Geldanlage in Krisenzeiten

von Redaktion

Turbulenzen an der Wall Street: Seit dem Angriff Israels und der USA auf den Iran herrscht weltweit Unruhe an den Börsen. © JOHN ANGELILLO, IMAGO

Angesichts der Spannungen zwischen den USA und dem Iran sind die Preise für Rohöl gestern wieder gestiegen. Die Nordseesorte Brent mit Lieferung im Juni ging mit einem Kurs von knapp 97 US-Dollar in die Handelswoche und war damit über sieben Prozent teurer als in der vergangenen Woche. Ende Februar lag der Preis für ein Barrel Brent noch bei unter 70 Dollar. Das hinterlässt Spuren am Aktienmarkt: Der Dax rutschte gestern zum Handelsstart rund 1,5 Prozent ins Minus. Wer sein Geld in Aktien-ETFs investiert hat, also in Anlageprodukte, die den Kursverlauf von Aktienindizes nachzeichnen, kann die Folgen der Ölkrise täglich im Depot beobachten. Die Stiftung Warentest warnt aber vor Kurzschlussreaktionen und rät zur Umsetzung krisensicherer Strategien. „Strategien bieten klare Regeln, die Anlegern helfen, auch in üblen Phasen rational zu bleiben und keine emotionalen Fehlentscheidungen zu treffen.“

■ Ruhe bewahren

„Der übliche Ratschlag in Krisenzeiten lautet: Ruhe bewahren“, so die Experten. „Wer noch genügend Zeit und die Nerven hat, auch längere Durststrecken durchzustehen, kann seine Aktien-ETF einfach halten.“ Die Rede ist von der „Buy-and-hold“-Methode, also kau-fen und halten. Vorteil: Sie bietet laut Stiftung Warentest hohe Renditechancen, sie ist einfach umsetzbar und verursacht geringe Kosten. Nachteil: Auch die Risiken sind vergleichsweise hoch. „Es kann zu hohen Verlusten und jahrelangen Verlustphasen kommen.“ Es sei daher eine Methode für diejenigen, die lange Zeit haben und bereit sind, hohe Risiken einzugehen.

Der Wirtschaftswissenschaftler Hartmut Walz von der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft in Ludwigshafen sagt dennoch: „Das ist eine Strategie, die man Aktienanlegern durchaus empfehlen kann.“

■ „Pantoffel-Portfolio“

Wer Risiken abWfedern will, dem empfiehlt die Stiftung Warentest den Nachbau des von ihr entwickelten „Pantoffel-Portfolios“. Dafür benötigen Anleger zwar mehr Zeit, aber am Ende heißt es: Beine hochlegen, die Krise schlägt im eigenen Depot nicht voll durch. Die Anlagesumme wird dazu zweigeteilt: in einen Aktien-Baustein und in einen Zins-Baustein. Wer nicht weiß, wie das Verhältnis aus Aktien und Zinsen sein soll, dem empfiehlt die Stiftung Warentest. 50 Prozent in Aktien, 50 Prozent in sichere Zinsanlagen.

Konkret sieht das so aus: Die eine Hälfte des Geldes wird beispielsweise in einen ETF auf den Weltindex MSCI World investiert, denkbar ist auch die Beimischung weiterer ETFs. Die zweite Hälfte wird sicher angelegt, denkbar ist etwa ein Mix aus Tagesgeld und Festgeld, auch ETFs auf Staats- und Unternehmensanleihen können beigemischt werden.

Vorteil dieser Strategie: Sie ist laut Stiftung Warentest verständlich und leicht umsetzbar, das Risiko ist geringer als bei der „Buy-and-hold-Methode“. Nachteil: Die Renditechancen sind bei dieser Strategie nicht ganz so hoch, ein Nachjustieren der Bausteine kann erforderlich sein. Diese Methode sei daher geeignet für alle, „die gern ruhig schlafen, wenig Aufwand betreiben, nicht voll auf Aktien setzen wollen“, so die Stiftung Warentest.

Finanz-Experte Hartmut Walz sieht das differenzierter: Er sagt, es hänge vom Anlagehorizont ab, inwieweit sich eine solche Strategie lohne. „Gerade für junge Anleger mit einem langen Anlegehorizont empfiehlt sich eigentlich ein maximal hoher Anteil an Aktien, da ein hoher Zinsanteil die Aussicht auf Rendite nehmen würde.“ Er sagt aber auch: „Es gibt immer noch Sparer in Deutschland, die ihr Geld lieber auf dem Sparbuch liegen lassen. Wenn die ,Pantoffel-Strategie‘ diese vorsichtigen Sparer dazu bringt, ihr Geld überhaupt in Aktien anzulegen, dann ist gegen diese Strategie nichts einzuwenden.“

■ Sicherungsstrategie

Eine weitere Möglichkeit, extreme Kursschwankungen auszugleichen, sieht die Stiftung Warentest in Absicherungsstrategien. Die Idee: „Je nach Marktlage wird der Aktien-Anteil zeitweilig reduziert oder wieder erhöht.“ Ein Beispiel: Bei Erreichen einer festgelegten Verlustschwelle – zum Beispiel 20 Prozent vom jüngsten Hoch – wird ein Teil der Anlagesumme in sichere Anlagen wie Tagesgeld umgeschichtet. Der Wiedereinstieg erfolgt während des Crashs – zum Beispiel bei minus 50 Prozent zum Höchststand. Laut Berechnungen der Stiftung Warentest verspricht diese Strategie die beste Rendite bei geringstem Risiko. Die Nachteile verschweigt die Stiftung Warentest nicht: Die Strategie ist demnach komplex und erfordert eine kontinuierliche Beobachtung der Märkte, Gebühren können anfallen.

Hartmut Walz kritisiert diesen Ansatz aus anderen Gründen. „Durch aktives Management können Gewinne anfallen, auf die Steuern fällig werden“, sagt er. Darüber hinaus bemängelt er: „Das Risiko zu minimieren und gleichzeitig die Chancen zu erhöhen – das ist grob unwissenschaftlich.“ Die Stiftung Warentest entgegnet, es gehe vor allem um die Risikoreduktion. Bei einer konsequenten Anwendung dieser Strategie bestehe während eines Crashs die Chance, besser zu performen. Zielgruppe dieser Idee seien Anleger, die bei einem Einbruch der Aktienmärkte dazu neigen, vorschnell zu verkaufen. In einer Sache dürfte aber Einigkeit bestehen: Mit einem bequemen „Pantoffel-Portfolio“ hat eine solche selbst gemanagte Sicherungsstrategie nicht mehr viel zu tun.

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