Jupiter, der in den vergangenen Monaten mit seinem Glanz den Abendhimmel beherrschte, ist im September noch in der ersten Monatshälfte in der fortgeschrittenen Abenddämmerung sichtbar. Mit dem Fernglas erkennt man die vier großen Monde des Riesenplaneten am Westhimmel knapp über dem Horizont.
Noch zahlreiche kleinere Monde umrunden Jupiter. Im Juni wurden zwei weitere Mini-Monde von knapp zwei Kilometern Durchmesser entdeckt. Damit steigt die Zahl bekannter Jupitertrabanten auf 69, wobei die beiden winzigen Monde auf lang gestreckten und zur Jupiterbahn stark geneigten Bahnen laufen. Da sie den Riesenplaneten retrograd umkreisen, also entgegengesetzt dem allgemeinen Umlaufsinn im Sonnensystem, ist davon auszugehen, dass sie einst von Jupiter eingefangen wurden.
Schönstes Himmelsobjekt am Abendhimmel ist zweifellos der Ringplanet Saturn. Er hält sich im Sternbild Schlangenträger auf, dessen Sterne so lichtschwach sind, dass sie am aufgehellten Nachthimmel kaum zu sehen sind. Leicht zu erkennen ist hingegen Antares, roter Überriesenstern im Skorpion. Saturn steht nordöstlich von Antares.
Am 15. September soll die Raumsonde Cassini in einer geplanten Kamikaze-Mission in die dichte Saturn-Atmosphäre eindringen und verglühen. Cassini wurde im Oktober 1997 gestartet.
Venus spielt nach wie vor ihre Rolle als Morgenstern. Allerdings verkürzt sich ihre Sichtbarkeitsdauer. Geht sie Anfang September kurz nach halb vier Uhr morgens auf, erscheint sie am Monatsende erst kurz nach fünf Uhr am Osthorizont. Am 20. passiert Venus den Königsstern Regulus im Löwen eine Vollmondbreite nördlich.
Um die Monatsmitte taucht endlich Mars wieder am Morgenhimmel auf. Damit ergibt sich eine nette Planetenparade frühmorgens am Osthimmel. Zu den drei Planeten Venus, Mars und Merkur gesellt sich am 18. die schmale Sichel des abnehmenden Mondes. Dabei bedeckt der Erdtrabant den Königsstern Regulus. Die Sternbedeckung ist von Afrika und Asien aus beobachtbar. In Mitteleuropa hingegen zieht der Mond knapp südlich an Regulus vorbei. Am 16. wandert Merkur ganz knapp – nur drei Bogenminuten nördlich – an Mars vorbei. Im Jahr 2079 wird Merkur den Roten Planeten sogar bedecken.
Vollmond wird am 6. um 9.03 Uhr im Sternbild Wassermann erreicht. Die Neumondposition nimmt der Erdtrabant am 20. um 7.30 Uhr ein. Am 13. passiert der Mond spät nachmittags seinen erdnächsten Bahnpunkt, wobei ihn 369 860 Kilometer von uns trennen. Mit 404 350 Kilometern Distanz hält er sich am 27. vormittags in Erdferne auf.
Die Sonne verlässt am 16. abends das Sternbild Löwe und wechselt in das Sternbild Jungfrau, in dem sie bis zum 31. Oktober verbleibt, da die Jungfrau ein recht ausgedehntes Sternbild ist. Am 22. September überschreitet die Sonne den Himmelsäquator um 22.02 Uhr in südlicher Richtung, der Herbst beginnt. An diesem Tag sind Tag- und Nachtbogen der Sonne gleich groß, die Tagundnachtgleiche tritt ein. Hans-Ulrich Keller