Sprung ins Glück: „Köhlers Jungschwein“ von Michael Sowa ist auch ein beliebtes Postkartenmotiv. © Gunter Lepkowski
Man sollte viel häufiger Postkarten verschicken. Und am besten solche mit Motiven von Michael Sowa. In gut sortierten Buchhandlungen sieht man sie, die hintersinnigen Werke im DIN-A6-Format des Berliner Künstlers. Da genügt Schreibfaulen oft schon ein kurzer Kommentar auf der Rückseite – denn das Bild auf der Vorderseite spricht für sich. So voller Witz und Raffinesse sind Sowas Arbeiten.
Wer gern die Bücher von Axel Hacke oder Elke Heidenreich liest, der kennt sie, die große Kunst, die der Maler auch als Illustrator fertigt. Auf kleinstem Raum legt er da zwischen den Texten ganze Gefühlswelten offen. Tritt dabei nie in Konkurrenz zu den Zeilen, hebt sie pointiert hervor. Detailverliebt bis in die Rüsselspitze der Schweinchen, die er so gern über die Leinwände hüpfen lässt.
Einen „Virtuosen des Winzigen“ nennt Andreas Platthaus Sowa denn auch passend im Vorwort zum nun erschienenen Bildband mit dem stimmigen Titel „Fragile Idyllen“. Anlässlich Michael Sowas 80. Geburtstag ist diese Retrospektive herausgekommen, die einmal mehr vor Augen führt, dass komische Kunst alles andere als albern ist.
Häufig lauert hinter der vordergründig lustigen Szene beim genauen Hinschauen kluge Sozialkritik. Deshalb ist dieser Band eine Einladung nicht nur zum Postkarten-Schreiben, sondern vor allem dazu, zu schauen. Schauen sollte man nämlich auch viel häufiger. Und dabei sehr oft sehr laut lachen. Michael Sowa? So was von gut.KATJA KRAFT
Michael Sowa:
„Fragile Idyllen“. Antje Kunstmann, München, 328 S.; 80 Euro.