Eigentlich war ihr Traum die große, weite Welt. Je weiter weg, desto besser. Doch daraus ist nichts geworden. Wie so häufig, kam die Liebe dazwischen. „Und das ist auch gut so.“ Die blauen Augen strahlen. Wehmut ist bei Eva Maria Rieger nicht zu spüren. Ein Leben als Hopfenbäuerin hat sie einst der Karriere im Hotel vorgezogen.
Statt Welt-Metropolen wie New York oder Sydney ist das kleine Pfettrach mit 142 Einwohnern und dem „schönsten Bushäusl in ganz Oberbayern“ ihr Zuhause geworden. Im Dorf wird die 45-Jährige einfach „die Wirtin“ genannt. Nicht nur, weil früher auf der Hofstelle eine Wirtschaft war. Bei Eva Maria Rieger sind Gäste jederzeit willkommen. Sie lebt nach dem Motto: „Gieß Wasser zur Suppe, heiß alle Gäste willkommen.“
„Ich bin mein eigener Chef. Unternehmerin. Bäuerin.“ Kurz hält Eva Maria Rieger inne. Dann sagt sie überzeugend: „Und ich bin mit meinem Leben total zufrieden.“
Sie hatte die besten Aussichten auf eine internationale Karriere: Nach der Schule machte sie eine Ausbildung zur Hotelkauffrau. Mit großem Erfolg. 1990 legt die Holledauerin die Prüfung ab, so gut, dass sie nach Berlin fahren darf. Sie wird bei den ersten gesamtdeutschen Meisterschaften Deutsche Meisterin. „Ich war in Berlin und Bonn. Das war schon was.“
Seit 20 Jahren ist sie nun Bäuerin. „Mit Leidenschaft“, wie sie betont. Eva Maria Rieger hat nach der Hochzeit auf Hauswirtschaft und Ernährungsfachfrau umgesattelt. Täglich kocht sie – wie einst schon ihre Mutter – für die Großfamilie und die Lohnarbeiter am Hof. „Ich habe wahnsinnig viel von meiner Mama gelernt.“ Jetzt im Winter kommt viel Kraut auf den Tisch. „Weil‘s so gesund ist.“
Bereits im Mittelalter wurde das Kraut, das ursprünglich aus dem mediterranen Raum stammt, auch hierzulande angebaut, erklärt die Ernährungsfachfrau. Auf den kargen Böden rund um Ismaning gedeiht das Weißkraut besonders gut. Im Winter liefert es viel Vitamin C (wichtig: Kraut immer kurz mit heißem Wasser überbrühen, damit die Vitamine freigesetzt werden). Zudem ist es ein B12-Lieferant – gut für Vegetarier. .
Kraut findet nicht nur in der Küche, sondern auch in der Medizin Verwendung – als entzündungshemmende Krautumschläge beispielsweise. Bereits die antiken Hochkulturen Griechenlands und Roms wussten um die Heilkraft des Kohls.
Kraut ist zudem sehr günstig. Gerade mal 40 Cent hat Eva Maria Rieger pro Kilo diesmal gezahlt. Dafür gibt es einen Alleskönner: „Es schmeckt als Salat, als Beilage oder als Hauptgericht. Man kann es immer wieder anders würzen.“
Heute ist Eva Maria Rieger nach ausgefallenen Geschmäckern, so würzt sie das Bayerisch Kraut diesmal mit Kurkuma und Kreuzkümmel, in den Krautsalat dagegen wandern mediterrane Kräuter. „Ich liebe es, neue Gerichte auszuprobieren“, sagt sie. „Mit dem Kraut gelingt es, die ganze Welt auf einmal zu kosten.“ Dazu gibt’s einen Schuss Bier. Das versteht sich in der Hallertau von selbst. Es muss eben doch nicht immer die große weite Welt sein. Eva Maria Rieger lebt es uns vor.