DIE BÖRSENWOCHE

Deutschland arbeitet sich hoch

von Redaktion

Der Dax schlägt sich wacker. Viele Konjunkturdaten aus Deutschland sind besser als erwartet. © Andreas Arnold/dpa

Die deutsche Wirtschaft wächst wieder, trotz der vielen Schlagzeilen vom angeblich unaufhaltsamen Abstieg. Dabei scheint es viele Gründe zu geben, pessimistisch zu sein: verteuerte Ölimporte, leere Gasspeicher, der Handelskonflikt mit den Vereinigten Staaten, Konkurrenz aus China, Stellenabbau in der Autoindustrie und schlechte Umfragewerte der Regierung. Doch gerade deshalb verdient Beachtung, was sich unter der Oberfläche verändert.

Einen ersten Hinweis liefert das Bruttoinlandsprodukt. Im zweiten Quartal 2026 stieg die Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal; die erste Schätzung von 0,2 Prozent wurde gerade nach oben korrigiert. Das klingt bescheiden, ist aber leicht misszuverstehen. In Europa werden Quartalsraten nicht auf ein Jahr hochgerechnet. Nach amerikanischer Darstellung entspräche das deutsche Plus rund 1,2 Prozent. Die Vereinigten Staaten kamen im zweiten Quartal auf annualisierte 1,5 Prozent. Der Abstand ist also weit kleiner, als die üblichen Schlagzeilen vermuten lassen.

Allerdings taugen BIP-Zahlen nur bedingt als Kompass für die Gegenwart. Sie erscheinen spät und blicken in den Rückspiegel. Aussagekräftiger ist das Mosaik der Frühindikatoren. Seit dem Tief im September 2025 ziehen die Industrieaufträge wieder an, mit der stärksten Dynamik seit Mitte der vergangenen Dekade. Auch der Trend im Bausektor weist wieder nach oben.

Hinzu kommen Indikatoren, die die Stimmung im Unternehmenssektor abbilden, wie zum Beispiel das ifo-Geschäftsklima, die ebenfalls nach oben zeigen. Zusammengenommen ergibt sich ein konsistentes Bild: Die Industrie arbeitet sich aus ihrem Tief, der Bau stabilisiert sich, und die Stimmung der Unternehmen verbessert sich. Auch die Finanzmärkte haben diese Entwicklung registriert. Die Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar um zwei Cent seit Juli dürfte kein Zufall sein.

Das ist noch kein Boom. Hohe Energiepreise, geopolitische Risiken und der Umbau der Autoindustrie bleiben real. Zudem verdanken wir den Aufschwung zu einem signifikanten Teil den steigenden staatlichen Ausgaben, die die Nachfrage stützen. Wichtig ist nun, dass durch Reformen auch die Angebotsseite gestärkt wird. Das Maßnahmenpaket der Bundesregierung stimmt dabei zuversichtlich: eine Rentenreform, mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt und weniger Bürokratie.

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