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Volksmusikklänge auf dem See

Die Familienmusi Großpointner aus dem oberösterreichischen Innviertel spielte auf dem Volksmusikschiff. Anita Berger

Die Familienmusi Großpointner aus dem oberösterreichischen Innviertel spielte auf dem Volksmusikschiff. Anita Berger

Sänger und Musikanten erfreuen das Publikum auf voll besetzter „MS Edeltraud“

Prien – Dass überlieferte Volksmusik nach wie vor Menschen aller Altersgruppen und Gesellschaftsschichten anzusprechen vermag, hat die jüngste Fahrt des „Volksmusikschiffs“ auf dem Chiemsee eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Die „MS Edeltraud“ legte voll besetzt ab. Die verfügbaren Karten waren bereits nach einer Woche im Vorverkauf restlos ausverkauft. Passagiere und Mitwirkende reisten aus allen Himmelsrichtungen nach Prien an, bevor es auf die dreistündige Rundfahrt ging.

Akteure aus Bayern
und Österreich

Organisatorin Marlene Anner ist es erneut gelungen, ein echtes „Volksmusikschmankerl“ zusammenzustellen. Den weitesten Weg unter den Mitwirkenden hatte die „Familienmusik Großpointner“ aus Andrichsfurt im oberösterreichischen Innviertel, gefolgt von der „Raffelemusi Fasanerie“ aus der Landeshauptstadt München. Darüber hinaus waren die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Rosenheim, Miesbach und Traunstein mit Sängern und Musikanten vertreten. Sprecher Siegi Götze stellte die einzelnen Akteure vor und hatte dabei wieder viel Heiteres und Wissenswertes zu berichten.

Mit der Familienmusik Großpointner aus Andrichsfurt wurden Erinnerungen an das Jahr 1999 wach, als es im Rahmen von Priener Brauchtumsabenden zu wechselseitigen Begegnungen zwischen Chiemgauer Trachtlern mit Musik und „Innviertler Zechen“ gekommen war. Robert Großpointner, damals wie heute Mitglied der sogenannten „Krammerer Zech“ (Gitarre), und seine Frau Christine – ehedem Teil des bekannten Gesangsquartetts der Familie Hartwagner aus Eggerding in Oberösterreich (Geige) – brachten zusammen mit ihren Kindern Florian und Maria auf diatonischer Harmonika und Geige tradierte „Innviertler Weisen“ zu Gehör, umrahmt von eingängigen Tanzmelodien. Dabei durfte der altehrwürdige „Innviertler Landler“ samt Gstanzln nicht fehlen, bei dem Gesang, Tanz und Musik ein harmonisches Ganzes bilden.

An ihrer Seite waren den ganzen Abend über die Geschwister Baumgartner aus Berg bei Tuntenhausen zu erleben – ein bescheiden-sympathisch auftretender Familienviergesang, der zum ersten Mal auf der „Edeltraud“ mit dabei war und auf der Zither von Hans Baumgartner begleitet wurde. Ihre Lieder klangen, jedes auf seine Art, echt und überzeugend, besonders jene vom Bauernstand als ihrem familiären Mittelpunkt.

Ebenfalls zum ersten Mal auf der „Edeltraud“ dabei war die „Raffelemusi Fasanerie“ mit Peter Bogner (Raffele) und Petra Böhm (Gitarre, Okarina und Gemshorn). Was Peter Bogner aus seinem dreisaitigen „Raffele“ hervorzauberte, löste Freude und Bewunderung aus. Wechselnde Besetzungen aus Raffele und Gitarre, Okarina sowie Gemshorn ergaben einen farbigen Melodienreigen aus Polkas, Landlern und Walzern, viele davon aus der Feder von Peter Bogner selbst.

Für feine gesangliche Eigenschöpfungen im traditionellen Volksliedbereich bekannt sind Maria Kaiser und Lena Wohlschlager vom „Oimblüah Dreigesang“, die sich wegen des Ausfalls der angestammten dritten Frauenstimme diesmal mit Simon Moosrainer aus Riedering als gemischter Dreigesang präsentierten. Besonders bei den ruhigeren, fast schon andächtig zu nennenden Liedern wurde es so „mäuserlstad“, dass man die berühmte Stecknadel hätte fallen hören können – umso kräftiger fiel der anschließende Applaus aus. Instrumental begleitet wurden die drei von der Auerschmied-Musi um Angelika Salchegger (Harmonika), ihrer Tochter Magdalena (Geige) und Kilian Seidinger (Gitarre) aus dem Landkreis Miesbach. Diese Besetzung überzeugte den Abend über auch als eigenständige Musikgruppe, die sich durch Virtuosität in der Instrumentenbeherrschung und eine resche, rassige Spielweise auszeichnete.

Aus dem nördlichsten Teil des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen, rund um Dietramszell, waren die Baiernrainer Sänger an den Chiemsee gekommen. Ihre Spezialität sind frisch daherkommende Lieder von der Jagd, von den Wildschützen und dem Leben auf der Alm, samt Gstanzln. Abwechselnd boten die drei versierten Sänger auch ruhigere, der endenden Sommer- und Almzeit entsprechende Gesangsbeiträge, begleitet von zwei erfahrenen Musikantinnen auf diatonischer Harmonika und Gitarre. Auch nach dem offiziellen Teil sangen und spielten sie, wie andere Beteiligte auch, noch lange miteinander, während sich die begeisterten Zuhörer im Schein einer hell strahlenden Vollmondkugel auf den Heimweg machten.

Freitag, 2. Oktober 2026
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