Sanftmut und zupackende Rhythmik

von Redaktion

Sirius Quartet gastiert bei Jazz am Roseneck in Prien

Prien – Ein Unglück kommt selten allein: Erst kam die Haltung der US-Regierung dem Auftritt des international zusammengesetzten Sirius Quartets bei Jazz am Roseneck in die Quere. Ein anderer Geiger musste her. Statt Fung Chern Hwei kam nun Josh Henderson als vierter Mann dazu.

Die vier Musiker hatten schon des Öfteren gemeinsame Auftritte, sodass einem beglückenden Abend nichts entgegenstehe, versprach Gregor Hübner. Er war eigenständig angereist und legte erst einmal einen Solo-Auftritt hin.

Auf der
Autobahn im Stau

Denn seine drei Kollegen – Josh Henderson, Sunjay Jayaram (Viola) und Jeremy Harman (Cello) – steckten den ganzen Tag staubedingt auf der A8 von Baden-Württemberg bis an den Chiemsee fest. War aber insofern nicht weiter schlimm, denn die Fantasie aus „Round about Federico Mompou“ war auch als Solo-Version mit dem virtuos aufspielenden Hübner verzaubernd. Das verspätet eintreffende Trio schwang sich bei den letzten Tönen ein und legte dann als Quartett mit „Echo Chambers“, „Sahasranamam“ und „Between impulses“ aus dem kürzlich erschienen Album „Incantations“ (Beschwörungen) los. Das war neue Musik, progressiv, kraftvoll, nicht „nur“ schräg, aber auch nicht zu eingängig. Jazztongebung und intonationsreines Streicherklangideal möchte man meinen, gehen nicht zusammen. Aber für das New Yorker Sirius Quartet um den Stuttgarter Geiger Gregor Hübner kein Problem, zu virtuos sind die Mitspieler. Durchgängig von den Mitgliedern des Quartetts komponiert. Dabei schimmerten die verschiedensten Genres durch, in erster Linie Klassik, aber auch Neue Musik, Minimalismus und Jazz Avantgarde. „Chant pour l’ile Gorée“ entführte in den Senegal, Wellenschlag und Sufi-Melodien inklusive. Das dreiteilige „Rage“ war politisches Statement: Die Stücke „Aleppo, Shut it down (Black live matters)“ und „Magutny Botha“ (ein belarussisches Volkslied)“ verknüpften sich in Melodieformen mit dem Wunsch nach einem friedlichen Miteinander. „At Sea“ war Melancholie pur, während das Quartett zum Finale ein großes Feuerwerk mit „Get in Line“ abfeuerte. Was für eine Vielfalt: Da war es Sanftmut und dann wieder zupackende Rhythmik, Melancholie wechselte sich mit freudvollen Melodien ab, souveräne Pizzicato-Passagen mit kraftvollem Strich, großartige Präzision mit Improvisationskunst.

Beatles-Song
als Zugabe

Als Zugabe gab es noch einen Beatles-Song: Die Kernmelodie von „Eleanor Rigby“ klang immer wieder durch, und doch erfuhr der Song mit seinen Abbiegungen in den Jazz und zeitgenössischer Musik erfrischende Energie. Jazz und Streichquartett – geht voll in Ordnung.

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