Rosenheim/Kolbermoor – Von Montag an gilt ein Notfahrplan für die Busse in Rosenheim. Finanziell ist es um den eigenwirtschaftlich betriebenen „Stadtverkehr Rosenheim“ (SVR) aufgrund der Corona-Krise mittlerweile so schlecht bestellt, dass Geschäftsleiter Ingmar Töppel diese weitere Einschränkung für unumgänglich hält, um den Linienverkehr überhaupt noch anbieten zu können. Der Notfahrplan gilt zunächst bis 3. Mai.
In Absprache mit dem Aufgabenträger, der Rosenheimer Verkehrsgesellschaft (RoVG) sind folgende Regelungen getroffen: Fahrbeginn ist Montag bis Freitag, jeweils um 5 Uhr, an Samstagen beginnt der Busverkehr um 7.30 Uhr. Dabei gilt aber: Die Linien 1 bis 12 fahren nicht, sondern lediglich der Nachtverkehr (NV). In der Stadt verkehren der NV1, 2 und 3 im 30-Minuten-Takt. Die Linien enden mit dem Bus um 22.05 Uhr, er fährt in der Stadtmitte los und bringt die Fahrgäste direkt nach Hause.
Um das Stadtgebiet flächendeckend zu erschließen, gelten im Notfahrplan folgende Ergänzungen:
• Der Nachtverkehr 1 ist verdichtet und fährt abwechselnd über den Kreisel Nähe Pfaffenhofen beziehungsweise Egarten und Unterfürstätt.
• Der Nachtverkehr 2 bedient zusätzlich Kalteneck und Hl. Blut.
• Der Nachtverkehr 3 fährt zur vollen Stunde nach Alt-Happing und Kastenau und zur halben Stunde den Kurzläufer über Traberhof zur Stadtmitte.
• Der Nachtverkehr 9 fährt in Kolbermoor bis zum Ende der Brückenstraße in der Stadt und wieder zurück nach Rosenheim.
• Kolbermoor Nord ist über die Alte Spinnerei, Kolbermoor Süd über die Behelfshaltestelle Lotterschmied, Nähe Haltestelle Artmeier, erreichbar.
Geschäftsführer Töppel weist zudem darauf hin, dass mit dem Inkrafttreten des Notfahrplans der Einstieg in die Busse nur noch über die hintere Türe möglich ist. Die Tür auf Höhe des Fahrers bleibt zu dessen Schutz geschlossen. Für alle ÖPNV-Nutzer gilt außerdem ein Maskengebot: Dabei kann ein Schal ebenso genutzt werden wie selbst genähte oder einfache Staubschutz-Masken oder auch richtige Schutzmasken.
Zudem wird von Montag an auch im Stadtverkehr nicht mehr kontrolliert, ob jeder Fahrgast einen Fahrschein vorlegen kann. Im Umlandverkehr ist dies bereits einige Zeit üblich. Töppel bittet die Kunden um Ehrlichkeit: „Ohne Erlöse kann kein Unternehmen existieren. Damit der SVR auch im Mai noch fährt, und mit Öffnung der Geschäfte und Schulen wieder mit dem kompletten Angebot, braucht er das Fahrtentgelt“, schreibt Töppel in einer Pressemeldung.
Wie berichtet, brechen dem SVR seit Beginn der Corona-Krise die Umsätze weg. Die Zahl der Fahrgäste ist laut Töppel allein im Corona-März um 150000 gesunken, auf 50000 ÖPNV-Nutzer. Seit Anfang des Jahres hat der SVR bereits mehr als 250000 Euro weniger eingenommen. Wie Töppel sagt, hat sich auch die Hoffnung auf finanzielle Hilfe von der Stadt zerschlagen. Sie habe nicht die Mittel, den Ferienplan, der bisher während der Corona-Krise galt, einige Wochen zu finanzieren. Mittlerweile sei die Lage so dramatisch, dass „wir nicht mal die Kosten des Treibstoffes reinfahren“, sagt er. „Die Kosten fressen mich auf.“
Die neuen Fahrpläne sind im Internet zu finden, unter www.stadtverkehr.ro. Außerdem hängen sie im Rosenheimer Ticketzentrum aus und hinter jeder Fahrerkabine in den Bussen. bw