Elvis lebt: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, hier mit Ehefrau Karin, als „King of Rock ‘n‘ Roll“. © Jason Tschepljakow
Fränkisches Kultduo: Volker Heißmann (re.) und Martin Rassau als Waltraud & Mariechen.
Seit Jahren dabei: „Dreggsagg“ Michl Müller.
Hielten eine Lehrstunde ab: Bauchredner Sebastian Reich und seine Nilpferddame Amanda. © Hildenbrand/dpa (4)
Kult-„Putzfraa“ Ines Procter sorgte für Lacher.
Was macht der Franke, wenn die Welt aus den Fugen gerät? Er besinnt sich auf sich selbst – jedenfalls, wenn der Fastnachtsverband Franken zu seiner Prunksitzung lädt. „Ich bleib‘ im Frankenland. Ich hab dich auserkoren, ich komm von hier und bleibe, wo ich bin“, singt die A-cappella-Band Viva Voce gleich zur Einstimmung auf eine turbulente „Fastnacht in Franken“ im BR Fernsehen. Und Kabarettist Oti Schmelzer aus dem Steigerwald unterstreicht mit seinem unverkennbaren Dialekt: „Wer jetzt kein Fränkisch versteht, der hat verschissen.“
Was schert‘s den Franken, wenn in Berlin in der „Villa Kunterbunt“ (Bauchredner Sebastian Reich) alles drunter und drüber geht und jenseits des Atlantiks ein „orangefarbener Horrorclown“ (Musikkabarettist Matthias Walz über US-Präsident Donald Trump) außer Rand und Band ist? Nur gelegentlich scheint bei den Narren auf der Bühne der Mainfrankensäle durch, dass sich Deutschland in der wohl schwierigsten sicherheitspolitischen Lage seit Jahrzehnten befindet – und dass dies auch an Unter-, Mittel- und Oberfranken nicht spurlos vorbeiziehen dürfte. Rund dreieinhalb Stunden lang tauchen die etwa 600 Gäste im Saal unweit von Würzburg und Millionen vor den Bildschirmen zu Hause ab in eine Welt zwischen Kloß mit Soß‘, Frankenwein und „Bassd scho!“
Als strenge Schuldirektorin ist das Nilpferd Amanda – unvergleichlich mit seinem Bauchredner Sebastian Reich – auf der Suche nach Fachkräften jenseits der bayerischen Landesgrenze. „In Berlin werden nächste Woche einige Stellen frei. Die haben sich schon alle bei mir beworben.“ Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) wolle Religionslehrer werden. „Der ist ein sehr gläubiger Mensch“, betont Amanda unter dem Gelächter der kostümierten Gäste bei der Generalprobe. „Der glaubt auch immer noch, dass er Bundeskanzler wird.“ Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) könne sie dagegen nicht einstellen: „Da bekommt ja Schultüte eine ganz neue Bedeutung“, frotzelt die Handpuppe angesichts der von Lauterbach unterstützten Legalisierung von Cannabis. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) aus Niederbayern habe sich beim Thema Fremdsprachen in den Vordergrund gedrängelt. Er sei aber nicht qualifiziert: „Den versteht ja so schon keiner.“
Eine Personalie könne sie allerdings – Bundestagswahl hin oder her – schon verkünden: Wirtschaftsminister Robert Habeck werde ihr Hausmeister. „Wir brauchen im Keller der Schule noch eine Wärmepumpe“, begründet Amanda ihre Entscheidung für den Grünen-Politiker, der ihr von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder empfohlen worden sei.
Bei der meistgesehenen Sendung des Bayerischen Rundfunks kommen die Politikerinnen und Politiker aus dem Freistaat heuer vergleichsweise glimpflich davon. Einzig Söder, der sich heuer als Elvis Presley verkleidete, muss sich gehörige Frotzeleien gefallen lassen. Widerworte, Ausflüchte? Unmöglich. Der Büttenredner Peter Kuhn aus Schweinfurt, ein Genie der bitterbösen Pointen, sinniert über die Motivation des CSU-Chefs, in der Kanzlerfrage Friedrich Merz den Vortritt zu lassen. „Das sieht dem Markus ja auch gar nicht ähnlich. Aber eins ist klar und steht schon fest: Wer dem anderen den Vortritt lässt, kann bei allen Eventualitäten dem dann viel besser in die Hacken treten.“
A. RESENHOEFT