Naturtöne von erhabener Schönheit

von Redaktion

Sinfonisches Konzert des Orchesters der „Collegia-Musica-Chiemgau“ im Rosenheimer Kultur- und Kongress-Zentrum

Wasserburg – Eine Welturaufführung erlebte das leider nicht sehr zahlreich erschienene Publikum im Kultur- und Kongresszentrum mit dem „Capriccio für Alphorn und Orchester“ von Komponist Rainer Bartesch, der auch den Solopart spielte. Unter dem Motto „Alles Beethoven… oder was?“ präsentierte die „Collegia-Musica-Chiemgau“ weniger bekannte Werke aus der Zeit der Klassik und Romantik. Schwungvoll und beherzt dirigiert wurde das Konzert von Elke Burkert, der Gründerin des Orchesters. Das abwechslungsreiche Programm des Benefizkonzerts moderierte Horant H. Hohlfeld.

Unter den Komponisten des 19. Jahrhunderts gibt es, wie Hohlfeld erklärte, viele große, aber auch eine Fülle von kleinen Sternen. So spielte das Orchester zunächst die „Konzertouvertüre Nr. 1 in e-Moll“ von Louise Farrenc, ein an Beethoven orientiertes Werk, dessen Ernst, Klangfülle und melodische Farbigkeit in einem effektvollen Schluss gipfelte. In Max Bruchs „Adagio nach keltischen Motiven für Violoncello“ verzauberte Cellistin Monika Gaggia das Publikum mit ihrem sehnsuchtsvoll sonoren, elegisch samtenen Ton. Die Melodien uralter englischer und irischer Volkstänze schufen eine Atmosphäre von Wehmut und Verklärtheit. Die webenden, wogenden Streicher standen zum Cello immer wieder in einem zarten, träumerischen Dialog.

Neckische Verspieltheit mit gleichsam hüpfenden Streichern und eine von den Flöten zum Erklingen gebrachte kindlich naive Melodik kennzeichneten die „Dream children op. 43“ von Edvard Elgar. Effektvoll wirbelten die Trommeln und spielten die Geigen mit nachzitterndem Bogen, der so genannten Ricochet-Technik in Johan Halvorsens „Tanzszene aus Königin Tamara“, einer Oper, die man laut Grieg mit Ausnahme dieser fremdartig orientalisch anmutenden Szene getrost vergessen könne.

Das „Capriccio für Alphorn und Orchester“ von Rainer Bartesch mit langsam auf- und absteigenden harmonischen Tonfolgen des volkstümlichen Blasinstruments erinnerte mal an Passagen aus „Spiel mir das Lied vom Tod“, mal mit der getragen-feierlichen Fanfare an Bruckners Hornruf aus der „Romantischen“. Bartesch, zugleich Komponist und Solist, entlockte dem Alphorn Naturtöne von erhabener Schönheit, die vom Orchester mit kraftvollen Rhythmen respektvoll begleitet wurden.

Nach Max Bruchs melodramatischer „Loreley“-Ouvertüre mit klangsatt fließenden Streichern ertönte die fröhlich-sehnsuchtsvolle, leidenschaftliche „Heimkehr aus der Fremde“ des erst 20-jährigen Mendelssohn. Schlachtengetümmel, Kanonenschläge und Siegeshymnen von „Wellingtons Sieg oder die Schlacht bei Vittoria“ op. 91, einem damals sehr populären Werk von Beethoven, setzte das Orchester derart wirkungsvoll um, dass man sich den Hergang der Schlacht lebhaft vorstellen konnte. Ein fröhlicher, sich orgiastisch steigernder mexikanischer Tanz von Jose Pablo Moncayo mit zarten Harfeneinlagen beendete ein umjubeltes Konzert, das die Musiker mit Elgars Ohrwurm „Nimrod“ aus den“ Enigma-Variationen“ glanzvoll krönten.

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