Ein Überblick

Wie Hormone den Körper beeinflussen

von Redaktion

von Teresa Nauber

„Das sind die Hormone“ – diesen Satz bekommen Frauen in den Wechseljahren oft zu hören. Doch nicht nur sie werden durch die körpereigenen Stoffe beeinflusst, sondern jeder Mensch. „Dieses System ist Teil unserer inneren Betriebsorganisation“, erklärt Peter Walschburger, Biopsychologe von der Freien Universität Berlin. Ohne Hormone geht nichts. Manche werden gebraucht, um überhaupt leben zu können, andere geben dem Körper eine schöne Form. Ein Überblick:

-Mehr als Sex: Östrogen und Testosteron

Unter anderem dank dieser beiden Sexualhormone sehen Frauen aus wie Frauen und Männer wie Männer. Sie beeinflussen das Lustempfinden und die Fähigkeit, sich fortzupflanzen. Das ist aber nicht alles: „Östrogen ist auch für den Knochenbau wichtig“, sagt Prof. Joachim Spranger, Direktor der Klinik für Endokrinologie und Stoffwechselmedizin an der Berliner Charité. Ab den Wechseljahren stellt der Körper die Östrogenproduktion langsam ein – daher nimmt die Knochendichte bei Frauen häufig ab. Testosteron wiederum sei nicht mit sexuellem Verlangen gleichzusetzen, stellt Walschburger klar. Es gibt beispielsweise auch einen Zusammenhang zwischen dem Hormon und Erfolgserlebnissen. Gewinnt bei einem Fußballspiel die favorisierte Mannschaft, steigt der Testosteronspiegel – „auch wenn die Fans nur im Stadion gesessen und nicht selbst gespielt haben“.

-Natürliche Schmerzstiller: Endorphine

Wenn sich der Mensch verletzt, schüttet der Körper Schmerzmittel aus: Endorphine. „Das sind körpereigene Opiate“, sagt Walschburger. Der Körper hält diese Stoffe vor, damit der Mensch auch im Notfall reaktionsfähig ist. Sie wirken aber auch außerhalb von Notfällen, wenn jemand eine anstrengende Zeit durchmacht, etwa Stress in der Arbeit oder Beziehung hat: „Endorphine sorgen dafür, dass wir das aushalten.“

-Nichts wie weg: Adrenalin

Adrenalin ist dafür zuständig, zusätzliche Kräfte zu mobilisieren, damit der Mensch fliehen kann. Der Botenstoff wird im Nebennierenmark gebildet und wird in die Blutbahn abgegeben. Überall im Körper aktiviert Adrenalin Rezeptoren, die die Blutgefäße eng stellen, damit der Blutdruck steigt. „Das ist das Besondere an Hormonen: Sie werden an einer Stelle ausgeschüttet, können aber woanders wirken“, erklärt Prof. Matthias M. Weber, Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie. Hormone besitzen Schlüssel für bestimmte Zellen, damit sie da wirken, wo sie wirken sollen.

-Der „Glückscocktail“: Serotonin, Dopamin, Noradrenalin

Bei Serotonin, Dopamin und Noradrenalin handelt es sich um Hormone und Neurotransmitter, die für die Übertragung der Erregung von einer Nervenzelle zur anderen verantwortlich sind, erklärt Spranger. Serotonin sorgt dafür, dass sich der Mensch tagsüber lebendig fühlt – daher wird es auch als „Glückshormon“ bezeichnet. Mit Dopamin und Noradrenalin setzt es Verliebten die sprichwörtliche „rosarote Brille“ auf. Wird jemand von seinem Partner verlassen, rauscht der Serotonin-Spiegel in den Keller. Die Folge kann ein Zustand sein, der dem eines Depressiven ähnelt. Bewusst steuern lässt sich die Ausschüttung nicht. „Wir sind andererseits aber auch keine Marionetten unserer Hormone“, betont Walschburger, „sondern wir besitzen einen eigenen Willen.“

-Energie in der richtigen Dosis: Schilddrüsenhormone

In den Zellen der Schilddrüse produzierte Hormone wie Triiodthyronin und Thyroxin gehören zu den Botenstoffen, die überall im Körper wirken. Sie sind an der Regulation des Herz-Kreislauf-Systems beteiligt, regen den Stoffwechsel an und sorgen so dafür, dass dem Körper genügend, aber auch nicht zu viel Energie zur Verfügung steht. Entsprechend problematisch ist es, wenn die Schilddrüse nicht richtig arbeitet: Anzeichen für eine Unterfunktion sind Müdigkeit, depressive Verstimmungen, eine unerklärliche Gewichtszunahme oder ein hoher Cholesterinspiegel.

-Kraft für den Tag: Cortisol

Cortisol wird in der Nebennierenrinde produziert und ist wie Adrenalin ein Stresshormon. Ausgeschüttet wird es aber nicht nur, wenn der Mensch Stress verspürt. Ohne genügend Cortisol in der Blutbahn wäre der Mensch nicht lebensfähig. Cortisol wirkt sowohl auf die Blutgefäße als auch auf den Stoffwechsel.

-Körpereigenes Speichermedium: Insulin

Insulin versetzt den Körper in die Lage, Energie zu speichern. Hat ein Mensch Kohlenhydrate gegessen, schütten die Inselzellen in der Bauchspeicheldrüse Insulin aus. Dieses schließt die Zellwände auf, damit der Zucker hinein, gelangen und gespeichert werden kann. Folglich sinkt der Zuckerspiegel im Blut: ein lebenswichtiger Mechanismus. Ist er gestört – etwa durch einen Typ-I-Diabetes –, muss der Mensch nachhelfen und zum Beispiel Insulin spritzen.

-Das „Kuschelhormon“: Oxytocin

Während Verliebten ein Mix aus Serotonin, Noradrenalin und Dopamin den Kopf verdreht, schüttet das Gehirn Oxytocin aus, wenn aus einer Affäre eine Beziehung wird. Es beeinflusst auch, wie gut ein Mensch außerhalb von Paarbeziehungen mit anderen interagiert. „Bindungshormon“ wäre also der passendere Begriff. Wichtig ist Oxytocin für die Beziehung zwischen Eltern und ihren Kindern. „Wenn eine Mutter ihr Baby stillt, baut das Hormon eine Bindungsbrücke zwischen beiden auf“, erklärt Walschburger.

-Wachstumshormon: Somatropin

Das Wachstumshormon Somatropin ist bei Kindern – wie der Name sagt – für das Wachstum zuständig. Bei Erwachsenen ist es unter anderem für die Verteilung des Fetts im Körper verantwortlich. Wer einen athletischen Körper haben möchte, sollte also die Ausschüttung des Hormons anregen: „Zum Beispiel durch ausreichend Schlaf“, erklärt Spranger.

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