angebotenen Handelsplätze zwischen einem einzigen und 13 schwankt. Eine größere Zahl an Handelsplätzen kann vorteilhaft sein, weil die Kosten für Wertpapiere nicht überall gleich sind, auch die Handelsplatzentgelte unterscheiden sich. Außerdem sind die Produkte bei Online-Depots nicht identisch: „In manchen Depots ist der Kauf mancher Anleihen, Fonds oder Krypto-Werten oder die Anlage von Sparplänen nicht möglich“, sagt Fischer.

■ Kosten

Für den Verbraucher sind die Kosten von Depots der augenfälligste Unterschied. Neobroker werben damit, dass sie besonders günstig sind – sowohl beim Kauf von Wertpapieren, als auch bei den Verwahrkosten pro Jahr. Bei anderen Anbietern ist entweder das eine oder das andere ganz oder nahezu kostenfrei. Aber wonach entscheiden? Gillmaier empfiehlt, das eigene Verhalten einzuschätzen: „Bin ich jemand der viel handelt? Dann sollte ich ein Depot nehmen, das geringe Gebühren beim Kauf und Verkauf von Wertpapieren erhebt“, sagt sie.

Orderkosten werden als Fixsumme pro Order, etwa 1 Euro bei Joe Broker, oder als prozentuale Summe, 0,25 Prozent bei Maxblue, oder als Kombination von beidem, 0,25 Prozent plus 4,90 Euro bei Comdirect, erhoben. Bei 0,25 Prozent Orderkosten müssten auf 1000 Euro Kaufsumme 2,50 Euro an die Depotbank abgeführt werden. Die Verwahrkosten pro Jahr liegen nach der Stiftung Warentest-Untersuchung zwischen null und über 300 Euro. „Beim Angebot von Beratung durch eine Bank sind die Kosten automatisch höher, weil hierfür kompetentes Personal vorhanden sein muss“, sagt Gillmaier.

■ Sparpläne

Für die Ausführung von Sparplänen werden zwischen null und 2,5 Prozent Kostenanteil bzw. zwischen 1,50 Euro und maximal 14,90 Euro pro Abbuchung erhoben. Bei einem monatlichen Sparplan fällt das auf Dauer ins Gewicht. Einige Depot-Banken bieten keine Sparpläne an. Darauf sollte beim Eröffnen des Depots geachtet werden.

■ Sonderfall Neobroker

Angesichts von null Euro sowohl für Handel, als auch für die Verwahrung, könnte die Entscheidung schnell für einen Neobroker fallen. Die Experten informieren, dass es versteckte Kosten gibt. „Diese Broker bekommen meist Prämien von Handelsplätzen, wenn sie die Kunden dort hinbringen“, sagt Gillmaier. Fischer sieht die Gefahr von Interessenkonflikten. „Der Gedanke liegt nahe, dass Broker Aufträge dorthin leiten, wo sie am meisten dafür bekommen“, sagt er. Für Anleger wären das nicht unbedingt die besten Deals. Es gäbe allerdings keine eindeutigen Belege für nachteilige Orders.

■ Schlechter Service

Die Schlichtungsstelle der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) erklärte in ihrem Tätigkeitsbericht für 2025 kürzlich, dass sie weiterhin viele Beschwerden über Neobroker erhalten habe. „Diese betrafen vor allem das Wertpapiergeschäft, insbesondere die Depotführung“, heißt es dort. Im Mittelpunkt hätten Probleme bei Depotüberträgen, wie nicht ausgeführte Aufträge oder lange Bearbeitungszeiten gestanden. Zudem hätten Kunden kritisiert, dass Anschaffungsdaten von Wertpapieren fehlten und es Fehler beim Steuerabzug bei Dividenden oder Verkaufserlösen gab.

Ein weiterer Nachteil ist mangelhafter Service – telefonischen Kundenservice gibt es oft nicht. Antworten per E-Mail kommen spät oder gar nicht. „Wenn es Probleme gibt, kann das unangenehm werden“, sagt Fischer. Ein Anleger wandte sich an die Tester, der einen Anwalt eingeschaltet hat, weil seine Beschwerde von einem Neobroker nicht beantwortet wurde. Dem Anleger war durch eine falsche Steuerberechnung ein Schaden in vierstelliger Höhe entstanden.

■ Neue Gesetzgebung

Ab dem Sommer, genau ab dem 30. Juni, sind provisionsgestützte Angebote nicht mehr erlaubt, regelt eine neue EU-Verordnung. „Die Neobroker dürften dann eine neue Kostenstruktur einführen“, sagt Gillmaier. Das können dann etwa höhere Gebühren sein.

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