Mein Küchengeheimnis

Wider die November-Tristesse

von Redaktion

von Stephanie Ebner

Wenn Diana Hillebrand die Decke auf den Kopf fällt, dann packt sie ihren Laptop ein und setzt sich ins Café. Mitten unter Menschen kann sie herrlich arbeiten. Manchmal besser als am heimischen Schreibtisch. „Das Café ist für mich ein Ort der Inspiration.“ Hier kommen die unterschiedlichsten Menschen zusammen: „Da triffst du die Nachbarschaft, die Touristen, die Eiligen, die Mütter mit ihren Kindern, die Einsamen, die mit den Anzügen.“ Meist herrscht im Café ein buntes Stimmengewirr gepaart mit dem zischenden Geräusch der Espressomaschine. „Herrlich.“

Irgendwie lag es da auf der Hand, dass Diana Hillebrand eines Tages ein Buch über Cafés schreiben würde – soeben ist es im Münchner Volk Verlag erschienen, mit dem Titel „Zuhause im Café. Eine koffeinhaltige Reise durch München“ (35 Porträts, 216 Seiten, 29,90 Euro).

Eine Liebeserklärung an die Münchner Cafés, „eins schöner und liebevoller hergerichtet als das andere“, schwärmt die „Kaffee-Tante“, wie sie sich selbst nennt.

Die Eltern haben sie einst auf den Kaffee-Geschmack gebracht: Zuhause im Sauerland lief die Kaffeemaschine ständig, „da schaute schnell mal jemand aus der Nachbarschaft oder Freunde vorbei“ – eben auf eine Tasse Kaffee. Daher ist Kaffee für Diana Hillebrand der „Inbegriff von Gastfreundschaft“ geworden. Nur ihr Ehemann teilt diese Liebe nicht. „Er bevorzugt schlicht eine Tasse Tee“, erzählt die 44-Jährige mit einem Grinsen.

Diana Hillebrand steht in ihrer Küche in Thalkirchen. Draußen ist ein typischer Novembertag. Es will nicht richtig hell werden. Feucht-kalte Witterung. Genau der richtige Tag für einen Kaffeeklatsch. Dazu serviert die Wahl-Münchnerin Espressotörtchen. „Die gehen rasend schnell.“ Die Ingredienzien sind wahre Stimmungsaufheller: bester Espresso und tiefdunkle Schokolade. „Was will man mehr?“

Die Zutaten sind vorbereitet. „Mise en place“ wie es in der Fachsprache heißt. Das genaue Vorbereiten des Arbeitsplatzes habe sie zunächst vom Vater, einem Koch, später in der Hotelfachschule in Ettal gelernt.

„Diese Arbeitsweise habe ich verinnerlicht“, sagt sie. Auch wenn Diana Hillebrand das Hotelfach längst an den Nagel gehängt hat. „Ich bin zwar wahnsinnig gerne Gastgeber“, räumt sie ein, aber die Arbeit im Hotel habe ihr auf Dauer nicht gefallen.

Nach der Ausbildung hat sie deshalb den Beruf gewechselt, sattelte in München auf Rechtsfachwirtin um und hat 18 Jahre „in wirklich tollen Kanzleien gearbeitet“.

Mit der Geburt von Tochter Amelie war es wieder an der Zeit für einen Cut. „Jetzt mach’ halt was mit Schreiben, das machst du doch so gerne“, habe ihr Mann sie damals ermutigt.

Sie hat ihr Leben lang schon geschrieben, erzählt die Autorin. Anfangs Tagebuch, um die strengen Regeln des Vaters zu verarbeiten. Heute schreibt Diana Hillebrand zwar keine Tagebucheinträge mehr, dafür aber Bücher, von denen sie leben kann: Sach- und Kinderbücher, jetzt das Kaffeehaus-Buch. Ein fertiger Roman liegt bereits beim Lektor.

„Man muss Gelegenheiten beim Schopf packen“, ist sie überzeugt. „Die besten Dinge im Leben passieren meist zufällig.“

So wie ihr die Idee für ihr neuestes Buch „Zuhause im Café“ bei einer Tasse Kaffee kam. „Es ist ein Seelenbuch“, sagt sie und blättert liebevoll durch die Kaffeehaus-Geschichten, die in Buchform auf dem Tisch liegen. Daneben dampft eine heiße Tasse Kaffee, die noch lauwarmen Espressotörtchen stehen griffbereit.

Ganz ehrlich, da kann es draußen noch so nieselig sein. Bei einer Tasse Kaffee und einem Bissen in die dunkelbraunen, schokoladigen Espressotörtchen hellt sich die Laune ganz schnell auf. Garantiert.

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