Neubeuern – „Ich wünsche Ihnen eine erholsame Sommerpause, egal, ob Sie exotische Orte oder vertraute heimische Bergpanoramen anschauen. Musikalisch wünsche ich Ihnen viel Neugier.“ Mit diesen Worten begrüßte der künstlerische Leiter der Neubeurer Schlosskonzerte das Publikum zum letzten Konzert der Saison. Herbert Schuch ist ein Wagnis eingegangen, denn wohl zum ersten Mal überhaupt standen in Neubeuern Kompositionen für Saxofon auf dem Programm. Das Wagnis ist mehr als geglückt. Für ihr exzellentes Spiel erhielten Saxofonistin Asya Fateyeva und Herbert Schuch am Klavier vom Publikum anhaltenden und begeisterten Applaus.
Saxofon spielt
Debussy und Brahms
In der Vorstellung verbindet man mit dem Saxofon eher Jazzmusik. Während der Nazizeit war das Instrument in der Propaganda ein Symbol für sogenannte entartete Musik. Vielleicht sei das die Erklärung dafür, so Asya Fateyeva, warum das Saxofon lange Zeit nicht gespielt wurde. Dabei habe es das Instrument schon 50 Jahre vor Brahms gegeben.
Asya Fateyeva, die die Stücke mit lächelndem Charme einführte, spielte zunächst auf dem Sopransaxofon mit Schuch am Klavier die „Première Rhapsodie“ von Claude Debussy. Mal sanft fließend voller träumerischer Melodik und Farbigkeit, mal keck und ungestüm mit virtuos-lebhaften Passagen, ergriff die Komposition bis zum letzten Takt. Der volle, strahlende Klang des Saxofons bildete zum perlenden Klavier einen berückenden Kontrast.
Die f-Moll-Sonate von Johannes Brahms für Klarinette und Klavier op. 120/1 war ein weiterer Glanzpunkt des Abends. Mit weichem und klarem Ton füllte das Altsaxofon den Saal, vom Klavier in dialogischem Wechsel klangsinnlich begleitet. Im Allegro appassionato dominierte eine prägnante Rhythmik mit heftigen Ausbrüchen, die Altsaxofon und Klavier kraftvoll und feurig zu Gehör brachten.
Kantablen Wohlklang mit weit ausgespannten Melodiebögen kennzeichnete das Andante un poco Adagio. Graziös und empfindungsvoll klang in diesem Satz das Saxofon, innig und sanft das Klavier.
Tänzerisch verspielt leitete das Allegretto grazioso von der verträumten Stimmung des langsamen Satzes zum Finale über. Fröhlichkeit und Unbeschwertheit besaß das Vivace mit seinem kunstvollen Rondo, das Asya Fateyeva und Schuch mit Schwung und Leidenschaft interpretierten.
Jazzig wurde es nach der Pause mit Erwin Schulhoffs Hot-Sonate für Saxofon und Klavier. Die Jazzelemente hat der Komponist in die Strukturen der klassischen Sonatenform integriert, ohne dass die Komposition dadurch ihren Jazzcharakter einbüßt. Die vier kurzen, schwierig zu spielenden Stücke wirkten oft wild und zerklüftet. Das Klavier erzeugte mitunter metallisch harte Klangeffekte, das Saxofon tönte weich oder hart, laut und expressiv, bisweilen aber auch zurückhaltend. Die tänzerischen Rhythmen animierten immer wieder zum Mitwippen im Takt.
Aberwitziger
Schlagabtausch
Folkloristischen Zauber riefen die „Dance Prèludes“ von Witold Lutoslawski hervor. Zwei stark motorische schnelle Sätze, unmittelbar an Bartók erinnernd, bildeten den Rahmen. Im Zentrum stand ein Allegro giocoso, das seinen Humor aus dem aberwitzigen Schlagabtausch der Instrumente gewinnt. Zwischen den schnellen Teilen vermittelten zwei idyllische Andantes, das erste im wiegenden Rhythmus einer Pastorale, das zweite getragen von einer expressiven Melodie des Saxofons. Asya Fateyeva und Herbert Schuch spielten das fünfsätzige Werk ausdrucksstark und mit elektrisierender Leidenschaft.
Den Abschluss machte die Sonate für Klarinette und Klavier von Francis Poulenc. Mal sinnend und ernst in der lyrischen Romanza, mal übermütig und fröhlich im Finale, erhielt das Stück durch Pfeiftöne eines Hörgerätes und das Klingeln eines Handys zusätzlich eine besondere Note. Als Zugabe für den enthusiastischen Beifall spielte das sympathische Duo noch einmal das fetzige Allegro giocoso von Lutoslawski.