„Der güldene Rosenkranz“: Ein 400 Jahre altes Marienlied findet neue Verbreitung
Die Notenschrift von EBES-Volksmusik für das Rosenkranzgebet mit Kardinal Marx in München im Jahr 2011.
Aus der Volksmusikpflege Das schon im 17. Jahrhundert nachgewiesene Lied findet sich auch im „Gotteslob“ der Erzdiözese München-Freising
Es war ganz überraschend für die Masse der Katholiken, dass 1975 im damals ganz neu gemachten „Gotteslob“ der Diözese München und Freising eine kleine Abteilung „Alpenländische Lieder“ aufgenommen wurde – dreistimmig in der Art der Noten für die Dreigesänge der oberbayerischen Volksliedpflege. Daran mitgewirkt hatten in Entscheidung und Auswahl ganz kurzfristig – wie der spätere Pfarrer von Seeon, Herr Steinberger, und Pfarrer Hans Durner (1928 bis 2020) zuletzt in Deutelhausen bei Pfaffenhofen (Landkreis Rosenheim) erzählten – natürlich Wastl Fanderl aus Frasdorf (1915 bis 1991) und Annette Thoma (1886 bis 1974) aus Riedering. Diese war – quasi über Nacht – für die Liedauswahl zuständig, erlebte aber leider die Erstausgabe des neuen Gebet- und Gesangbuches nicht mehr.
Ihre Liedauswahl mit dem bekannten gesungenen Mariengebet „Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft“ (Nr. 861), dem aus Kärnten überlieferten weihnachtlichen „Auf! Auf! Ihr Hirten in dem Feld!“ (862), dem Osterlied aus niederösterreichischer Sammlung „Was ist nicht heut für eine heilige Nacht!“ (865), ihrem eigenen in den 1950er-Jahren unter anderem für die Riederinger Sänger erstandenen Adventslied „Als Maria übers Gebirge ging“ (865) und dem in vielen bayerischen und österreichischen Sammlungen zu findenden einfachen Marienlied „Wie schön glänzt die Sonn“ (866) umfasste einige der beliebtesten geistlichen Volkslieder der österreichisch-oberbayerischen Volksliedpflege, die Fanderl schon veröffentlicht hatte.
Diese Lieder waren zu hören von Gesangsgruppen bei den neuen Adventssingen nach dem Zweiten Weltkrieg oder bei den in den 1960er-Jahren begonnenen Passionssingen. Ab 1951 hatte das Rosenheimer Bildungswerk mit Singtagen, organisiert von Rosl Brandmayer (1905 bis 2000) und dem genialen Kirchenmusiker Fritz Kernich, viel zur Verbreitung dieser Liedgattung in Chören und Singgruppen beigetragen. Aber die abgedruckte Dreistimmigkeit war für den allgemeinen Gemeindegesang in der Kirche nur schwer oder gar nicht vermittelbar.
Der aus dem Egerland stammende Fritz Kernich (1907 bis 1986) war es auch, der Anfang der 1950er-Jahre für seine Chöre einen wunderbaren, nicht leichten Satz zum Lied „Der güldene Rosenkranz“ gestaltete, den Fanderl veröffentlichte und der auch im ersten (864) und 2013 im überarbeiteten Gotteslob (830) abgedruckt war. Der Liedtext wurde schon im 17. Jahrhundert über Flugblätter auf Wallfahrten verbreitet.
„1. Der güldene Rosenkranz,
geziert mit Perlen ganz,
besetzt mit lauter Edelstein,
gehört der Jungfrau rein.“
2. Maria ist ihr Nam,
von königlichem Stamm,
sie ist ein Jungfrau wohlgeziert,
der dieser Kranz gebührt.
3. Sie sitzt vor Gottes Thron,
ihr scheinet Sonn und Mond,
sie ist die Größt‘ im Himmelreich,
kein Engel ist ihr gleich.
4. O Jungfrau, mild und süß,
wir fallen dir zu Füß,
wir bitten dich ganz inniglich,
erhör uns gnädiglich.“
Dieser Text mit der Hervorhebung der Jungfrauenschaft der Gottesmutter Maria und ihrer Stellung im Himmel ist ein Produkt der katholischen Gegenreformation in Bayern und Österreich, der Antwort auf die Reformation. Martin Luther erreichte mit der Übersetzung der Heiligen Schrift des Christentums ins Deutsche und deutschen Liedern die Menschen besser als der bisherige lateinische Kirchengesang.
Das innige und bildstarke alte Marienlied vom „güldenen Rosenkranz“ ist im ganzen süddeutschen Sprachraum und auch in den deutschen Sprachinseln in Ost- und Südosteuropa bis ins 20. Jahrhundert in verschiedenen Fassungen verbreitet gewesen. Eva Bruckner schreibt in der 1980 im Bildungswerk Rosenheim begonnenen Reihe „Das geistliche Volkslied das Jahr hindurch“ über die wohl 400-jährige Geschichte des Liedes: „Schon im 17. Jahrhundert ist das Lied nachweisbar. In kostengünstigen Liedflugblättern wird der Text mit bis zu 24 Strophen abgedruckt und verbreitet. Der im Kloster Seeon tätige Pater Johannes Werlin (1588 bis 1666) nimmt circa 1646 die heute bekannte Liedmelodie in sein umfangreiches handschriftliches Werk „Rhitmorum Varietas“ (Seite/Spalte 2996) auf, das in der Bayerischen Staatsbibliothek München lagert.“
Wer das Lied vom „güldenen Rosenkranz“ singen will, beispielsweise auch mit den passenden Strophen zum „glorreichen“ oder „schmerzhaften“ oder dem von Papst Johannes Paul II. verbreiteten „Lichtreichen Rosenkranz“, kann an den „Förderverein Volksmusik Oberbayern“ (83062 Bruckmühl, Pfarrweg 11, ernst.schusser@heimatpfleger.bayern) schreiben. Die Texte werden kostenlos zugeschickt.