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Die Erde zum Leuchten gebracht

Die besondere Oberflächenstruktur der Bilder entsteht durch das Trocknen der Zellulose. Ute Bößwetter

Die besondere Oberflächenstruktur der Bilder entsteht durch das Trocknen der Zellulose. Ute Bößwetter

Helmut Dirnaichner zeigt seine Bilder aus gemahlenen Steinen in der Villa Maria

Ute Bößwetter

Bad Aibling – Poetisch der Titel „Das Licht der Erde“, gradlinig die Arbeiten, aber die Herstellungsweise ist eine ganz besondere. Der Künstler Helmut Dirnaichner gestaltet Bilder, gleich welchen Formats, ohne Verwendung von kommerziell erworbenen Farben.

Seine persönliche Herstellung der Farben mag manchmal kraftzehrend sein. Er zermahlt mit der Hand jedwedes Gestein zu feinem Sand, gleichgültig, ob edel und teuer erworben oder an Flussrändern gefundene Kiesel. Dies ist dann die Grundsubstanz zur Gewinnung einer Paste, die, mit Zellulose vermischt, das Material für seine Gemälde bildet.

Die von ihm kreierte Masse streicht er glatt – wieder ein schöpferischer Akt mit seinen Händen. Dabei hat er aus Schwerem etwas Leichtes geschaffen. Und ohne die Masse auf einen Bildträger zu transferieren, lässt er sie trocknen und setzt sie in einen Rahmen. Die Zellulose ergibt die Oberflächenstruktur, die zermahlenen Steine die Farbe. Und was für Farben – intensiv, manchmal glühend, mit kleinen reflektierenden Partikeln versehen – strahlen sie aktuell dem Betrachter von den Wänden der Galerie Villa Maria entgegen.

Die Oberflächenstruktur hingegen erinnert an raue Textilien, uneben, leicht zerklüftet, an den Rändern ausgefranst, sehr lebendig. Als Grundmaterial dienen dem Künstler Lapislazuli, weißer Marmor, Sumpferde, Vulkanasche, Zinnober, Jaspis oder Malachit.

Sein Interesse an Steinen und Erde begleitet ihn seit seiner frühen Kindheit, als der gebürtige Kolbermoorer, Steine und Erden in der nahegelegenen Filze sammelte und spielerisch damit umging. Aus diesem engen Naturbezug entstand eine Beschäftigung, die ein Leben lang anhielt und noch fortdauert. Und so leuchten von den Wänden intensiv blaue Werke, satte Rottöne, lebendiges Grün von eindringlicher Farbigkeit, aber auch lebendig wirkende schwarze Werke, und sie lösen in dem Betrachter mancherlei Emotionen aus.

Die Formen der Bildinhalte sind zumeist geometrisch, Quadrate und Rechtecke ergeben das Bild. Aber es gibt auch lanzetten- oder sichelförmige Darstellungen. Einige Arbeiten leben nur von ihrer intensiven Farbe, andere von einer Komposition aus mehreren Tönungen.

Alle Werke sprechen eine lebendige Sprache. So macht er für uns sichtbar, was zu unseren Füßen liegt und transformiert es in Kunst. 43 seiner Werke sind in der Villa Maria zu sehen, und statt der sonst üblichen Titel trägt jedes Bild den Namen des Gesteins, aus dem es geschaffen wurde.

Nach Dirnaichners Studium an der Akademie der Bildenden Künste folgten Ausstellungen und Stipendien im In- und Ausland, besonders ein längerer Aufenthalt in Mexiko hat den Künstler geprägt. Galerist Ernst Geyer formulierte seine Überlegungen wie folgt: „Aus hartem Gestein wird eine fragile Oberfläche, aus Materie wird Farbe, aus Schwere wird Leichtigkeit. Und aus Erde wird Licht“.

Bis 25. Oktober

Freitag, 2. Oktober 2026
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