NEUERSCHEINUNG

Geld oder Liebe

von Redaktion

Martin Suter legt den ersten Roman nach dem Tod seiner Frau vor

„Ich schreibe, bis ich nicht mehr kann“: Martin Suter, 77. © Sebastian Gollnow/dpa

Wer den Schweizer Romanautor Martin Suter kennt, wird in seinem neuen Buch „Wut und Liebe“ ein paar altbekannte Sujets wiederfinden: Künstler und Sammler, eine umwerfend schöne Frau, geheimnisvolle alte Männer, ein bisschen Alkohol und sehr viel gutes Essen. Die Geschichte dreht sich um Noah, einen erfolglosen Künstler Anfang 30. Selbst guter Sex kann seine Freundin Camilla nicht halten, sie möchte ein Leben ohne Geldsorgen. Um sie zurückzugewinnen, entwickelt Noah kriminelle Energie. Zu Hilfe kommt ihm eine kranke, verbitterte Frau namens Betty.

Der versierte frühere Werbetexter Suter weiß, wie man einen „Page-Turner“ schreibt, ein Buch, das man kaum aus der Hand legen mag, weil man wissen möchte, wie es weitergeht. Und dann Suters Faible für elegante Sprache. Beim Champagner etwa: „Sie trank nicht aus Genuss, sie brauchte die Wirkung.“ Oder bei der Frau, die ihr Leben lang denselben Mann liebte: „Nicht immer mit Leib, aber immer mit Seele.“ Wenn Betty über die Abwesenheit ihres verstorbenen Mannes spricht, wird es gefühlig. „Das Endgültige ist zu abstrakt. Das kann man sich nicht vorstellen“, sagt sie. Suter hat selbst 2023 seine Frau Margrith verloren. Er würdigt sie in einem rührenden Nachwort. Doch die Gefühle von Betty nach dem Tod ihres Mannes, das habe nichts mit seinen eigenen Gefühlen zu tun, betont der Autor im Gespräch. Mit 77 Jahren hatte er eine Romanpause einlegen wollen – doch plötzlich spukte doch wieder eine Idee in seinem Kopf herum.

„Ich werde aufhören, wenn ich nicht mehr schreiben kann“, sagt Suter. „Das heißt, ich lebe dann nicht mehr oder bin in einem Zustand, in dem ich nicht mehr schreiben kann.“ Er liebe seinen Beruf. „Ich bin froh, dass ich nicht in den Ruhestand gehen muss.“
CHRISTIANE OELRICH

Martin Suter:

„Wut und Liebe“. Diogenes, Zürich, 304 Seiten; 26 Euro.

Lesung: Am 28. Oktober, 20 Uhr, stellt Martin Suter sein Buch mit Katja Riemann und Linda Zervakis im Herkulessaal, Residenzstraße 1, vor. Tickets: 0761/ 88 84 99 99.

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