Apotheker mixt Desinfektionsmittel

von Redaktion

Eigentlich ist es Apothekern untersagt, Desinfektionsmittel herzustellen. Derzeit ist es erlaubt, da das Mittel Mangelware ist. In Spätschichten mixt Apotheker Florian Nagele jetzt bis zu 200 Fläschchen sowie Kanister für Kolbermoorer Ärzte und Pflegeheime.

Kolbermoor – Eigentlich gehen in der Mangfall-Apotheke an der Bahnhofstraße in Kolbermoor gegen kurz nach 18.30 Uhr die Lichter aus. Dann wird zugesperrt. Feierabend für Inhaber Florian Nagele und sein Apotheken-Team. Aber in dieser „speziellen Ausnahmesituation“, wie Nagele die Coronakrise bezeichnet, ist alles anders, auch was die Uhrzeit des Lichtlöschens angeht.

Dreimal in der Woche stellt der Apotheker nach 18.30 Uhr selbst Desinfektionsmittel her. Derzeit dürfen die Apotheker das – „es ist eine Ausnahme“, sagt er. Denn in diesen Corona-Krisenzeiten ist dieses Mittel rar. So ist es beispielsweise in Drogeriemärkten seit Wochen vergriffen. Bis zu 200 Fläschchen à 150 Milliliter schafft der Apotheker an einem Abend.

Das Produkt geht an
Heime und Praxen

Das selbst hergestellte Desinfektionsmittel geht in den Verkauf. „Jeder Kunde bekommt aber nicht mehr als zwei Fläschchen à 150 Milliliter“, sagt Nagele. Denn auch wenn der Kolbermoorer Apotheker wollte, er könnte nicht nur Desinfektionsmittel herstellen: „Es ist derzeit sehr schwierig, die Ausgangsstoffe zu bekommen“, sagt er. Kurz: Die Zutaten fürs Mittel sind ebenfalls knapp.t

Obendrein stellte Nagele auch für Ärzte und Pflegeheime in der Mangfallstadt Desinfektionsmittel her. Allerdings in größeren Mengen: Es gibt Fünf- oder Zehn-Liter-Kanister, erklärt er.  Gehen diese Kanister denn auch an Mediziner im ganzen Landkreis? „Nein, sie bleiben hier in der Stadt“, erzählt Nagele.

Also stellt der Kolbermoorer Apotheker an drei Abenden in der Woche die Mittel her: Er misst die einzelnen Ausgangsstoffe ab und füllt sie in die Behältnisse. Und auch die seien derzeit schwer zu bekommen, sagt er.

Aber Nagele macht weiter, wie seine Kollegen im ganzen Land auch. Und anstelle, dass er kurz nach 18.30 Uhr das Licht in der Apotheke löscht, schaltet er kurz nach 22 Uhr die Lichter aus. Auch diese Woche.

Und dann machte er sich dreimal um kurz nach 22 Uhr auf den Weg nach Hause – nach Brannenburg. Späte Heimfahrten, die anlässlich der derzeit geltenden Ausgangsbeschränkung wohl nicht jedem Bürger gefallen, wie der Apotheker nach einem Erlebnis Anfang dieser Woche vermutet (siehe Kasten). Nagele betreibt seit 2011 die Apotheke an der Bahnhofstraße in Kolbermoor. Das zwölfköpfige Team arbeitet derzeit in zwei Schichten. Und dafür gibt es in diesen Zeiten einen plausiblen Grund: „Falls sich einer ansteckt, fällt nicht das ganze Team aus“, sagt er.

Und auch morgens geht es in der Kolbermoorer Apotheke eher los, als sonst üblich: Um 8 Uhr öffnet die Apotheke – um 7 Uhr trifft sich die eine Schicht, um für die Kolbermoorer da zu sein. Und die selbst hergestellten Fläschen mit Desinfektionsmittel sind bereits binnen zwei Tagen verkauft – dann stellt sich Nagele wieder hin: stellt die Desinfektionsmittel her, füllt die Mixtur ab.

Und löscht erst gegen 22 Uhr das Licht in seiner Apotheke.

Angriff auf das fahrende Auto

Kolbermoor – Apotheker Florian Nagele fährt am Montag nach 22 Uhr von der Bahnhofstraße Richtung Brannenburg. „Als ich die Carl-Jordan-Straße, kurz hinter der Mangfall, entlang fuhr, tat es plötzlich einen dumpfen Schlag auf der Fahrerseite“.

Daraufhin hielt er im  Gewerbegebiet am Hertopark an. „Ich traute meinen Augen nicht: Es hatte jemand ein rohes Ei auf das fahrende Fahrzeug geschmissen. Wie sich nun nach der Autowäsche herausgestellt hat, sogar mit reparaturbedürftigem Lackschaden.“ Daraufhin erstattete er Anzeige bei der Bad Aiblinger Polizei. Das bestätigt auch die Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd auf Anfrage unserer Zeitung.

Nagele stellt zwischen dem Vorfall und der Ausgangsbeschränkung einen Zusammenhang her: „Ich habe erst kürzlich gelesen, dass jemand mit Eiern auf Fahrzeuge geworfen hatte, da er die Zuwiderhandlung gegen die Ausgangsbeschränkung nicht tolerieren wollte.“  Weiter sagt er: „Gerade aufgrund meines Berufes stehe ich voll und ganz hinter den Einschränkungen und allen Maßnahmen, um die Ausbreitung des Virus so gut es geht einzudämmen. Aber es sollte jedem bewusst gemacht werden, dass es viele Menschen gibt, die nicht zum Spaß auf der Straße unterwegs sind. Es gibt unzählige Berufsgruppen, die sich für die Gemeinschaft einsetzen, und daher unterwegs sein müssen.“

Der Sprecherin des Polizeipräsidiums sind keine weiteren Fälle in puncto „Eierwerfen und Ausgangbeschränkung“ bekannt. Da einen Zusammenhang herzustellen, sei reine Spekulation, heißt es seitens der Polizei.

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