Blicke in verrückte Welten
Bei den Oscars haben die Deutschen Maria Schrader, Hans Zimmer und Gerd Nefzer Chancen
Der deutsche Film „Ich bin dein Mensch“, der gestern auch in der ARD lief (wir berichteten), hat im Oscar-Rennen eine große Hürde überwunden. Maria Schraders futuristische Tragikomödie schaffte es auf die sogenannte Shortlist von insgesamt 15 Kandidaten, wie die Oscar-Akademie im kalifornischen Beverly Hills am Dienstag (Ortszeit) mitteilte. Beiträge aus 93 Ländern hatten sich für 2022 um den Oscar in der Sparte „International Feature Film“ beworben. Auch Komponist Hans Zimmer, der Spezialeffekte-Macher Gerd Nefzer und ein Absolvent der Filmakademie Baden-Württemberg rückten dem Oscar ein Stück näher.
„Ich bin dein Mensch“ war Mitte September von German Films, der Auslandsvertretung des deutschen Films, für das Oscar-Rennen ausgewählt worden. Maren Eggert spielt darin eine Wissenschaftlerin, die einen humanoiden Roboter (Dan Stevens) als Partner testen soll. Unter den vorausgewählten Shortlist-Kandidaten in der Sparte „International Feature Film“ finden sich unter anderem die Filme „Große Freiheit“ (Österreich), „Drive my Car“ (Japan; Kritik siehe Seite 16), „The Hand of God“ (Italien), „Compartment No 6“ (Finnland), „Flee“ (Dänemark) und „A Hero“ (Iran).
Komponist Hans Zimmer hat diesmal gleich doppelte Chancen: Der gebürtige Frankfurter schaffte es mit seinen Kompositionen für das Science-Fiction-Drama „Dune“ und für das James-Bond-Spektakel „Keine Zeit zu sterben“ auf die Liste von 15 Anwärtern. Auch sein britischer Kollege Jonny Greenwood ist mit dem Soundtrack für „The Power of the Dog“ und für „Spencer“ zweifach im Rennen. Weitere Kandidaten sind Alexandre Desplat („French Dispatch“), Germaine Franco („Encanto“) und Alberto Iglesias („Parallele Mütter“). Für die bildgewaltigen Szenen von „Dune“ holte Regisseur Denis Villeneuve den deutschen Spezialeffekt-Künstler Gerd Nefzer mit an Bord. Nach der Vorauswahl ist der Film nun einer von zehn Kandidaten für einen entsprechenden Oscar. Der gebürtige Schwabe Nefzer gewann bereits 2018 für „Blade Runner 2049“ eine der begehrten Trophäen.
Der jordanische Regisseur Murad Abu Eisheh, Absolvent der Filmakademie Baden-Württemberg, kann sich Hoffnungen auf einen Oscar in der Kategorie „Live-Action-Kurzfilm“ machen. Sein Werk „Tala’vision“ ist unter 15 Shortlist-Kandidaten, insgesamt standen 145 Kurzfilme zur Auswahl. Eisheh war im Oktober bereits mit einem Studenten-Oscar ausgezeichnet worden. Sein Film erzählt von der achtjährigen Tala im vom Krieg zerrütteten Syrien und davon, welche Bedeutung ein Fernseher für das Mädchen hat. In der Sparte „Bester Dokumentarfilm“ ist „Simple as Water“ in die engere Auswahl gekommen. Dafür begleitete Regisseurin Megan Mylan über fünf Jahre hinweg syrische Familien in fünf Ländern. Zu den Porträtierten gehört auch ein Vater, der nach Deutschland geflüchtet ist. Das Werk „Coded: The Hidden Love of J. C. Leyendecker“ wiederum über den in Deutschland geborenen und in die USA ausgewanderten Künstler Joseph Christian Leyendecker könnte Chancen auf eine der Auszeichnungen als bester Dokumentar-Kurzfilm haben.
Am 8. Februar gibt die Academy die Nominierungen für die 94. Academy Awards bekannt. Die Preisverleihung soll am 27. März in Hollywood stattfinden.