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Wenn Wort zu Klang wird

Locker verstreut stehen die Sänger um den Altar: Jede Stimme zählt einzeln. Rainer W. Janka

Locker verstreut stehen die Sänger um den Altar: Jede Stimme zählt einzeln. Rainer W. Janka

Kammerchor Rosenheim begeistert mit Konzert in der Nikolauskirche

VON Rainer W. Janka

Rosenheim – Mit „Motetus“ war die Abendmusik des Kammerchors Rosenheim in der Nikolauskirche betitelt. Darin stecken das lateinische „motus“, Bewegung, und das französische „mot“, Wort: Eine Motette ist ein mehrstimmiger Chorgesang, der einen meist geistlichen Text abschnittsweise vertont und durch musikalische Bewegung das Wort ausdeutet. Hannelore Maurer erinnerte in den „Impulsen“ zwischen den Motetten an das Johannesevangelium: „Am Anfang stand das Wort.“ Wenn die Worte fehlen oder nicht wirken, kann die Musik dafür eintreten. Das Wort ist dann Musik geworden.

Unter der Leitung von Christopher Ryser ließ der Kammerchor in barocken und frühbarocken Motetten hören, wie einzelne Worte affektvoll musikalisch gedeutet werden: So besingt Andreas Hammerschmidt den „freudigen Geist“ in seiner Motette „Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz“ mit freudigem Dreiertakt. Johann Christian Bach illustriert in „Der Gerechte“ die „falsche Lehre“ mit „falschem“ Rhythmus: einer Synkope, die sich gegen den „richtigen“ Takt wendet. Johann Ludwig Bach bettet die besungene „Trübsal“ in dunkle Harmonien, die sich bei dem Wort „Herrlichkeit“ auflichten. Deren Ewigkeit wird durch schier ewig sich fortsetzende Chorkoloraturen ausgedeutet. Der Chor könnte bei allem schön fließenden Gesang den übrigen Text noch deutlicher artikulieren. Die Motetten begleitete Ryser an der kleineren Chororgel, unterstützt durch seine Frau Salome am Cello. Sie steuerte in reinstem Schönklang und reichhaltigstem Ausdruck die Sarabande aus Bachs Cellosuite Nummer 1 bei: reine wortlose Musik. Ebenso wie die beiden Orgelpräludien. Das freudig strahlende und fröhlich trillernde A-Dur-Präludium von Dietrich Buxtehude spielte Ryser als Auftakt an der großen Orgel, ein kleines, hell glitzerndes von Friedemann Bach an der kleinen Chororgel.

Das Wort steht auch im Mittelpunkt der „Sieben Magnificat-Antiphonen“ von Arvo Pärt. Er komponiert die Beschwörungen von „Weisheit“ und „König aller Völker“ so, dass sich das Wort almost in Musik auflöst: Und das Wort ist Klang geworden. „O Weisheit“ sang der Chor von der Orgelempore herab in schwebend-schlichter Schönheit, psalmodierend mit wenigen Tonbewegungen als reinen Klang. Etwas vorsichtiger klang die Beschwörung „O Morgenstern“. Hier verschlingen sich die Töne so, dass Reibungen entstehen, die sich anhören wie die schüchternen Glanzlichter, die die Nacht erhellen, wie’s im Text heißt. Das Wort, das reiner Klang geworden ist, berührte die zahlreichen Zuhörer, die am Schluss begeistert Beifall spendeten.

Freitag, 2. Oktober 2026
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