Mit seiner Kunst und als politischer Aktivist wurde Ai Weiwei (Foto: Tiziana Fabi/ afp) weltbekannt. Mit Spannung wurde deswegen seine Dokumentation „Human Flow“ erwartet, die im Wettbewerb des Filmfestivals von Venedig vorgestellt wurde. Sie enttäuschte. Ai und seine Teams drehten in mehr als 20 Ländern, besuchten Flüchtlingscamps in Griechenland, Frankreich, Kenia, Libanon und im Gazastreifen.
Der 60-jährige Chinese zeigt, wie Flüchtlinge auf dem Mittelmeer gerettet werden oder per Kamera aus der Luft die Dimensionen eines Lagers. All dies verknüpft Ai mit Kurzinterviews von Helfern. So entsteht ein Mosaik der Schicksale – nicht mehr als eine Zusammenfassung der Nachrichten der vergangenen Monate. Wie es den Flüchtlingen geht? Das deutet der Regisseur nur kurz an. Was die Ursachen und Folgen dieser Krisen sind? Dafür ist in „Human Flow“ kaum Zeit. Ai reißt zu viel nur an. Fragwürdig ist, wie er sich inszeniert. Er lässt sich filmen, wie er einem Flüchtling vom Boot hilft, wie er durch ein Lager läuft und wie er die jordanische Prinzessin Dana Firas interviewt. Meistens lenkt dies vom Thema ab. Sehr ärgerlich wird es, wenn Ai mit einem Syrer die Pässe tauscht. Als der ihm sein durchnässtes Zelt anbietet, willigt Ai scherzhaft ein und schlägt dem Flüchtling einen Tausch mit seinem gerade gekauften Atelier in Berlin vor. aliki nassoufis