Immenser Reichtum an Klangfarben

Tief im Klang versunken: Francesco Piemontesi im Spiel. Foto SCHEFFOLD MEDIA

Tief im Klang versunken: Francesco Piemontesi im Spiel. Foto SCHEFFOLD MEDIA

Francesco Piemontesi glänzt in Matinee

Erl – Die Tiroler Festspiele Erl hatten heuer unter anderem mit Bruckners 3. Symphonie begonnen. Für die darauffolgende Matinee hatte Chefdirigent Asher Fisch diese Symphonie nochmal aufs Programm gesetzt – entweder um sie noch mehr Zuhörern hörbar zu machen oder um sie im Orchester zu festigen. Letzteres ist ihm gelungen. Sehr geschlossen war der Orchesterklang und selbstverständlicher die Gestaltung: Wer Wagner spielt, muss auch Bruckner spielen können, gilt diese Symphonie doch auch als „Wagner-Symphonie“. Noch etwas unerbittlicher war der stampfende Rhythmus des Scherzos und noch etwas tanzbodenlustiger der Landler im Trio, noch mehr dramatische Schärfe hatte das Finale und strahlender war die Schluss-Apotheose. Nur die für Bruckner so typischen Triolen waren immer ein bisschen zu schnell. Dafür überzeugten wieder die hervorragenden Blechbläser.

Pianist setzt einen Glanzpunkt


Doch der Glanzpunkt des Konzerts war vorher: Der schweizerische Pianist Francesco Piemontesi spielte Mozarts Klavierkonzert in C-Dur KV 503. Obwohl er erst nach der langen Orchester-Einleitung drankam, fügte er sich nahtlos ins Orchester ein, übernahm aber dann sofort unmerklich die Führung, auch körperlich sichtbar, so riss ihn die Musik hin. Aus dem Fazioli-Flügel holte er eine enorme Fülle von Klangfarben und so viel Obertonglanz heraus, dass manche Hörgeräte mit Pfeifen reagierten. Ein dramatischer Zugriff auch in den zahlreichen Figurenketten und viel vibrierendes Temperament charakterisierten sein Spiel: Mozart zeigte sich hier auch im Klavierkonzert als Bühnenkomponist. Bestens verstand Piemontesi sich mit dem Dirigenten und dem Orchester, manchmal schien er mitzudirigieren. Simple Dreiklänge im Adagio gerieten ihm fast philosophisch, großartig waren die Gesangsfülle und Detailbelebung sowie die Eleganz und Spritzigkeit in der Gestaltung auch der kleinsten musikalischen Phrasen – etwas, was das Orchester von ihm hätte lernen können. Elastische Gespanntheit und mitreißendes musikantisches Spiel prägten dann das Rondo-Finale. Begeisterter Jubel war dem sympathisch auftretenden Pianisten sicher. Sein Dank bestand aus dem Adagio der Klaviersonate KV 332, sehr schön singend, tief empfindend und mit lächelnder Innigkeit dargeboten. RAINER W. JANKA

Samstag, 11. Juli 2026
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