Steuer mit nur einem Klick

von Redaktion

Die App „Mein Elster+“ braucht man für die 1-Klick-Steuer. Für sie benötigt man ein Elster-Zertifikat, das man im Elster-Portal beantragen kann. Hat man keinen smarten Ausweis, kommt die Aktivierung per Post. © IMAGO/Rüdiger Wölk

Das Ende der Steuer-Grübelei? Die automatisch erstellte Steuererklärung soll einfach und unkompliziert sein. Wer Steuern sparen will, muss dennoch selbst Hand anlegen. © IMAGO

Die Steuer „einfach, sicher, unkompliziert und direkt vom Smartphone aus erledigen“? Laut Bayerns Finanzminister Albert Füracker (CSU) geht das für viele Steuerpflichtige ab diesem Jahr. Basis dafür ist das Steuerprogramm Elster. Auf dessen Grundlage soll in der App „Mein Elster+“ eine neue Funktion starten, mit der die Steuer laut Füracker „mit einem Klick“ erledigt werden kann.

„Einfacher geht Steuer nicht – schnell, transparent und ohne Kosten für die Nutzerinnen und Nutzer“, so der bayerische Minister. Bayern hatte die Funktion im Auftrag von Bund und Ländern entwickelt und programmiert, sie steht in allen Bundesländern zur Verfügung. Doch für wen eignet sich die neue App? Und macht sie kostenpflichtige Steuerprogramme überflüssig?

■ Start ab Juli für Rentner und Alleinstehende

Die neue Funktion wird zunächst nicht für alle Steuerpflichtigen in Deutschland verfügbar sein, sondern nur für ledige, kinderlose Arbeitnehmer sowie Bezieher von Alterseinkünften – also für Rentner, Studenten sowie alleinstehende Angestellte. Darunter fallen laut Finanzministerium immerhin rund 11,5 Millionen Menschen in Deutschland. Hintergedanke ist wohl, die automatische Steuer erst bei Personen zu testen, deren Steuererklärung in der Regel nicht so kompliziert ist. Danach soll der berechtigte Personenkreis weiter ausgedehnt werden. Wer die Funktion nutzen möchte, kann sie ab 31. März in der App „Mein Elster+“ freischalten lassen. Ab 1. Juli soll sie dann zur Verfügung stehen.

■ Steuererklärung wird automatisch erstellt

Ab Juli soll die App-Funktion automatisch eine vorausgefüllte Steuererklärung erstellen und diese auf das Smartphone der Nutzerinnen und Nutzer schicken. Darin sollen dann alle Daten enthalten sein, die den Finanzbehörden vorliegen – unter anderem der Lohnsteuerbescheid, Lohnersatzleistungen wie Kranken- oder Elterngeld sowie Rentenbezüge. Auch eine Vorschau auf den Steuerbescheid wird es geben. Dort steht, wie viel Geld man zurückbekommt oder wie viel man nachzahlen muss. Ist man damit einverstanden, kann man dem Steuerbescheid zustimmen und die Steuererklärung sofort mit einem Klick absenden. Man kann sie zuvor aber auch noch bearbeiten und zum Beispiel Ausgaben wie Werbungskosten oder die Pendlerpauschale hinzufügen und entsprechende Dokumente hochladen.

■ Verbraucherschützer warnen vor App

Verbraucherschützer sehen die neue Funktion allerdings skeptisch. Wer vorschnell der automatisch generierten Steuererklärung zustimme, verschenke Geld an den Fiskus. „Die Steuererklärung bietet für viele Steuerpflichtige die Chance, Geld vom Staat zurückzuholen. Diese sollte man sich nicht entgehen lassen“, sagte Tobias Gerauer, Vorstand der Lohnsteuerhilfe Bayern. Ähnlich sieht es Jörg Leine von „Finanztip“: „Durch die 1-Klick-Option ist die Verlockung groß, die Steuererklärung wirklich einfach direkt abzuschicken.“ Das Problem: Steuersenkende Ausgaben wie die Pendlerpauschale, Werbungskosten oder hohe Gesundheitsausgaben und Handwerkerrechnungen seien dann nicht in der Steuererklärung enthalten, sofern sie nicht händisch nachgetragen wurden. Denn das Finanzamt kenne diese Ausgaben schlicht nicht. Im Schnitt spare man durch solche Posten aber über 1000 Euro Steuer pro Jahr, so Leine.

■ Steuerprogramme geben Spartipps

Steuerexperte Leine rät deshalb weiter dazu, kostenpflichtige Steuerapps zu nutzen. „Finanztip“ empfiehlt das kostenlose Steuerprogramm „Check 24 Steuer“ und „Wiso Steuer“ für 35,99 Euro pro Jahr – die Ausgaben dafür kann man von der Steuer absetzen. Auch diese Programme erfassen Daten wie den Lohnsteuerbescheid oder Renten längst automatisch vom Finanzamt. Gegenüber der automatisierten Steuer in der Elster-App haben sie aber Vorteile, so Leine: Für die Programme brauche man nicht zwingend ein Elster-Zertifikat. Vor allem geben sie aber wertvolle Tipps, welche Ausgaben und Kosten man in der Erklärung noch geltend machen kann, um Steuern zu sparen.

Artikel 6 von 6