Kolbermoor – „Die Wahl der Kinder wird hier mit Füßen getreten“, sagte Peter Kloo in der jüngsten Stadtratssitzung. Diese Aussage bezog sich auf den Tagesordnungspunkt „Schulangelegenheiten“. Dabei ging es unter anderem um „mindestens sieben Kinder, die aus dem Gebiet der Mangfallschule in die Adolf-Rasp-Schule wechseln müssen“, heißt es in einem Brief seitens der Schule, der an die Eltern der künftigen Erstklässler geschickt wurde. Dieses Schreiben liegt der Redaktion vor.
156 Abc-Schützen
sind angemeldet
Grund für die Zuweisung durch das Schulamt (siehe Kasten) ist laut Sitzungsvorlage die „vorgegebene Teilungsgrenze“. Das heißt: 156 Mädchen und Buben sollen heuer in Kolbermoor eingeschult werden. Für sie sollen sechs Klassen zur Verfügung stehen. „Somit dürfen in der Mangfallschule für das erste Schuljahr nur drei und nicht vier Klassen gebildet werden“, berichtete Elisabeth Kalenberg, Geschäftsführende Beamtin der Stadt. 87 Erstklässler sind bisher für die Mangfallschule angemeldet. Das heißt: 87 Kinder ergibt vier Klassen, 80 Schüler zwei Klassen zu je 28 Kindern sowie eine Ganztagsklasse.
Eltern überrascht
über Information
„Jetzt müssen sieben Kinder zur Adolf-Rasp-Schule“, sagt Elternbeirat Ralf Henneke, der auch in der Sitzung war, auf Anfrage unserer Zeitung. Seitens der Mangfallschule wurden die Eltern über die Zuweisung informiert – „da waren wir schon sehr überrascht“, so der Kolbermoorer Vater, dessen jüngeres Kind auch betroffen ist. Die Eltern hatten die Möglichkeit, einen Zettel auszufüllen, ob sie sich vorstellen können, ihr Kind in der Adolf-Rasp-Schule einzuschulen. Henneke hat das verneint, wie ein Großteil der Eltern, wie er weiß. Henneke: „Die erforderlichen sieben haben nicht zugestimmt, es sind viel weniger“, sagt er. Die genaue Zahl kann er nicht nennen.
Wollen sich die Eltern wehren? „Das ist schwierig, denn die Zwangszuweisung wird vorgenommen – da können wir nichts machen.“ Eine E-Mail an Kultusminister Dr. Michael Piazolo will Henneke nicht schreiben – „der hat sicherlich schon tausende auf seinem Schreibtisch“.
Mehrere Gründe sprechen Hennekes Ansicht nach gegen die Adolf-Rasp-Schule, die hauptsächlich von Kindern aus dem Süden Kolbermoors besucht wird: Die Freunde, die weiter wegwohnen, sowie der viel längere Schulweg. Zur Mangfallschule wären es für sein Kind 800 Meter, zur Adolf-Rasp-Schule 1,9 Kilometer.
Die Entfernung spricht auch Bürgermeister Kloo in der Sitzung an und bezeichnet es als „Irrsinn“. Dem schlossen sich auch die anderen Stadträte in der jüngsten Sitzung an. Deshalb positioniert sich der Stadtrat einstimmig und „verweigert das Benehmen zu den geplanten Zuweisungen von Schülern der Mangfallschule zur Adolf-Rasp-Schule“.